Buchbesprechung

Christel Hausding (Hrsg.)

Reife Menschen sind gefragt

Hänssler Verlag, Holzgerlingen 2007

Halbzeitpause – kennen wir die? Wann beginnt die 2. Halbzeit unseres Lebens? Oder muss ich ewig jung bleiben? Diesen Fragen stellen sich ganz unterschiedliche Personen in diesem Buch. Es geht um wachsende Beziehungen im Zwischenmenschlichen. Dies ist an persönlichen Lebensereignissen schlüssig dargestellt.
 
Ein Buch für junge Menschen, zum einen um zu ­sehen, wie entwickelt sich ein Leben, und zu vergleichen, welchen Einfluss kann ich für mich darauf nehmen. Zum anderen, wie kann ich meine ­Eltern, Großeltern verstehen, aus welchen Wurzeln lebe ich, wo muss ich bewusst gegensteuern und Klippen ihres Scheiterns umschiffen. Es ist auch ein Buch für ältere und alternde Menschen, die nach Umbruchphasen ihres Lebens fragen, wie gehe ich damit um, wie geht es weiter?
 
Die Kinder gehen aus dem Haus, was fangen wir Eheleute nun miteinander an? Die Kinder sind flügge geworden, verleihen wir unserem Miteinander doch noch einmal Flügel. Wir dürfen Erreichtes, Erspartes genießen, sollten uns jetzt aber auch dem eigenen bisher gelebten Leben stellen. Jetzt ist Zeit, eine ­Zwischenbilanz zu ziehen, Gewinn und Verlust zu bewerten. „Das kann schmerzlich sein, aber es ist notwendig. Hier entscheidet sich im Tiefsten, ob wir nur älter oder wirklich reifer werden. Wie ­gehen wir mit den Brüchen und den Erfahrungen des Scheiterns in unserm Leben um?“  
 
Wir finden Beispiele, in denen alte und alternde Menschen über ganz neue Herausforderungen in dieser Lebensphase und die Schwierigkeiten mit sich, den Umständen, andern Ländern, ihren eigenen Kindern und Enkelkindern berichten. Das Beispiel der Makrima aus dem 4. Jahrhundert lässt uns verstehen, wie auch nach dem Tod geliebter Menschen ein Leben Bedeutung gewinnen kann. Lebensbegleitung (Mentoring) zeigt, wie junge oder auch nur unerfahrene Menschen in Aufgaben und Verantwortung hineingeführt werden.
 
Was ist, wenn Eltern alt und dann unselbständig werden, ohne es sich einzugestehen oder selbst zu ­bemerken? Wir lesen hier eine sehr einfühlsame und kompetente Darstellung dieser Problematik.
Was wird, wenn der Partner stirbt – die Suche nach dem Zurechtfinden in dieser so schweren Situation. „Man kommt sich wie amputiert vor, wenn der Partner fehlt, nach so vielen gemeinsamen Jahren – und andere sieht man gemeinsam alt werden.“                                                                   „Tu deinem Leib etwas Gutes ...“ Da ist auch der Oberst a D., der nicht stillsitzen will und praktische Hinweise für die Erhaltung der Beweglichkeit gibt.
Neuer Beruf mit Mitte Fünfzig oder mit 77 auf den Balkan, wo die Kriegsnachwirkungen noch täglich zu spüren sind.  Aufbruch nach Südamerika, wo doch eigentlich der Ruhestand beginnen könnte. Da berichtet die alleingebliebene Lehrerin, wie sie ihren Ruhestand selber organisieren muss, ihre Grenzen annimmt und dann doch auch noch Hilfe erfährt und akzeptiert im Umgang mit dem Computer. Sie sucht nach Freundschaft und erlebt sie auch.
 
Nobelpreisverdächtig wirken die Rezepte und Empfehlungen gegen Arthritis, Grauen Star und Alzheimer, da unsere Wissenschaftler bis heute ­bestenfalls Vermutungen über Heilungschancen äußern.
„Inzwischen bin ich 55 Jahre alt, die Kinder sind aus dem Haus und der Ruhestand meines Ehemannes naht. Warum sollte ich weiterlaufen wie bisher? ... Nun wurde vor zwei Jahren ein Seelsorgekurs angeboten und ich entschied mich, das Grundlagenseminar zu besuchen. ...Seelsorge beginnt an der eigenen Seele, sie fängt bei mir selbst an.“ So kann ein Reifungsprozess im Alter und eine neue Herausforderung auch beginnen. Die Hospizarbeit und die Vorbereitung auf solche intensive Begleitung in der letzten Lebensphase ist ein weiteres wichtiges Thema, dem sich manche(r) in diesem Lebensabschnitt bewusst stellen will. Mose rät, den ganzen Weg zu bedenken. Machen wir es doch auch mal mit diesem Buch, denn Nachdenken hilft auch weiterzudenken und weiterzukommen, hilft reifen, um ans Ziel zu kommen und andere dahin zu begleiten.   
 
Ulrich Kaiser, Greifswald

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