Buchbesprechung

Evangelische Seelsorgerinnen.

Biographische Skizzen, Texte und Programme.

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen: 2005, 352 S., 32,90 €

Was waren das für Frauen, von denen Peter ­Zimmerlings Buch erzählt? Wahrhaftig, sie waren sehr verschieden, schließlich beginnt das Buch mit der Darstellung von drei Ammae, geistlichen ­Müttern im 4./5. Jahrhundert, und endet mit Trude Emmerich, die 1983 starb.
 
Fragen wir nach ihrer Seelsorge, so dürfen wir uns darunter nicht Vieraugengespräche vorstellen. Seelsorge, wie sie von allen diesen Frauen verstanden wurde, waren Begleitung, Teilnahme, Briefe und Hilfsaktionen, waren Treue in der Fürbitte und natürlich auch Gespräche. Allen neunzehn ­Frauen, die von verschiedenen Autoren charakte­risiert werden, eignet ein tiefer Glaube, der sie ­fähig machte, Gottes- und Nächstenliebe zu üben, oft auch unter Entbehrungen. Da das Buch evangelische Seelsorgerinnen heißt, werden wir – mit Ausnahme der schon genannten Ammae – mit Frauen ab etwa 1520 bekannt gemacht.
 
„Kirchenmutter“ wurde z.B. Katharina Zell (1498-1562) genannt, Ehefrau von Pfarrer Zell in Straßburg, für die kein Werk der Nächstenliebe zu schwierig war. Sie ging ganz praktisch vor. Ein ­großes Gesangbuch, wie es die Böhmischen ­Brüder  hatten, das ihr sehr gut gefiel, konnten ­ihre Leute nicht bezahlen. Deshalb ließ sie kleine Hefte ­drucken, für die sie geeignete Lieder ausgesucht hatte, damit jedermann solch „Lob-Gebet und Lehrgesäng“ an allen Orten und zu allen Zeiten singen könne. Das Gebot, Frauen sollten in der Gemeinde schweigen, umging sie, indem sie Briefe schrieb an Männer und Frauen, auch offene Briefe an den Bischof oder den Rat der Stadt. Es tut mutlos gewordenen Menschen des 21. Jahrhunderts gut, etwas über Gedanken und Taten solcher unerschrockenen Frauen zu erfahren.
Die seelsorgenden Frauen der Neuzeit waren ­zumeist Frauen, die unter den kritischen Blicken der Professoren und Kommilitonen Theologie ­studierten, gute Examina machten, um in vielen Fällen als „Fräulein Vikarin“ zu bescheidenen Diensten in den Gemeinden eingesetzt zu werden.
 
Der mühsame Weg, den sie beschritten, wenn sie missionarisch, Glauben weckend tätig sein wollten, wird in Zimmerlings Buch eindrücklich dar­gestellt. ­Es wird aber auch gezeigt, mit welcher Leidenschaft und Unerschrockenheit besonders im Dritten Reich solche Frauen Zeugnis ablegten von ihrem Glauben. Sie gaben Zeitschriften heraus, veröffentlichten Gedichte und Gebete wie Grete Gillet,  gründeten Schulen wie Elisabeth von ­Thadden und Trude Emmerich, engagierten sich in Volkshochschulen wie Hanna Jursch und setzten sich für Juden ein wie Katharina Staritz.
 
Es scheint uns heute selbstverständlich, dass Frauen zu allen Ämtern in der Kirche zugelassen sind. Deshalb sei Peter Zimmerling und seinen Mit­autoren gedankt, dass sie uns diesen historischen Rückblick der Mitarbeit von Frauen in der Kirche so vielseitig vor Augen gestellt haben.
 
Adelheid Böhme

Von

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