Filmrezension

Into The Wild

Regie: Sean Penn; Darsteller: Emile Hirsch, Marcia Gay Harden, William Hurt, Vince Vaughn u.a.; USA 2007

Im Vordergrund des Geschehens steht der konsequente Versuch eines 24-jährigen jungen Mannes, seiner von ihm verachteten Lebensgeschichte, mit allem, was sie bestimmt hat, zu entfliehen. Fast 2 Jahre ist er unterwegs und findet fast überall Menschen, die ihm zugeneigt sind. Doch jedem, der sich näher mit ihm anfreunden will, kehrt er nach einiger Zeit wieder den Rücken zu. Auf seiner idealistischen Suche nach der ultimativen Freiheit eines Lebens ohne Lügen und Kompromisse manövriert er sich unmerklich in eine zunehmend ausweglose Lage. Die Natur als Rettung, sich Enttäuschungen von Menschen zu ersparen, erweist sich zuletzt als ‚ungemütliche’, ja grausame Sackgasse. Am ersehnten Ziel angelangt, findet er sich in einem Gefängnis vor. ‚Bin buchstäblich in der Wildnis gefangen’ notiert er in sein Tagebuch. In der angestrebten Einheit mit der Natur, wo er sich selber zu finden erhoffte, büßt er sein Leben ein. Die Erinnerung an die Worte eines alternden Witwers (seiner letzten Begegnung vor der Wildnis) verhilft ihm in seinem Todeskampf zu der Erkenntnis, dass nicht die romantische Verklärung eines Lebens in der Wildnis das wahre Leben hervorbringt, sondern nur ein Leben, das lieben und geliebt werden kann. ‚Glück ist nur echt, wenn man es teilt’, so lautet ein Eintrag in sein Tagebuch zu dem Zeitpunkt, als sein Tod unmittelbar bevorsteht. Obwohl der Film in kein ‚Happy End’ mündet, hat er einen guten, lebensbejahenden Ausgang: Als er versöhnt aus dem Leben geht, liegt alles Leben wieder vor ihm.
Das zweieinhalbstündige Drama nach dem Tatsachen-Roman „In die Wildnis – Allein nach Alaska“ von Jon Krakauer ist weit mehr als eine der herkömmlichen Aussteigergeschichten. Der Film stellt über die reine Gesellschafts-, Konsum- und Materialismuskritik hinweg existentielle Fragen, die den Zuschauer tief berühren. Das Schicksal der Hauptfigur wurde vom Regisseur Sean Penn mit großer Sorgfalt bis ins feinste Detail durchkomponiert. Der tiefschürfende Inhalt, die grandiosen Naturaufnahmen und der stimmige Soundtrack machen „Into The Wild“ zu einem außergewöhnlich sehenswerten Film, den ich gerne weiterempfehlen möchte.
 
Rudi Böhm, Greifswald

Von

  • Rudolf M. J. Böhm

    Sozialpädagoge, gehört mit seiner Frau Renate zur OJC-Auspflanzung in Greifswald, wo er u.a. als Seelsorger aktiv ist.

    Alle Artikel von Rudolf M. J. Böhm

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