Buchbesprechung

Dallas Willard - Jünger wird man unterwegs

Dallas Willard:

Jünger wird man unterwegs.

Jesus-Nachfolge als Lebensstil

Neufeld-Verlag, 2011; 14,90 EUR
 

„Wenn Sie nur ein bisschen Sehnsucht nach dem Leben haben, das Gott Ihnen anbietet, lesen Sie dieses Buch.” Dieser Empfehlung von John Eldredge konnte ich nicht widerstehen und setzte mich erwartungsvoll an die Lektüre.

Der bekannte Philosophie-Professor Dallas Willard erklärt, weshalb viele Christen nie zu einem „Leben in Fülle“ finden: Weil sie ein Christsein ohne Nachfolge leben. Sie denken, es genügt, Christus als Erlöser anzunehmen und das richtige Glaubensbekenntnis zu haben. Jesus hat uns ­jedoch herausgerufen, unser Leben mit ihm zu verbringen und ihm ganz praktisch nachzufolgen.

Das, was Otto Normalchrist für Christsein hält, ist für Willard eine fromme Illusion: „Die Sa­kramente korrekt auszuteilen und treu das Wort Gottes zu predigen macht noch keine Gemeinde Jesu. Sie existiert erst dort, wo sich Menschen in der Kraft des auferstandenen Christus versammeln! Wir haben uns ein Kirchenvolk herange­zogen, das christliche Angebote konsumiert und der Meinung ist, das wäre aktiver Glaube.“

Unter aktiver Jüngerschaft verstehen konservative Christen die Ausbildung zur Missionsarbeit, während liberale Christen dabei an soziales Engagement von der Suppenküche bis zum politischen Protest denken. Je weiter wir uns vom Ziel eines von Christus verwandelten Lebens entfernen, ­desto weniger unterscheidet sich unser Leben von dem der Nichtchristen. „Nachfolge und Jüngerschaft als elementare Bausteine des Christseins gingen in den Kirchen verloren,“ so Willard. „Man konnte nun sein Leben lang Christ sein, ­ohne Herz und Leben zu verändern.“ Ein solches Namenschristentum überzeugt niemanden.

Er bleibt aber nicht bei der Klage stehen, sondern zeigt, wie das Auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit überwunden werden kann: „Echter Gehorsam gegenüber Christus würde unser Leben regelrecht umkrempeln.“

Wie kommt man nun zu diesem Gehorsam? Durch eine „geistliche Formung auf Christus hin“, die in diesem Buch ausführlich und ganz praktisch beschrieben wird, mittels altbewährter geistlicher Übungen: Einsamkeit und Stille, Gebet und Fasten, Bibelstudium und Anbetung, Gemeinschaft und Dienst, Sündenbekenntnis. Damit versetzen wir uns in eine „fruchtbare Umgebung“, in der unser Inneres verwandelt werden kann.

Diese „spiritual formation“ ist zudem automatisch ökumenisch, weil jeder, der sich von Christus formen lässt, mit seinen Mitstreitern vereint wird im gemeinsamen Sein.

Wer sich nicht mit seiner geistlichen Armut ­zufrieden geben möchte, sollte sich von ihm zu ­einem Leben in Fülle herausfordern und ermutigen lassen. „Die des Weges sind“ – so nannte man die Christen in der Urgemeinde. Weil sie in den Spuren eines Mannes gingen, der sie an der Hand nahm und ihr Leben auf den Kopf stellte. Das ­waren keine Jakobswege, auf denen man sich ­meditativ der eigenen Mitte näherte oder „der ­Sache Jesu“ nachspürte. Worin nach Willards Ansicht wirkliche Jesus-Nachfolge besteht, brachte der Bensheimer Pfarrer Stefan Kunz kürzlich in seiner Osterpredigt auf den Punkt:„Wage ein ­Leben, als ob Jesus lebendig vor dir herginge!“

Marion Gebert, Reichelsheim

Von

  • Marion Gebert

    Diplom-Übersetzerin (Englisch, Russisch). Sie leitet das Büro des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft. Arbeitsschwerpunkte: Recherche und Übersetzungen

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