Editorial zu Burnout

Liebe Mitchristen

”Burnout” scheint in aller Munde zu sein. Ursprünglich verstand man unter dem Ausgebranntsein eines Menschen die negativen Folgen der beruflichen Überbeanspruchung und sprach von ­einem Streßsyndrom der helfenden Berufe. Inzwischen versteht man darunter ein umfassenderes Beschwerdebild – die Ausgebrannten befinden sich in einem beklagenswerten Leidenszustand, der sich auf das ganze Leben des Betroffenen auswirkt. Diese tiefe ­Erschöpfung an Leib und Seele hat Konsequenzen sowohl für die beruflichen Aufgaben, als auch für Partnerschaft, Familie, den Freundeskreis und dann auch für die eigene Gesundheit. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Rücken­schmerzen samt einer ­erhöhten Anfälligkeit für Erkältungs- und andere Infektionskrankheiten stellen sich quälend ein, dazu erhöhen die Gefühle von Sinn- und Hoffnungslosigkeit die Todessehnsucht, den Alkoholkonsum oder Medikamentenmißbrauch.
„Dazu kommt ein sonderbares Phänomen, nämlich ‚müde, matt und abgeschlagen’ nach außen, innerlich aber unruhig, nervös und gespannt, mitunter reizbar und gelegentlich aggressiv... Man erkennt diese Menschen angesichts ihres früheren Auftretens kaum wieder... Jetzt beginnt der Betroffene wie eine Kerze an beiden Seiten (gleichzeitig) abzubrennen... was übrigbleibt ist eine ­sonderbare Mischung aus Widerwillen, Resignation, Selbstmitleid, Bitterkeit... Mißtrauen... sogar Panik­bereitschaft... bis zur Entwertung der eigenen Person.” (Volker Faust: Seelische Störungen heute, Verlag C. H. Beck, 3. Aufl. 2003)
 
Der Betroffene ist in einem Teufelskreis gefangen. Gisela Stübner beschreibt, wie sie in diese Falle hinein­geraten können und was die Wende heraus aus dem leidvollen Zustand bringt. Deutlich wird an den persönlichen Berichten von Erich Schneider und Annette Klotz, daß es nicht darum geht, das ­alte und gewohnte temporeiche „Power-­Leben” wieder aufnehmen zu können, sondern wirklich ANDERS weiterzuleben!
 
Vielleicht ist der Burnout in der Häufigkeit des Auftretens eine Lebensstörung in der heutigen Zeit. Doch bekannt waren die Phänomene schon in der antiken Welt. Elias Müdigkeit ist ein klassisches ­Beispiel für das Zu-Tode-erschöpft-Sein ­eines ­engagierten, eifrigen, begabten, klugen und belast­baren Mannes. Wie er langsam wieder zur ­Ruhe an Leib und Seele findet, schildert die Bibel sehr anschaulich. Frau Dr. Roth, nach eigenen Aussagen eine „Fachfrau für Burnout durch eigenes Erleben”, nimmt uns mit hinein in die einzelnen Abschnitte der Genesung des “abge­fackelten” Propheten.
 
Klaus Berger, provozierender Theologieprofessor, ­empfiehlt in seinem neuen Buch Jesus (Pattloch Verlag 2004), sich doch ab und zu in die „Ferientherapie Jesu” zu begeben: zunächst den sorglosen Jesus zu betrachten, der Gott preist über den Feldlilien in aller ihrer Pracht. Sodann das Wort Jesu sich zu Herzen nehmen: “Zieht euch zurück in die Einsamkeit und ruht etwas aus” (Mk 6,31). „Das Markusevangelium bewahrt hier ­einen sehr menschlichen Zug Jesu, der ein Herz hat für überlastete und ausgebrannte Christen (und Seel­sorger). Auch sie dürfen Pause und Ferien machen.”
 
Ruhe, ausruhen, Ruheort sind hochwertige Worte in der Bibel. Sogar Gott ruhte am 7. Tag von allen seinen ­Werken! Er hat den 7. Tag heilig erklärt und in den 10 Geboten verankert! Diese Ruhe ist ein Geschenk, das für uns Menschen aus dem Paradies her in unsere Zeit hinein gegeben ist!
Auch das “Gelobte Land”, das Israel nach 40jährigem Unterwegssein in der Wüste erreicht, ist “Ruheort” ­genannt – der Ort des verheißenen Lebens, des ­Friedens, der Genesung, des Heils und der Zeit der ­Begegnung mit Gott.
„Lernt von mir... so werdet ihr Ruhe finden für eure ­Seele”, verspricht Jesus den Menschen, die ihm zu­hören. ­Erweist er uns damit nicht gleichzeitig einen Einblick in seine eigene geistliche Lebenspraxis? Seine Lebensart, die ihn bei allem Engagement vor dem Ausbrennen schützt?
 
Mit herzlichen Grüßen zur vorösterlichen Zeit mit allen aus der Redaktion
Ihre
 
Maria Kaißling

Den Blick himmelwärts

Wahr ist es,
einmal reißt es uns alle hinauf
aus Zerfall in ewige Jugend,
aus Sterben ins Leben,
aus Siechtum in siegende Kraft,
aus Kleinheit in Glorie,
aus einigen Zeiten in ewige Weiten.
So wird es sein, ja so,
wenn wir ewig daheim sind bei Christus.
 
Cyrill von Alexandrien

Von

  • Maria Kaißling

    Religionspädagogin. Sie lebt in der OJC-Auspflanzung in Greifswald und ist vorwiegend als Seelsorgerin tätig.

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