Baucamp baut Brücken

Interkulturelle Begegnung: Amerikanische Studenten renovieren gemeinsam mit jungen Deutschen Mauern des Reichenberger Schlosses

REICHELSHEIM. Das Schloss Reichenberg in Reichelsheim ist ein Ort der Zusammenkunft: Zurzeit sind 20 amerikanische Studenten aus dem US-Bundesstaat Virginia zu Gast, die hier die letzten vierzehn Tage ihres insgesamt sechswöchigen Deutschlandbesuchs verbringen. Gemeinsam mit zehn jungen Deutschen, die bei der "Offensive Junger Christen" (OJC) ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten, nehmen sie an einem Baucamp der ökumenischen Kommunität teil und renovieren einen Teil der alten Schlossmauer.

Wie es in einer Pressemitteilung der OJC heißt, steht allerdings nicht die Arbeit als solche, sondern vielmehr der damit verbundene interkulturelle Austausch der jungen Menschen im Mittelpunkt des deutsch-amerikanischen Zusammentreffens. Damit Freundschaft und Vertrauen zwischen Fremden wachsen können, brauche es Räume, in denen Kennenlernen und Begegnung möglich seien.

Ein solcher Raum soll das Baucamp sein. "Das gemeinsame Arbeiten hat viele Komponenten, die man beim Reden und Zusammensitzen gar nicht so herausfinden kann", erklärt Dominik Klenk [Hermann Klenk, Anm. d. OJC-red.], Architekt und Bauleiter auf Schloss Reichenberg.

Eine offene Atmosphäre ist jedoch zwischen Fremden nicht ohne Weiteres von Anfang an gegeben. Das hätten laut OJC-Mitteilung auch die einzelnen Teilnehmer feststellen müssen. "Im Vorfeld dachte ich, die Amerikaner kommen an und alles läuft prima", berichtet etwa der zwanzigjährige Baucamp-Teilnehmer Manuel, "aber am Anfang war es recht schwierig, auch weil ich diese Erwartungen hatte."

Wie sich diese anfänglichen Berührungsängste mit der Zeit zum Positiven wandelten, erzählt die amerikanische Studentin Julie Davis: "Auch wenn die Kommunikation nicht immer einfach war; das Gefühl zu haben, die anderen interessieren sich für mich, hat mir neue Kraft gegeben." Und auch die Arbeit an dem alten Gemäuer hat der Zweiundzwanzigjährigen offenbar gefallen: "Mich fesselt es, wenn ich daran denke, wie lange es dieses Schloss und diese Mauer bereits gibt. So viele Menschen waren schon hier, und ihr Leben fand hier auf diesem Gelände statt."

Für Dominik Klenk [Hermann Klenk, Anm. d. OJC-red.] tragen Begegnungen wie das Baucamp, das in diesem Jahr schon zum 15. Mal stattfindet, nicht nur im persönlichen Bereich zu Verständnis und Vertrauen gegenüber Anderen bei. Darüberhinaus seien sie auch die historische Grundlage dafür, dass es in Deutschland seit über 60 Jahren keinen Krieg mehr gab, meint Klenk: "Europa wird durch wirtschaftliche und politische Verträge zusammenwachsen. Aber dass Nationen und Menschen zueinander finden, kann man nicht in Verträgen festlegen. Dafür braucht es Zeit, das Ausräumen von Vorurteilen, Gespräche und gegenseitiges Kennenlernen."

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23.6.2009