Friede, Freude, Weihnachtsplätzchen

 
von Uwe Heimowski

 

Ich liebe es. Nach Hause kommen, von strahlenden Kinderaugen begrüßt werden. Stimmen, die ­begeistert rufen: "Papa, Papa, wir haben Plätzchen gebacken!" Und dann muss ich, soll ich, darf ich der Reihe nach kosten: Vanillekipferl, Zimtsterne, ­Schokoplätzchen - herrlich. Meine Favoriten sind "Spitzbuben", ein Mürbteiggebäck mit einem ­frechen Marmeladengesicht. Ja, so mag ich die Adventszeit: Friede, Freude, Weihnachtsplätzchen. Toll.
 

Doch das ist nicht immer so. Da ist auch die so ganz andere Realität. Ich komme spät nach Hause, hatte Stress in der Arbeit, und das wilde Durcheinander der Kinder - alles ruft, alles klebt, alles matscht und schmiert - lässt mich aus der Haut fahren. Gereizt meckere ich sie an. Die leuchtenden Augen werden matt. Friede?
 

Außerdem gibt es noch so viel zu tun, es ist längst nicht alles für Weihnachten erledigt. Da bleibt keine Zeit fürs Plätzchenprobieren. Freude?
 

Dabei ist das nur mein persönlicher kleiner Alltag. Noch ganz anders sieht es am weiteren Horizont aus: Zyklon in Birma, Erdbeben in China. Friede?
 

Etwa 3,3 Millionen Arbeitslose, Ängste vor ­Kürzungen und Steuererhöhungen. Steuerhinter­ziehungen, Börsencrash. Freude?
 

Immer mehr Singlehaushalte in Deutschland, eine steigende Zahl gescheiterter Ehen, immer mehr einsame alte Menschen in Pflegeheimen. Weihnachtsplätzchen? Mit welcher Familie denn, bitte schön?
 

Und doch ist genau das die Antwort: Weihnachtsplätzchen. Gerade jetzt im Advent: Es sind die ­kleinen Dinge, die unser Leben prägen. Das laute Kämpfen für Frieden und Gerechtigkeit hat seinen Platz und seine Zeit. Doch der Advent erinnert an das Kleine, das Unscheinbare. Der große Gott kommt in die kleine Krippe zu den kleinen Leuten an einem kleinen Ort. Er findet keine große Herberge, so nimmt er mit einem "Weihnachtsplätzchen" vorlieb.
 

Wir sind eingeladen, es ihm gleich zu tun. Anzukommen im Kleinen, innezuhalten. Wo sind die Momente in meinem Leben, in denen Friede und Freude aufstrahlen? Worin haben sie ihren Ursprung, wer hat sie mir geschenkt? Wofür könnte ich dankbar sein, statt mich zu grämen? Was hat trotz aller großen Umbrüche und Schwierigkeiten für mich Bestand, was (oder wer) hat mich bis auf diesen Tag getragen?
 

Das ist der Segen der Adventszeit. Sie bietet Ge­legenheiten, eine Kerze anzuzünden, eine Tasse Tee zu kochen, Weihnachtsplätzchen zu kosten und ­etwas von dem Frieden und der Freude zu spüren, die unser Leben prägen. Gott möchte, dass wir sie in die Welt hinein tragen. Vielleicht gibt es jemanden, dem ich Plätzchen ­bringen kann?

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