Montag, 14. Juni 10

„Komm, Heiliger Geist”

Pfingstfreizeit in Weitenhagen bei Greifswald vom 21.-24. Mai 2010

Teilnehmer der Pfingstfreizeit 2010 im Haus der Stille.

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Ein Bericht von Ellen Kirchhoff
 

Dass wir an Ostern nicht den Geburtstag des Osterhasen, sondern die Auferstehung Jesu Christi feiern, ist im sich entchristlichenden Deutschland noch relativ bekannt, obwohl meiner Erinnerung nach in der Ostseezeitung dem Osterhasen- und Eierkult weit mehr Raum gewidmet wurde als der Auferstehung. (Liebe Leser, beobachtet mal: was bringen die Zeitungen Eurer Region über die Ereignisse des Kirchenjahres?) Aber was ist Pfingsten? Noch ist Pfingsten ein zweitägiger Feiertag in Deutschland. Wie lange noch, wo so wenige Menschen etwas damit anzufangen wissen, außer in einen vielleicht wohlverdienten Kurzurlaub zu fahren? - Seit Jahren ist es eines der Hauptanliegen von Pfarrer Wolfgang Breithaupt, Leiter im Haus der Stille der Pommerschen Evangelischen Landeskirche, die Feste des Kirchenjahres lebendig werden zu lassen. So hatte man sich im Mitarbeiterkreis (Ehepaar Breithaupt vom Haus der Stille und Ehepaar Renate und Rudolf Böhm und Maria Kaißling, OJC) dazu entschlossen, anstelle der traditionellen Osterfreizeit in Weitenhagen erstmals eine Pfingstfreizeit anzubieten. Um mit Marco, einem treuer Osterfreizeit-Teilnehmer, zu sprechen: „Ostern, das kennen wir jetzt. Aber Pfingsten, das ist endlich mal was Neues!“
 

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Dem Unbegreiflichen nachspüren

Sich diesem Neuen, ja Unbegreiflichen anzunähern, war tatsächlich die Motivation von vielen der knapp 40 Teilnehmer, die sich nach Weitenhagen aufgemacht hatten. Aus der Region Vorpommern, aber auch aus Brandenburg, Thüringen, Sachsen, aus Hamburg, sogar aus Nürnberg und dem Schwarzwald waren Teilnehmer angereist. Etwa ein Drittel war zum ersten Mal im Haus der Stille zu Gast. Pfingsten gemeinsam zu gestalten ist eine Herausforderung. Ja, Ostern, da muss man einfach zusammen feiern: der Osternachtgottesdienst, das Entzünden des Lichtes, das Bangen und Warten, das Suchen, das Finden, die Freude teilen. Aber Pfingsten? – Wie sollen wir uns diesem Phänomen des Geistes annähern – unverfügbar, wie Er ist, wehend, wohin Er will? So brachte Wolfgang Breithaupt in seiner Einführung die Hoffnung zum Ausdruck, dass wir am Ende „nicht mehr wissen“ über den Heiligen, sondern dass „Er mehr in uns seine Wirksamkeit entfalte und wir neue Erfahrungen mit ihm machen können“.
 

Gemeinschaft erleben

Und – Gott sei viel Dank zugejubelt! - wir haben tatsächlich wunderbar getragene, erfüllte und erfüllende Tage zusammen erleben dürfen! Haben Kraft gewonnen zum Aushalten in einer schweren Krisensituation, Zuversicht auf die permanente und immanente Anwesenheit Gottes, wir konnten die Wirklichkeit und Wirksamkeit des Geistes neu im Herzen ergreifen. Es waren keine überschwänglichen Äußerungen spürbar, eher eine ruhige Kraft und Freude, eine herzliche Verbundenheit, erfrischte Hoffnung auf erneuertes Leben. Vieles hat dazu beigetragen: Die biblisch begründeten, informativen Vorträge über verschiedene Aspekte des Heiligen Geistes, die persönlichen Zeugnisse, die liebevoll gestalteten Bodenbilder, das gemeinsame Singen, die Gottesdienste und die Musik, der Austausch in Kleingruppen, das passende Wetter zu den Freizeitaktivitäten, die Ruhe und Schönheit, ja das gesamte Ambiente und die gute Küche im Haus der Stille, aber auch das befriedete, sich ergänzende Miteinander der Mitarbeiter. Und natürlich der Heilige Geist selbst, der sich unseren Bemühungen, Ihn besser kennenzulernen, wohlwollend zuzuneigen schien... DANKE!
 

Samstag: Geistesgaben – Verheißung für alle

Am Samstag machte Wolfgang Breithaupt in seiner Einführung deutlich, dass die Geistesgaben nicht etwas Spezielles für charismatisch begabte oder besonders strebsame Christen sind, sondern eine Verheißung Jesu an alle seine Jünger, die sowohl im eigenen Leben als auch in unseren Dienst wirksam werden soll. Exemplarisch entfaltete er die Gabe des Sprachengebets und der Krankenheilung. Am Nachmittag sprach Rudi Böhm über die Gabe der Weisheit und Unterscheidung und gab uns Hilfe zur Einordnung der vielen Gedanken und Impulse, denen wir täglich ausgesetzt sind. Der anschließende Austausch in Kleingruppen mündete in die Fragen: Was wünsche ich mir an Gaben zur besseren Verwirklichung meines Christseins? Und: Traue ich mich, den Heiligen Geist heute darum zu bitten? Da wurde es plötzlich für jeden persönlich konkret, und das war spannend! – Der reich gefüllte Tag endete in einer liturgisch-musikalisch-kulinarischen Feier zur Begrüßung des Sonntags.
 

Sonntag: Geistesfrüchte – Die Reifung des Charakters

Am Pfingstsonntag feierten wir einen Gemeindegottesdienst, der von festlicher Freude erfüllt war. Am Nachmittag fand bei prächtigem Pfingstwetter eine Wanderung zur berühmten Klosterruine Eldena statt, die mit Picknick und einer kleinen Schiffstour zurück nach Greifswald endete. Gut bewegt und durchlüftet waren wir fit für die abendliche Einheit über eine weitere Wirkung des Heiligen Geistes, nämlich die Charakterbildung. Maria Kaißling sprach über die in Gal. 5 genannten Früchte des Heiligen Geistes und ermutigte dazu, ganz konkret in der nächsten Zeit eine der dort genannten Geistesfrüchte zu erbitten. Die Atmosphäre der Freude und Freiheit, die über den ganzen Tagen lag, fand danach noch einen schönen Ausdruck: Marco wünschte sich zum Abschluss ein Taizé-Lied. Doch dabei blieb es nicht: wir sangen und musizierten noch eine ganze Zeitlang, mal mehr-, mal weniger stimmig, wer immer ein Lied kannte, zur Ehre Gottes, zur eigenen Freude, aus ganzem Herzen. Ein wunderschöner Abschluss eines erfüllten Tages!
 

Montag: Geistesgegenwart – Proviant für den Alltag

Am Pfingstmontag feierten wir einen internen Lobpreis- und Segnungsgottesdienst in der schmucken Weitenhagener Dorfkirche. Die Lieder, eine Bildbetrachtung und Stille öffneten einen Raum, in dem viele der Teilnehmer eigene Worte der Anbetung fanden. Die anschließende Einladung, sich segnen zu lassen, nahmen viele gerne an.

Einen Beschluss darüber, dass nächstes Jahr wieder eine Tagung zu Pfingsten stattfinden soll, gab es zwar nicht, aber manchmal eilen die Tatsachen den Beschlüssen voraus: „Nächstes Mal, wenn ich komme, möchte ich mich auch segnen lassen. Dieses Mal war alles noch zu neu, aber sehr eindrücklich,“ äußerte eine Teilnehmerin. Auch Marco hat sich fürs nächste Jahr schon angemeldet.
 

Lobpreis an den Heiligen Geist

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du bist voll großer Kraft, /
Du kommst vom Thron der Herrlichkeit, / voll Macht, die Leben schafft.

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du bringst des Feuers Glut, /
zum Beten Herzen machst bereit, /voll heilgem Glaubensmut.

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du schenkest uns die Gnad, /
der wahren Reue tiefes Leid, / die Gottes Herz erlab.

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du prägst in Gottes Bild, /
zeigst uns die Vaterherrlichkeit, / des Sohnes Glanz so mild.

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du strömest Liebe aus, /
Du kehrst in Freude jedes Leid, / erfüllst des Herzens Haus.

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du Schöpfergeist voll Macht, /
Du rufst in Ausweglosigkeit / Dein WERDE in die Nacht.

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du heilges, sanftes Weh'n/
Du Wind, der durch die Lande weit / lässt Gottes Odem gehen.

O Heiliger Geist, sei gebenedeit, / Du hast uns reich gemacht, /
durch Deiner Gaben Herrlichkeit / den Himmel uns gebracht.

Du, Du sollst gepriesen sein, / Du heiliger Gottesgeist,
Du Taube demütig und rein, / die nur zum Vater weist.