Editorial zu "In der Heilung bleiben - der Weg der Heiligung"

Im Licht der Ostersonne bekommen die Geheimnisse der Erde ein anderes Licht.
 
Friedrich von Bodelschwingh

Liebe Mitchristen,

In einer kleinen Runde unterhielten wir uns über unsere Vorstellungen von geistlichem Reifen und von Heilung. Ob wir das in wenige verständliche Worte fassen können? „Kindhaftigkeit ist das Ziel“, sagte einer.
„Werden wie die Kinder“ gibt Jesus uns mit auf den Weg. Den meisten Erwachsenen fällt bei diesem Stichwort spontan leider nicht viel Anziehendes ein: unmündig, klein bleiben, kontrolliert und bevormundet werden oder gar kindisch sein. Von allem, was wir von Jesus wissen und erfahren können, kann er jedoch dieses nicht mit seiner provozierenden Aussage im Blick gehabt haben.
Was zeichnet die Kindhaftigkeit aus?
Eine hervorragende Eigenschaft kindhafter Menschen ist ihre Bereitschaft zuzuhören und zu empfangen. Zu der Geschichte des Christseins wurde, so Maria, die Mutter Jesu, zum Vorbild für diese Empfänglichkeit: Mir geschehe wie du gesagt hast! Wilhelm Stählin schreibt dazu: „Es ist nicht die Rede von etwas, das Maria getan hätte, nicht von Leistung, Anmut und Tugend, sondern allein von dem, was an ihr geschieht. Und es geschieht nicht wie ein Naturereignis, als unwiderstehlicher Zwang, sondern es geschieht, weil sie es an sich geschehen lässt und sich hingibt an das, was da geschehen soll. Gleich wie ihr Sohn hernach bekennt, dass niemand sein Leben von ihm nimmt, so wird auch Maria von niemandem, auch von Gott nicht, gezwungen. Sie ahnt wohl, dass dieses, das da geschehen will, sie ganz fordert, ihr ganzes Leben…“
Im Johannesevangelium spricht Jesus wiederholt über seine Kindschaft. In bewegenden und aufrüttelnden Worten mutet er den damaligen Schriftgelehrten und uns Heutigen zu, dass er alles, was er zu sagen hat, vom Vater im Himmel empfängt; alles, was er tut, hat er zuvor vom Vater gehört; alles, was er will, gleicht er dem Willen des Vaters an. Er beschreibt sich selbst ganz als der Sohn, der sich und alles, was er ist und hat, aus den Händen des Vaters im Himmel empfangen hat.
Ich tue nichts von mir aus, nur was ich vom Vater höre: es liest sich, als wolle er auch sagen: ich bin nur der Sohn, nicht selbst der Vater!
Jesus lebt in einer atemberaubenden Weise diese Kindhaftigkeit. Wohl darum kann er auch sagen, „wer mich sieht, sieht den Vater“. Ja, er ist so sehr ganz das empfängliche Kind, dass auch dieser Satz aus seinem Munde glaubwürdig ist: „Der Vater und ich sind eins.“
In einem seiner letzten Gebete bittet Jesus den Vater, dass die Jünger und alle, die durch sie zum glauben in Gott finden, so mit dem Vater eins werden mögen, wie er selbst mit ihm vereinigt ist!
Kinder Gottes, vielgeliebte Söhne und Töchter, das sind wir. Dies wird unseren Lebensstil nicht so bleiben lassen wie gehabt!
In diesem Heft berichten wir in Referaten und Erlebtem von der fruchtbaren Spannung zwischen der Heilung, die Gott schenkt und der Kindhaftigkeit, nämlich der Heiligung. Die gehören in der Bibel untrennbar zusammen. Zu dem Thema hilfreich und klärend fanden wir den Beitrag von Wolfgang Bittner über das „Weltbild der Bibel“.
Dass wir alle die Liebe Gottes empfangen als ein großes Ostergeschenk, das unser Leben mitten im grauen Alltag zu einem bunten, weiten Feld werden lässt, das schenke uns Gott!
 
Im Namen des ganzen Redaktionsteam
wünsche ich Ihnen eine gesegnete Osterzeit,
Ihre
 
Maria Kaissling

Gottes-Kind sein heißt: an Gottes Hand gehen. Gottes Willen, nicht den eigenen Willen tun.Die Sorgen und alle Hoffnung in Gottes Hand legen, nicht mehr um sich und seine Zukunft sorgen. Darauf beruht die Freiheit und Fröhlichkeit des Gotteskindes.Wenige auch von den Wahrhaft Frommen, selbst heroisch Opferwillige, besitzten sie!Nur dann wird das Gottvertrauen unerschüttert standhalten, wenn es die Bereitschaft einschließt, alles und jedes aus des Vaters Hand entgegenzunehmen. Er allein weiß ja, was uns gut tut. Und wenn einmal Not und Entbehrung angebrachter wären, als behaglich gesichertes Auskommen, oder Misserfolg besser als Ehre und Ansehen, dann muss man sich auch dafür bereithalten. Tut man das, so kann man unbelastet durch die Zukunft der Gegenwart leben.Legen wir unsere Hände in die Hände des göttlichen Kindes, sprechen wir unser Ja zu seinem "Folge mir", dann sind wir sein und der Weg ist frei, das sein göttliches Leben auf uns übergehen kann. Das ist der Anfang des ewigen Lebens in uns. 

Edith Stein

Von

  • Maria Kaißling

    Religionspädagogin. Sie lebt in der OJC-Auspflanzung in Greifswald und ist vorwiegend als Seelsorgerin tätig.

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