Verbunden

Treue: Eine Tugend, auf die Verlass ist

von Gerhard Naujokat

Im Alltag des Zusammenlebens, im Verhältnis von Mensch zu Mensch, in verantwortlichen Berufen und in vielen anderen Situationen sind ein verbindliches Verhalten und ein zuverlässiges Handeln unverzichtbar. Oft zeigt sich erst in ­Notfällen, ob die Zuverlässigkeit Nahestehender ausreicht und inwieweit man sich auf jemand v­erlassen kann.

Das Ego hintanstellen

Das Wort Treue umfasst dieses und vieles mehr. Es gehören auch Stetigkeit, Festigkeit, Genauigkeit und Beständigkeit dazu, ebenso Verbindlichkeit und Ehrlichkeit. Sonst zerbricht das Mit­einander von Menschen und die Ordnungs­strukturen des Lebens funktionieren nicht. ­Zuverlässige Treue erfordert ein Stück Selbstlosigkeit und eine Einstellung, die egozentrische Belange zurückstellt. Gemeinschaft und Partnerschaft werden durch eine feste Bindung und ­Verlässlichkeit im Leben aufgebaut und erhalten.

Erst Recht hat Treue ihre Bedeutung in Liebe und Ehe. Im Grunde entstehen und bewähren sich diese erst durch Treue. Sie ist das Rückgrat der Liebe, die Substanz der Ehe. Erst durch sie bekommt Partnerschaft Dauer und Verantwortung. Treue ist daher ein unverzichtbarer Bestandteil ­jeder menschlichen Beziehung. Sie ist nicht ­belanglos, sondern gehört zu einer Liebe, die auch in schweren Tagen durchträgt. Somit ist Treue ein Charakteristikum der Ehe. Sie kennt keine ­Begrenzung und ist nicht versuchsweise zu haben. Treue, die nicht auf Dauer angelegt ist, ist keine Treue.

In wechselseitiger Liebe wachsen

Das Ringen um Treue ist nie einfach, aber verheißungsvoll. Wo zwei Menschen versuchen, in wechselseitiger Liebe zu wachsen, entsteht eine seelische Übereinstimmung, für die es keinen triftigen und anhaltenden Grund gibt, sie zu zerstören. Gemeinsame Mühe führt zu der Fähigkeit, Freude zu schenken und Geborgenheit zu finden. Einer macht den anderen liebenswert.

Nach einer Umfrage ist ein hoher Prozentsatz der jungen Mädchen für die absolute Treue und erwartet diese auch vom künftigen Partner. Das dürfte bei jungen Männern ähnlich ausgeprägt sein. Offenbar ist Treue kein leerer Wahn, ­sondern das Rückgrat, das Skelett jenes weichen und zarten Materials, aus dem die Liebe ist. Meist schwanken bloße Gefühle und Stimmungen. Darum versucht im Grunde jeder, der liebt, dem schönen Augenblick Dauer zu verleihen und ­erwünscht sich Treue. Liebe hat Angst, den ­andern zu verlieren. Verbindlichkeit  bedeutet: Ich kann mich auf den anderen verlassen und der andere verlässt sich auf mich. Treue hat keinen Spielraum für Grenzgebiete und Grauzonen.

Treue: Das Rückgrat des Bundes

Für die Ehe ist die Treue wie ein Rückgrat. Körperlich spürt man das Rückgrat überhaupt nicht, solange alles funktioniert. Erst wenn es zu ­Reibungen und Verletzungen kommt, ergeben sich Erkrankungen. Insofern ist Treue kein selbstverständlicher Zustand. Man muss etwas dafür tun. Ehe ist mit seelischer Pflege und Anstrengung verbunden. Treue besitzt eine Schutzfunk­tion und bringt etwas Beruhigendes und Stetiges in eine Beziehung hinein. Zwar kann jede, wirklich jede Ehe im Treuebruch enden, aber es geht nicht anders: Liebe und Treue sind ein Paar. Erst die Treue gibt der Ehe – auch dem Zusammen­leben unter Menschen –  ihren Wert.

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