Buchbesprechung

Meike Schneider: 

Ich will mein Leben tanzen

Medienverband der Evangelischen Kirche im Rheinland 2005

Meike Schneider erkrankt im März 2003. Dia­gnose: Akute Lymphatische Leukämie. Die junge Frau ist zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alt. Sie hat gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kosovo hinter sich. Jetzt studiert sie in Leipzig evan­gelische Theologie. In Emails, Tagebuch und ­Kalendereinträgen lässt sie Menschen teilhaben an dem, wie sie sich fühlt und wie sie das durch ihre Krankheit veränderte Leben erfährt. Am 3. Februar 2005, also nach fast zwei Jahren, stirbt Meike Schneider an den Folgen ihrer Krankheit.
 
Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen halte und den Titel lese, denke ich: Ja das will ich auch! Tanzen ist schön, eine Form, mit dem Körper zum Ausdruck zu bringen, was man empfindet. Das ist pures Leben. Es macht mich neugierig, welche Vorstellungen und Wünsche Meike an ihr Leben hat. Gespannt lese ich, wie sie von ihrer Krankheit erfährt, geschockt ist, sich darauf einstellt und zu schreiben beginnt, um mit anderen ihre Wahrnehmungen und Empfindungen zu teilen. Beeindruckt von ihrem Lebenswillen lese ich: „Angst habe ich. Aber nicht Angst zu sterben, dafür bin ich mir zu sicher, weiterhin zu stark und zu kämpferisch zu sein, um diese Scheißkrankheit nicht zu überleben.“
Ihre größte Angst ist es, zu vergessen, wie sehr sie ihr Leben liebt. Genau das ist in jedem Buchstaben ihres Buches zu spüren. Zwei Jahre erträgt sie ständige Übelkeit, schmerzende Mundschleimhäute, entzündete Blutgefäße und Zehen, Haarausfall. Sie muss ihr selbstbestimm­tes Leben als Studentin aufgeben.
Durch die genau dokumentierten schmerzvollen Erfahrungen bricht aber immer wieder ihre ­unbändige Lust am Leben, ihr Wunsch nach leidenschaftlicher Erotik mit einem Mann, ihr Traum von Kindern und ihre Vorliebe für gutes Essen, Schminke und Kleidung hindurch. In ­einem Satz schreibt sie von der Chemotherapie und ihren Folgen, im nächsten von den Sehnsüchten einer jungen Frau – ein Wechselbad der Gefühle. Ich lasse mich beim Lesen auf diesen ständigen Wechsel ein. Schmerzlich berührt mich ihr Leid, freudig die ­Liebe, die sie bekommt und gibt. Ihren 21. Geburtstag feiert sie im Krankenhaus. Sie stellt fest: „Das war der schönste in meinem Leben.“
Wunderbar ist die Intensität der Beziehungen zwischen Meike Schneider und ihren Eltern, Schwestern, Freundinnen und Freunden während dieser Zeit – ich habe das Gefühl, sie konnte und wollte nicht nur Zuwendung bekommen, sie hatte anderen viel zu geben, auch über den Tod hinaus. In ihrem Buch lebt weiter, woran sie geglaubt und wofür sie bis zum Schluss gekämpft hat: die unbändige Lust am Leben.
Mich als Theologin, Seelsorgerin und Frau haben Meikes Gedanken sehr berührt und dazu angeregt, über meine eigenen Beziehungen zu Menschen, zum Leben, Sterben und zum Tod nachzudenken. Darin liegt die große Chance dieses Buchs.
 
Carmen Berger-Zell

Von

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