Das wilde Herz der Ehe

Unsere Beziehungen sind umkämpft

Kristin und Daniel Meinzer

Ein jüdisches Sprichwort sagt: Eine gelungene Ehe ist ein größeres Wunder als der Durchzug der Kinder Israel durch das Rote Meer.
Unsere Beziehungen scheinen nicht automatisch zu gelingen, weil wir einander lieben oder uns nur genügend anstrengen oder einfach, weil wir ­Christen sind. Bereits die Geschichte von Adam und Eva im Paradies zeigt uns ganz klar auf, dass es eine Kraft gibt, die gegen Beziehung, gegen Vertrauen, gegen die Liebe arbeitet. Dieses Angegriffensein in unseren Beziehungen erleben wir heute auch.

Donnerstag ist „unser“ Abend

Donnerstags gehen wir Tango tanzen und ­nehmen uns anschließend Zeit für ein schönes ­gemeinsames Essen, für Zweisamkeit, für Sex, ­einen Film – wonach uns gerade ist. Seit wir das so machen, vergeht kaum ein Donnerstagmittag, an dem wir uns nicht vorher wegen irgendetwas in die Haare kriegen, einer vom anderen total ­genervt ist, unser Auto Mucken hat, oder uns eine schlechte Nachricht ins Haus flattert.
Meist vergeht uns da völlig die Lust, miteinander tanzen zu gehen. Alles erscheint viel zu an­strengend, und erst recht sich zu überlegen, was jeder sich für den Abend wünscht und dann noch einen gemeinsamen Konsens zu finden.

Unsere Ehe ist umkämpft

In diesem Zusammenhang ist uns ein Vers aus dem 1. Petrusbrief wichtig geworden:  „Lebt mit klarem Blick und voller Aufmerksamkeit! Denn ­euer Gegner, der teuflische Zerstörer, läuft herum wie ein Löwe und sucht, was er auffressen kann“ ­(1. Petrus 5, 8, Üb: Das Buch).

Petrus fordert uns auf, genau hinzuschauen, was in unseren Beziehungen passiert. Er möchte uns die Augen dafür öffnen, dass unser Leben und unsere Beziehungen kein neutraler Boden, sondern ein umkämpftes Gebiet sind! Wie es bereits Adam und Eva erlebt haben, gibt es Kräfte und Mächte in dieser Welt, die leidenschaftlich gegen Beziehung, Ehe, Vertrauen und Liebe arbeiten.

Warum ist das so?
Weil wir auf Beziehung angelegt sind. Weil Gott in sich selbst Beziehung ist. Er, der Dreieine, steht selbst in lebendiger Beziehung. Und er hat dieses Wesensmerkmal als eine Fähigkeit in uns, seine Geschöpfe, gelegt. Unsere Beziehungsfähigkeit ist also ein essenzieller Teil unserer Gottebenbildlichkeit.
Die Ehe hat wie sonst keine andere Beziehung das Potenzial, Gottes Wesen widerzuspiegeln. Hier können Hingabe, Leidenschaft, Vergebung, Vertrauen, Verlässlichkeit, Liebe, Annahme für an­dere sichtbar und erfahrbar werden. Darum ist sie dem Teufel auch so ein Dorn im Auge. Er hasst die Ehe, da die Liebe zwischen Mann und Frau, die Intimität, die sie erleben, ein Bild dafür sind, wie nahe uns Gott kommen möchte. Er versucht mit allen Mitteln, einen Keil zwischen uns und den anderen und zwischen uns und Gott zu treiben.

Wie macht er das?
Petrus veranschaulicht die Gerissenheit und die Taktik des Teufels, indem er uns das Bild von ­einem Löwen vor Augen stellt, der seine Beute ­reißen will. Der Löwe greift nicht wahllos ein ­Opfer an. Er beobachtet. Er lauert auf eine gün­stige Gelegenheit, eine Unaufmerksamkeit, eine ungeschützte Situation. Und er greift normalerweise das schwächste Tier einer Herde an.
Wenn wir das auf unser Leben übertragen, heißt das: Der Feind beobachtet uns. Er studiert uns, um herauszufinden, wo unsere Schwachstellen sind, wo sein Misstrauen auf fruchtbaren Boden in uns fällt. Er bedient sich unserer Verletzungen, um das Vertrauen in Gott und das Vertrauen ­untereinander zu zerstören.

Unseren Feind kennen

Die Bibel nennt ihn:

  • Den Zerstörer. Wenn jemand etwas zerstört, muss vorher etwas da gewesen sein. In Beziehungen kann das Vertrautheit, Nähe, Wohlwollen sein, die nun nicht mehr da sind. Manchmal können wir sogar genau die Situation benennen, die dazu ­geführt hat, dass etwas Gutes in unserer Ehe ­zerstört wurde.
  • Den Verdreher. Wir erleben immer wieder, dass wir einander etwas sagen und es völlig falsch beim anderen ankommt, so als hätte jemand das Gesagte einfach verdreht. Oder er benutzt unsere Un­fähigkeit, uns zu artikulieren dazu, uns einander fremd werden zu lassen.
  • Den Durcheinanderbringer. Er verbreitet Chaos, durchkreuzt unsere Pläne, versetzt uns in Hektik, so dass wir das Gefühl haben, alles ist durcheinander gekommen, was eben noch klar, sicher und ­geordnet schien.
  • Den Lügner. Er benutzt das, was uns widerfährt, um uns einzureden, dass auf Gott letztlich kein Verlass ist, dass wir auf uns alleine gestellt sind. Er sät Misstrauen, wenn wir ohnehin gerade daran zweifeln, ob wir wirklich vom anderen geliebt ­werden.
  • Den Diabolos. Das ist in der Bibel der „Böse“, der Feind des Lebens, der Böses im Sinn hat und uns mit allen Mitteln vom Leben trennen will.

 

Unseren Blick schärfen

Wir müssen also in dem Bewusstsein leben, dass unsere Ehe einen Gegner hat und dürfen nicht naiv glauben, wenn wir uns nur anstrengen und alles richtig machen als Christen, wird es in unserer Ehe schon gut gehen. Mit klarem Blick leben heißt aber auch, uns bewusst zu machen, dass wir in allen Kämpfen Gott auf unserer Seite haben. Und zwar den Gott, der zu uns sagt: „Denn ich weiß wohl, was für Gedanken ich über euch habe. Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ Gott setzt sich leidenschaftlich für die Liebe ein. Er streitet für uns. Ich bin überzeugt, dass die Ehe Gottes Augapfel ist, dass sie ihm in ganz besonderer ­Weise am Herzen liegt.
John Eldredge und seine Frau Stasi haben unter diesem Blickwinkel ein außergewöhnliches Buch über Ehe geschrieben: „Love and War“, im Deutschen „Das wilde Herz der Ehe“ (Gerth Medien 2010). Dieses Buch hat uns neu den Blick geschärft und uns dazu ermutigt, unsere Ehe ganz bewusst immer wieder Gottes Schutz anzubefehlen.

Seit wir das tun, sind unsere Donnerstage nicht zwangsläufig ohne Störungen und Missverständnisse, aber wir sind wachsamer und lassen uns nicht mehr so schnell in einen negativen Strudel der Emotionen hineinziehen oder uns entmutigen, wenn dieser Tag chaotisch verläuft. Das ­Bewusstsein, dass uns etwas genommen werden soll, was uns eigentlich zusteht, nämlich ­Zukunft und Hoffnung, hat den Kampfgeist in uns ­geweckt, das Feld nicht einfach dem Feind zu überlassen.

Unsere Sexualität genießen

Wir haben darum auch angefangen, ganz bewusst für den Bereich der Sexualität zu kämpfen und nicht mehr zuzulassen, dass sich hier Ent­täuschung und Frust breitmachen. 
Gott hat uns die Sexualität geschenkt, damit wir Freude und Ausgelassenheit miteinander erleben, damit unsere Beziehung durch Nähe und Intimität gestärkt und vertieft wird.
Zuerst kam es uns komisch vor, Gott darum zu bitten, dass wir einander genießen können, miteinander lachen und uns aufeinander einlassen können. Aber warum eigentlich? Gott hat sich die Sexualität mit allem ausgedacht. Ihm sind Erotik, Leidenschaft, Erfüllung, Intimität nicht peinlich und auch nicht fremd und er wünscht sich von Herzen, dass uns diese Zeiten der Begegnung zum Segen werden. Er ist auch hier unser Verbündeter und Mitstreiter, wenn wir ihn darum bitten!
Dieser Blick auf die Dinge hat auch dazu geführt, dass wir in Konfliktsituationen nicht mehr darin stecken bleiben, im anderen den Feind zu sehen, der uns etwas nicht gönnen möchte oder der uns nicht ernst nimmt oder der mal wieder unmöglich ist. Wir haben einen Feind – aber das ist nicht ­unser Partner!

Unsere Ehe hat einen Verbündeten

In schwierigen Situationen versuchen wir inne­zuhalten und uns und Gott zu fragen: Was ­passiert hier gerade? Warum eskaliert die ganze Sache binnen Minuten so, dass wir einander den Hals umdrehen könnten? Was soll uns genommen werden? Wir schauen dann nicht mehr verärgert und frustriert aufeinander, sondern wieder in eine gemeinsame Richtung und kämpfen nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander für das, was Gott uns an Segen und Freude zugesagt hat.
Wir haben einen gemeinsamen Feind und einen gemeinsamen  Verbündeten in unserer Ehe. Wir haben immer die Wahl, wie wir eine Situation deuten, auf welche Stimmen wir in uns hören, ob wir den Einreden des Teufels oder den Verheißungen Gottes glauben und vertrauen.
Es geht nicht darum, hinter allem und jedem den Teufel zu sehen. Aber wenn Gott das Leben ist und er will, dass ich lebe, und wenn der Teufel der Feind des Lebens ist und darauf aus, mir das ­Leben, die Hoffnung und meine Zukunft zu nehmen, dann kann ich durch eine einfache Frage Klarheit darüber bekommen, wer da gerade am Werk ist: Macht mir das, was gerade passiert, Mut zum Leben oder soll etwas zerstört werden, was mir eigentlich von der Bibel und Gottes Ver­heißungen her zusteht? Oder: Wenn ich diesen Gedanken weiter denke und ihm Raum in mir ­gebe, wohin führt er mich?  Eröffnet sich dadurch Leben in mir oder führt er zu Resignation und Hoffnungslosigkeit?
Gott ist der stärkste Verbündete unserer Ehe. Und er hat den Feind bereits besiegt, auch wenn dieser sich manchmal aufbläht, als hätte er die Macht. Darum lassen wir uns trösten und zusprechen: „Alles, was euch Sorge bereitet, werft auf ihn, denn er trägt Sorge für euch. Lebt mit klarem Blick und voller Achtsamkeit. Denn euer Gegner, der teuflische Zerstörer, läuft umher wie ein brüllender Löwe, der nach etwas sucht, was er auffressen kann. Leistet Widerstand, fest im Vertrauen!“


Daniel und Kristin Meinzer leben mit ihren drei Jungs in Marburg. Daniel arbeitet als Coach und Seelsorger, Kristin als Lehrerin. Gemeinsam bieten sie Ehecoaching und Eheseelsorge an.

Von

  • Kristin und Daniel Meinzer

    leben mit ihren Kindern in Marburg. Als Studenten schlossen sie sich einem Hauskreis des „Christus-Treff“ an, den sie inzwischen mit einem anderen Ehepaar leiten.

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