Wort wider den Tod

Am Grab eines jungen Menschen

Manfred Bittighofer

Wir sind jetzt alle so bedrückend hilflos. Unsere Herzen sind schwer – voller Trauer und Leid. Ohnmächtig stehen wir vor dem Tod – erschrocken­ ob seiner Macht, die so schnell alles verändert. Und wir können die Klage eines jungen Menschen wohl verstehen, der an Familie Kettling schreibt: „Ich kann gar nicht fassen, was geschehen ist. Es ist furchtbar, wie ein Mensch so schnell sein Leben aushauchen kann, obwohl er noch so jung ist. Es ist nicht gerecht, dass Matthias sterben musste. Er hat noch nicht richtig Zeit gehabt, zu leben. Aber danach fragt wohl keiner.“Fragen stehen vor uns wie eine undurchdringliche Wand. Es ist vor allem die in diesen Tagen neu ­gestellte Frage nach dem Warum.  Es ist so viel abgebrochen durch den Tod von Matthias:abgebrochen die Gemeinschaft in der Familie, abgebrochen die Freundschaften, abgebrochen die Ausbildung, abgebrochen das weitere Reifen von Matthias, die Entfaltung seiner Gabe, sich Menschen zuzuwenden, sich um sie zu kümmern, sie anzunehmen, sie zu festigen, sie beieinander zu halten.Ihr, seine Freunde, wisst, was damit gemeint ist. Abgebrochen – so sehen wir’s. Aber was wir sehen, das ist nicht alles – und vor allem nicht das Letzte!Paulus schreibt im Philipperbrief (1,6): Ich bin ­darin voller Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.Gott ist in uns am Werk. Wir sind nicht geboren, nur um zu sterben und damit der Tod sein Spiel mit uns treibe. Gott ist am Werk!Er hat bei Matthias sein Werk begonnen, lange ­bevor er es selber begreifen konnte. In der Heiligen Taufe wurde er Gott übergeben, sein Name wurde mit dem Namen Gottes verbunden: ganz, unteilbar, untrennbar. In Gottes Namen steht sein Name. Matthias, du gehörst mir! Und Gott nimmt seine Zusagen nicht zurück, ER bleibt treu. Daran kann kein Tod etwas ändern.Hören wir das ganz persönlich für uns: Mein Name in Gottes Namen. Sein Werk geschieht an mir. Das Werk, das Gott für uns und an uns tut, ist das Beste, was uns überhaupt geschehen kann: ER löst uns von unserer Schuld. ER öffnet uns die Tür zum ­Leben.Mit Jesus Christus hat uns Gott sein Werk vor ­Augen gestellt: Seht und betastet es, greift danach! – Hier am Kreuz, unter den ausgestreckten Armen des ­Gekreuzigten, sagt er uns: Du bist versöhnt, deine Sünde ist weggetan. Du bist von mir angenommen. Komm, hier sind meine Hände nach dir aus­gestreckt! Und am Ostermorgen sagt er uns: Dir ­gehört das Leben, dein Tod ist besiegt, das Grab ­behält dich nicht. Komm, und ergreife das Leben! So sieht uns Gott. Das ist sein gutes Werk für uns und an uns, und wir sind jetzt gerufen, darauf zu vertrauen. Matthias wusste etwas von dem Werk Gottes an ihm und von der Herrschaft Gottes in seinem ­Leben. Was er begriffen hatte von Gottes Herrschaft, dafür stand er ein und wollte, dass es auch andere erfahren und in diese Verbindung mit Jesus kommen. Freilich war er dabei immer auch den Schwankungen im eigenen Reifen ausgesetzt, kämpfend mit Zweifeln, Unsicherheit, er suchte und rang.Liebe Freunde von Matthias, behaltet das in Erinnerung – über all dem vielen Schönen und Guten, das euch in den Sinn kommt, wenn ihr an ihn denkt. Nehmt das mit: Gott ist Herr! Gott ist mein Herr, und er hat mich lieb. Behaltet dies für euer Leben: Gottes Wort allein hat Bestand – und wer von IHM gerufen ist, der bleibt im Leben. Gott ist am Werk, nicht der Tod! Den haben wir jetzt freilich vor ­Augen – bedrückend, lähmend. Er aber ist ganz unter den Augen Gottes, der sich sein Werk – Matthias – nicht aus der Hand nehmen lässt.Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu. Gott schafft Vollendung. Wir wissen: Bei allem, was wir tun, bleibt vieles unvollendet, bruchstückhaft, trotz aller Anstrengung und aller guten Vorsätze – wie bei Matthias, bei dem so viel abgebrochen ist.Doch wie ist das? Niemand muss das von Gott ­begonnene Werk an sich selber vollenden, zu Ende bringen. Paulus richtet hier keinen Appell an die, an denen Gott wirkt, sondern vertraut darauf, dass Gott zur Vollendung bringt, fertig gestaltet, ganz macht, vollkommen. Matthias geht in Gottes Händen auf diese Vollendung zu, ganz gewiss! Am Tag Christi Jesu, wenn alles Verborgene enthüllt wird und in der Klarheit seines Lichtes gelöst ist, werden wir sehen und staunen, loben und danken. Das zu wissen ist, was jetzt zählt: Wir werden an diesem Tag Christi dabei sein – vollendet als Gottes Werk. Lassen wir uns davon durch nichts abbringen! Im Hören auf Gottes Wort werden wir zur Vollendung gebracht. Nichts Besseres kann uns geschehen. Was bleibt, wenn der Tod nach uns greift? Gottes Treue: Du gehörst mir!Was richtet uns auf in der Tiefe des Leides? Gottes Gegenwart: Ich hab dich lieb! Vertrauen wir darauf, dass ER uns vollendet, dass ER uns an dem Tag Christi Jesu bei sich behält – im Leben.Gott will uns zum Ziel bringen. Und weil das so ist, steht auch über dem für uns so schweren heutigen Tag Gottes unverbrüchliche Zusage: Matthias, du gehörst mir! Amen. (Gehalten im  August 1986)

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