Internationale Jugendbegegnung

Internationale Jugendbegegnung

Hier hat der Name Reichelsheimer Europäisches Jugendzentrum seine Wurzeln. Kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beginnen 1992 die Renovierungen des ehemaligen Schmittsbauerhofs. Aus einem Bauernhof soll eine Begegnungsstätte für junge Menschen in Europa entstehen. Interkulturelle und ökumenische Begegnungen über Ländergrenzen hinweg bilden einen Schwerpunkt der Arbeit im REZ.
Seit 1993 veranstalten wir internationale Bau- und Begegnungscamps in den Sommermonaten. Ca. 35 junge Menschen vieler Nationen kommen aus Europa und Übersee. Programmelemente sind das gemeinsame Leben, das miteinander Bauen und das voneinander Lernen. Für diese Arbeit haben wir 2004 von der BMW Stiftung den BMW-Award für interkulturelles Lernen erhalten.
Viele junge Menschen konnten in diesen Tagen die kulturellen Mauern des Fremden abbauen und dabei gemeinsam viele Mauern der Kultur und Geschichte vor Ort erhalten und sanieren (z.B. ehemaliger Schmittsbauerhof oder das Schloss Reichenberg). Insgesamt haben seither über 500 junge Menschen aus 25 Nationen an diesen Jugendbegegnungen partizipiert.

Die Jury des Awards, der u.a. Professoren verschiedener europäischer Hochschulen angehören, begründete die Preisverleihung wie folgt: "Der Leitgedanke ist, durch das Zusammenleben und das Zusammenarbeiten von Jugendlichen aus vielen Ländern an einem gemeinsamen Bauprojekt neue Formen der Verständigung und Beziehungen zu entwickeln." Weiter heißt es: "Das vorliegende Projekt stellt eine beispielhafte Herausforderung dar, ganzheitliches interkulturelles Lernen zu fördern. Das internationale Baucamp bietet sich als Ort an, an dem junge Menschen mit "Kopf, Herz und Hand" gemeinsam Aufgaben bewältigen und aus diesen Erfahrungen nachhaltig lernen."

Seit 2003 hat sich der Bereich der internationalen Jugendarbeit durch die Jugendbegegnung mit Israel ausgeweitet: Junge Israelis, die bei Terrorattacken oder im Militärdienst Verletzungen erlitten haben, kommen zu Begegnungstagen nach Reichelsheim. Diese gemeinsame Zeit dient zunächst der Erholung von ihren traumatischen Erfahrungen und der ständigen Alarmbereitschaft in ihrem Land.
Ebenso wichtig ist dabei aber auch die Verständigung und Versöhnung zwischen jungen Deutschen und Israelis. Viele der jungen Israelis kommen zum ersten Mal und mit Misstrauen nach Deutschland. Sie stammen häufig aus Familien, die Opfer des Holocaust zu beklagen haben. Zwei Wochen begegnen sich hier im Jugendzentrum junge Menschen, die eine besondere Geschichte teilen.

Ein neuer Bereich ist duch die Jugendbegegnungen mit Roma aus Südosteuropa entstanden. Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa sind diese Camps Experimentierfeld für gänzlich Unbekanntes und einer neuen Art, mit Fremdem umzugehen.
Die gemeinsame Zeit und die direkten Begegnungen prägen und verändern die Einstellung zueinander positiv und nachhaltig. Im exemplarischen Kennenlernen der Völker werden Vorurteile abgebaut und neue Sichtweisen ermöglicht.