Buchbesprechung

Christl R. Vonholdt (Hrsg.):

Verwundete Weiblichkeit.­

Homosexuell empfindende Frauen verstehen

Brunnen Verlag Gießen: 2005, ISBN 3-7655-1348-2, 110 S.

Mit neuer Brisanz stellt sich die Frage nach Hilfe für Frauen, die ihre homoerotischen Gefühle als belastend erleben und nach Alternativen zum homosexuellen ­Lebensstil suchen – inmitten der gesetzlichen Liberalisierung und Förderung und der zu­nehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz des Lesbianismus.
Verwundete Weiblichkeit wendet sich an Menschen, die mit weiblicher Homosexualität konfrontiert sind: Betroffene, die ein Coming out hinter sich haben, oder Frauen, die bei sich homoerotische Gefühle wahrnehmen, diese aber nicht ausleben möchten. Auch Angehörige, Seelsorgerinnen und Therapeuten finden in diesem Buch Information über Ursachen und ­Symptome von weiblicher Homosexualität, ­Diagnostik und Therapieansatz sowie die Beschreibung konkreter Schritte der Veränderung hin zur Heterosexualität.
 
Wissenschaftlich fundiert und mit einem feinem Gespür für die Betroffenen beschreibt Janelle Hallmann (USA), Therapeutin mit langjähriger Erfahrung, die Einfallstore, die zu Störungen in der Entwicklung weiblicher Identität führen können. Als eine der Hauptursachen nennt sie die Mutterentbehrung. Das kleine Mädchen kann aus verschiedenen Gründen nicht in genügendem Maß und sicher bei der sorgenden Mutter sein. Es ist gezwungen, ­Mechanismen des Selbstschutzes und des Akti­vismus aufzubauen, um Angst und Verlassenheit zu verdrängen. Diese eingeübten Mechanismen hindern die junge Frau später, in sich zu ruhen und aus einer inneren Sicherheit und Seinskraft heraus gelingende Beziehungen aufzubauen. Die Verbindung mit einer anderen Frau ist ein Versuch, die eigene innere Leere, das „Nicht-Empfinden“ der eigenen Weiblichkeit zu kompensieren. Fällt diese Verbindung weg, ist die eigene Identität bedroht. Merkmale lesbischer Beziehungen sind daher oft Ab­hängigkeit und Selbstaufgabe.
Es ist ein Verdienst Hallmans, daß sie auch in der Beschreibung der weiteren familiendynamischen Faktoren, die zu Lesbianismus führen können, niemals Schuld zuweist. Stattdessen nennt sie ein komplexes Zusammenspiel von äußeren und inneren Umständen, die dem ­Verständnis des Ursprungs homoerotischer ­Gefühle dienen.
Obwohl Ursachen aber auch Ausformungen weiblicher Homosexualität vielschichtig sind, nennt Hallman ein gemeinsames Therapieziel: Die Betroffene soll ein Zuhause bei sich selbst finden. Dazu ist die Qualität der Bindung ­zwischen Therapeutin und Klientin, die therapeutische Beziehung, vielleicht die wichtigste Komponente in der Begleitung. Die beschriebenen Therapieschritte und praktischen Übungen zeigen keine schnelle Lösung auf. Doch die genannten Beispiele sind Hoffnungsträger dafür, daß eine dauerhafte und tiefgreifende Veränderung des Seinsgefühls Betroffener langfristig möglich ist. Beiträge von Andrea Sigler-Smalz, einer Therapeutin, die selbst aus dem homo­sexuellen Lebensstil herausfand und Joseph und Linda A. Nicolosi ergänzen und unterstützen die Ausführungen Hallmans.
 
Das vorliegende Buch stellt das Thema weibliche Homosexualität in den Zusammenhang einer tiefreichenden Verunsicherung bezüglich des weiblichen Selbst. Es weist deshalb über die Homosexualitätsproblematik hinaus auch auf Problematiken wie Beziehungsabhängigkeit, Unsicherheit in der Beziehung zu Männern oder Frauen, Suchtproblematiken wie Anorexie und Bulimie, Depressionen, trotz heterosexueller Gefühle keine Bindungsfähigkeit gegenüber einem Mann oder promiske Beziehungen zu Männern, die alle in einem Zusammenhang mit verletzter Weiblichkeit stehen. „Verwundete Weiblichkeit“ ist deshalb für alle, die sich mit dem Thema Weiblichkeit intensiver auseinandersetzen wollen ein Gewinn.
 
Monika Hoffmann

Von

  • Monika Hoffmann

    Juristin, lic. iur.. Von 2000-2007 Öffentlichkeitsreferentin im Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft.

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