Die Ehe – eine der besten Erfindungen Gottes

www.maxdesign.co.za

Einen Menschen zu lieben heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden. Albert Camus (1913 - 1960) 

Rudolf M. Böhm

In Mt 19,3-12 waren einige Pharisäer darauf aus, Jesu Ansichten zur Ehe unglaubwürdig zu ­machen. Scheinheilig fragten sie ihn: „Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?“ In seiner Antwort verwies Jesus auf Gottes ursprünglichen Plan für Mann und Frau: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau ­geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“

Kann man Treue verlangen?

Die Lehre Jesu über die Ehe erscheint so konträr zu unserer Kultur heute zu sein wie auch schon zu seiner Zeit. Die Unauflöslichkeit der Ehe ist für viele ein Anachronismus. Wie kann man heute noch so viel verlangen? „Ehe und Treue werden von den Protestanten künftig eher bestaunt“, hieß es in einem beißenden Kommentar in der Zeitung „Die Welt“ zum jüngst erschienenen, umstrittenen Familienpapier der EKD. Bereits die Jünger schienen durch die Worte Jesu entmutigt und ­kamen zu der Schlussfolgerung: „Dann ist es nicht gut zu heiraten” (V.11). Könnte es sein, dass wir hier von einer Herzenshärte (V. 8) geplagt werden wie bereits die Menschen aller Jahrhunderte? Für Hildegard von Bingen (1098-1179), ­einer herausragenden Frau des deutschen Mittelalters, wog diese Sünde besonders schwer: „Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann.“ Paradoxerweise beruft man sich aber heute vielfach gerade auf eine ‚barmherzige’ Haltung, um den modernen Scheidebrief zu rechtfertigen. Jesus gibt uns zu verstehen, dass die Wahrheit Gottes Seiner Barmherzigkeit in keiner Weise widerspricht, sondern im Gegenteil die Barmherzigkeit Gottes immer die Anerkennung der Wahrheit ­gerade voraussetzt. Fest steht, dass Jesus uns die Gnade bringt, unser Leben so zu leben, wie es Gott am Anfang beabsichtigte, das heißt, bevor die Sünde in die Welt kam. Ohne die umwandelnde Begegnung mit der Gnade Christi ist die Ehe ein wenig Erfolg ver­­sprechendes Unterfangen. Seine Gnade jedoch ­befähigt uns, andere so zu lieben „wie er uns ­geliebt hat” (vgl. Joh 13,34). Durch die Gnade werden wir zu einem „neuen Menschen” in Christus. Also steht es uns Christen nicht zu, mit Gottes Barmherzigkeit nach unserem Gutdünken zu hantieren, sondern wir dürfen uns stattdessen – gerade in unserer Schwäche, Ohnmacht und ­Armut auch in unseren Ehen – nach der kost­baren Gnade Christi ausstrecken.

Was ist das Geheimnis der Ehe?

Um uns diesem Geheimnis zu nähern, rufen wir uns das Wichtigste der biblischen Botschaft zum Thema Ehe in Erinnerung. Bereits im Alten ­Testament wird die Ehe als ein Bild verwendet für die zärtliche Liebe und Zuwendung Gottes zu seinem Volk. Wie ein Bräutigam seine Braut liebt, so liebt Gott den Menschen, selbst dann, wenn der Mensch ihm untreu wird. Diese unverbrüchliche Liebe Gottes ist Ausdruck des Bundes, den er mit seinem Volk geschlossen hat. Ehepaare sind berufen, in ihrer Beziehung zueinander sichtbare Zeichen der unverbrüchlichen Liebe Gottes zu sein. In ihrer menschlichen Liebe sollen sie die göttliche Liebe abbilden. Man könnte auch sagen: Gott, der jeden von uns unmittelbar liebt, möchte uns Menschen durch den Gatten bzw. die Gattin lieben. Er hat die Ehe gestiftet als einen Ort, an dem seine Liebe erfahrbar werden soll in einer ganzheitlichen, leibseelischen Liebe. Mit anderen Worten: Gott selbst will die Ehefrau lieben durch die Liebe des Ehemannes, durch dessen Treue, Respekt, Hingabe und Bereitschaft zur Vergebung mit einem immer wieder neuen Miteinander-Anfangen. Er, Gott, will den Ehemann auch durch die Liebe der Ehefrau lieben, durch ihre Treue, Hingabe, ihren Respekt und die ­Bereitschaft zur Vergebung und einem ebenfalls immer wieder neuen Miteinander-Anfangen. All das kann die Ehe nur sein, wenn sie keine kündbare Liebe auf Zeit ist, sondern unauflöslich. Deshalb also ist die Ehe ein Zeichen der Liebe Gottes, weil in ihr der Bund Gottes mit den Menschen fortlebt. Er ist die Liebe (1. Joh 4,8) und hat den Menschen nach seinem Bild erschaffen: „Den er aus Liebe ins Da­sein gerufen hat, berief er gleichzeitig zur Lie­be.“ (Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris con­sortio, 22.11.1981,11). Die Liebe geht immer aufs Ganze, weil Gott aufs ­Ganze geht. Der alte Kirchenvater Augustinus sagt: „Hast du dich nicht selbst gegeben, hast du gar nichts gegeben.“

Ist Jesu Eheverständnis weltfremd?

Liebe ist also unbedingt. Das ist das Himmlische und zugleich das Göttliche an der Ehe, das ganz und gar Überirdische und damit auch in einem guten Sinn Weltfremde. Das, was sich die Welt nicht vorstellen kann und worüber sie nur verständnislos den Kopf schüttelt. Doch weil Gott wegen dieser Zeichenhaftigkeit soviel an der ­Unauflöslichkeit der Ehe liegt, erscheint es umso notwendiger, dass christliche Eheleute durch ­Höhen und Tiefen, durch Kämpfe und Krisen hindurch das Glück einer treuen Liebe erfahren. Müssen wir nicht schon allein deshalb unsere Maßstäbe hoch ansetzen, um unserer Ebenbildlichkeit Gottes in dieser Welt wieder mehr ­Gewicht zu verleihen? Wenn Eheleute sich dieses Geheimnis ihrer Berufung und Würde bewusst machen, können sie viel Hoffnung daraus schöpfen. Dies setzt ­allerdings voraus, sich entschlossen von der Illu­sion zu verabschieden, die Ehe sei der „Himmel auf Erden“. In den Medien wird oft nur dieser ­eine Moment der Beziehung widergespiegelt: der Augenblick der Verliebtheit verbunden mit der Sehnsucht, den Richtigen, die Richtige zu finden und mit ihm bzw. ihr für immer im siebten Himmel zu schweben.  Wie jedoch Eheleute das Eheschiff durch den anspruchsvollen und bewegten Alltag steuern können, wird kaum thematisiert. Wie lebt man ­eine gute Partnerschaft im Alltag? Wie entwickelt man eine konstruktive Gesprächs-, Streit- und Liebeskultur? Die Beantwortung dieser Fragen bleibt aus, wo entweder eine schöne und heile Welt vorgegaukelt wird oder nur gescheiterte Partnerschaften ins Rampenlicht gezerrt werden. Während ich diesen Artikel schreibe, ist gerade ­einer meiner Töchter zu Besuch. Sie beklagt sich, dass sie im Blick auf die Ehe sehr blauäugig ge­wesen sei, weil wir sie nicht realistisch vorbereitet hätten. Sie habe niemals miterlebt, dass wir auch Konflikte gehabt hätten, geschweige denn, wie wir sie gelöst haben. Für sie hatte es den Anschein, dass wir immer nur eine starke Einheit demonstriert hätten, durch die jedoch kaum durch­geschimmert sei, wie man sich konstruktiv streitet und wieder versöhnt. Da sie das bei uns nicht gelernt habe und ihr Mann bei seinen Eltern auch nicht, seien sie in eine schwere Krise geraten. Diese Kritik hat mich sehr nachdenklich gemacht, denn sie hat recht. Tatsächlich waren wir sehr darum bemüht, ein gutes Bild unserer Ehe abzu­geben, einfach weil wir es besser machen wollten als unsere Eltern, die sich oft gestritten haben.

Was ist eigentlich LIEBE?

Das Wort „Liebe“ ist höchst erklärungsbedürftig. Junge Menschen, die eine Partnerschaft eingehen wollen, müssen aber darüber Bescheid wissen, was Liebe wirklich ist und unterscheiden können, was bloß als Liebe etikettiert wird. Denn Liebe hat ­allen „modernen“ Lehren zum Trotz überhaupt nichts zu tun mit „Schmetterlingen im Bauch“, Testosteronschüben, Angemachtwerden oder ­Angetansein. Vielmehr ist Liebe etwas, was uns überhaupt erst einmal gezeigt werden muss. Und das weiß und kann nur der, der die Liebe ist, Gott selbst.Verliebtsein, Erotik, Romantik: Das ist alles ganz schön und gut, aber die Ehe durch die rosarote Brille sehen zu wollen, verstellt den großen Ernst und hohen Anspruch, z. B.  ihre Anforderung an ein hohes Maß von Opferbereitschaft. „Wer wirklich wissen will, was echte Liebe ist, der darf sich keinen Playboy kaufen, sondern muss aufs Kreuz mit dem Gekreuzigten schauen“, so hörte ich es in einer Predigt. Das Kreuz Christi ist allein der Lehrstuhl und der Gekreuzigte der Lehrmeister der vollkommenen, echten Liebe. Ehe ist darum immer auch ein Kreuzweg, eine ganz große und höchst anspruchsvolle Aufgabe, nicht einfach nur Spaß.Das jungen Brautleuten zu sagen heißt nicht, ­ihnen die Lebensfreude zu vergällen, sondern sie zu schützen, indem man sie nicht ahnungslos und unvorbereitet in die Ehe hineinstolpern lässt und dort ihrem Schicksal überlässt. Es tut mir von ganzem Herzen leid, meine elterliche Verantwortung an dieser Stelle nicht genügend wahrgenommen zu haben. Ehe hat mit der Wahrheit zu tun. Und für diese Wahrheit gilt es heute wieder ­hinzustehen. Das darf nicht einfach kampflos der Welt überlassen werden. Die heute gängigen Vorstellungen spiegeln nicht die Wahrheit wieder, sind im Grunde nicht lebbar und tragen deshalb den Keim der Katastrophe ­bereits in sich. Ein verbreitetes Ehemodell, das  zwangsläufig scheitern muss, ist die so genannte Verschmelzungsehe. Irrtümlicherweise glauben manche Ehepaare, ganz ineinander aufgehen zu müssen, dass der andere einem „ein und alles“ sein und den Himmel auf Erden bereiten müsse. Man erwartet, dass diese kleine Gemeinschaft der Ehe alle Glücksansprüche zu erfüllen habe. Alles, was der Mensch sich an Bindung und Geborgenheit, an Schönheit, Wohlbefinden und Glück ­erhofft, erwartet er weitgehend von der Familie oder der Ehe. Damit überfordern wir uns! Viele  Ehen zerbrechen an einer überhöhten Glücks­erwartung an den anderen. Jeder Mensch hat Schwächen, Ecken und Kanten, womit er es seinem Ehepartner, ja seinen Nächsten nicht leicht macht. So gehört Versöhnungsbereitschaft notwendig mit ins Marschgepäck der Ehe. Die Bereitschaft zum täglichen Neubeginn gehört zum ­Gelingen einer Ehe unbedingt mit dazu. Mit ­dieser Aussteuer, die wir aus dem Evangelium schöpfen dürfen, wird die Ehe gelingen. Allein in Jesus Christus ist uns die echte, wahre Liebe erschienen und nur er hat sie uns authentisch vorgelebt: „Ein Beispiel habe ich euch ge­geben, wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!“ Die Liebe Gottes zeigt sich in der Liebe Christi zu uns, indem er uns Menschen vom ewigen Tod erlöst und uns für das ewige ­Leben, den Sinn und das Ziel jeden menschlichen Lebens, gerettet hat und zwar auf eigene Kosten. Er hat mit seinem Blut und durch seinen Tod am Kreuz für unsere Sünden gesühnt, mit denen wir ihn unendlich gekränkt und beleidigt und uns sogar zu seinen Feinden gemacht haben. Bei Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), dem weltbekannten „Raufbold Gottes“, finden wir den geistreichen Gedanken: „Die Bibel gebietet uns, unsere ­Nächsten zu lieben und auch unsere Feinde zu ­lieben, wahrscheinlich deshalb, weil es in der Regel dieselben Leute sind.“

Eine glückliche Ehe führen?

In Fellinis Film "La Strada" rät der Clown dem Mädchen Gelsomina, sie solle bei dem unlieb­samen Zampano bleiben. „Wenn du ihn nicht liebst und nicht bei ihm bleibst, wer soll es dann tun?“ Ich sehe darin ein Gleichnis für unsere ­Berufung in Gottes neuer Welt. Wir sind berufen, diese Welt zu lieben und die Verantwortung für ihren Wiederaufbau und ihre Erneuerung auf ­unsere Schultern zu nehmen. Das ist der Auftrag, den Gott uns gegeben hat, und er wird uns auch die Kraft geben, ihn auszuführen. Augustinus schreibt im Hinblick auf das Wort der Heiligen Schrift: Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt (Phil 4,13): „So mach mich stark, dass ich es vermöge, gib, was du forderst, und dann fordere, was du willst.“ (Augustinus, Bekenntnisse, 10,31). Dieses Gebet klebt am Bildschirm meines Computers. Wenn wir meinen, Gott gebiete uns Dinge, die uns überfordern, kann dieses Gebet unsere ­innere Einstellung korrigieren. „Zuerst müssen wir uns selber geben, um dann Gottes Gabe zu empfangen. Am Ende kommt alles von Gott. Und doch kann Gottes Gabe uns nicht erreichen, wenn wir nicht zuerst selber Gebende geworden sind. Am Ende ist alles Gnade − denn die großen Dinge der Welt, das Leben, die Liebe, Gott − die kann man nicht machen, nur geschenkt bekommen. Und doch können wir nur dann beschenkt werden, wenn wir selbst Schenkende sind. Nur indem wir schenken, werden wir beschenkt; nur indem wir folgen, werden wir frei; nur indem wir opfern, empfangen wir, was wir durch nichts verdienen können.“ (J. Ratzinger, Diener eurer Freude, Frei­burg 1989, S. 55 ). So durchdringt der Glaube die großen und kleinen Entscheidungen unseres ­Lebens. So ist das konkrete Leben wirkliche E­ntfaltung des Glaubens. Wer zusammen vor den Traualtar geht, darf nicht versäumt haben, sich vorher an seinen Herrn und seinen Gnadenstrom angeschlossen zu haben. Eheleute müssen am Tropf ihres Herrn hängen. Die Nährlösung kommt immer von oben. Wo die Eheleute und die Familie betende Hauskirche sind, da werden sie auch von der Gnade gehalten. „Glücklich verheiratet kann man nur sein, wenn man glücklich in Gott ist“,  so die spontane Antwort meiner Frau, als ich sie heute Morgen im Blick auf den zu schreibenden Artikel augen­zwinkernd fragte: „Weißt du vielleicht, wie man eine glückliche Ehe führt?“ Entscheidend für die Überwindung von Schwierigkeiten in unserer Ehe ist unser Innenleben geworden, das geistliche ­Leben in der Beziehung mit Gott. Unendlich viel Gutes über die Ehe ist aus kommunikations­wissenschaftlicher und psychologischer Sicht ­geschrieben worden. Unbestritten hat mir das Wissen um Beziehungsmuster, Überlebensstrategien, die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, usw. zum Verstehen meiner selbst und meiner Frau sehr geholfen. Dennoch bin ich oft ge­scheitert, weil ich in entscheidenden Momenten nicht die Kraft und das Vertrauen und auch nicht die Geistesgegenwart hatte, dieses Wissen in die Tat umzusetzen. Wenn ich es genau überlege, dann ist das Glück in unserer Ehe da vollkommen geworden, als ich in einer Krise meine Armut ­erlebt habe. Die tiefe Erfahrung meiner Ohnmacht wurde mir zum Schlüssel für ein Leben aus dem Empfangen. Liebe kann nur weitergeben, wer Liebe empfängt. Oft scheitert es daran, dass es an der Verbundenheit mit Christus im Alltag ­mangelt oder gänzlich fehlt. Rückblickend betrachtet ermöglichte mir das ­gewachsene Bewusstsein des Lebens und der ­Gegenwart Gottes eine neue Dimension der Hingabe an meine Frau, die von ihr nicht unbemerkt blieb und – ihrerseits – eine neue Hingabe ­bewirkte. Wenn ein Mensch die Ehe im Lichte Gottes erlebt, kann er bald erkennen, was sein Partner braucht. Und da er will, was für den Partner gut ist, schenkt er dem Partner tatsächlich, was dieser braucht. So wird die Ehe ein Rahmen für die persönliche Heiligung und Ort der Er­füllung menschlicher Liebe.

Fällt das Glück vom Himmel?

Was diese Mühe reichlich entlohnt, sind die ­Wunder, die Gott in einer Beziehung zu tun vermag, wenn sich ein Ehepaar seiner Bedürftigkeit bewusst ist und daraus lebt, Gott zu brauchen. Wie soll die Liebe in der Ehe denn wachsen, wenn sie nicht von Gott beständig genährt wird? Das Feuerwerk der Verliebtheit ist Gottes Vorschuss­liebe, die uns den „Leichtsinn“ erlaubt, uns überhaupt auf ein so anspruchsvolles Unternehmen einzulassen. Im Alltag jedoch bleibt es uns nicht erspart, lieben zu lernen. Eine „Grande Dame“ des Kabaretts der Nachkriegszeit, Lore Lorentz (1920-1994), brachte es auf den Punkt: „Wenn jemand – und es sind leider nicht wenige – zu mir kommt und sein Herz ausschüttet, weil er oder sie wegen unüberwindlicher Abneigung mal wieder beim Auseinandergehen sind, und ich dann ziemlich ratlos vor mich hinstammle, weil ich also wirklich nicht weiß, was ich dazu sagen soll, kommt ­hundert zu eins der Satz: ‚Sie können ja gar nicht mitreden, Sie sind ja glücklich verheiratet.’ Ich möchte immer wissen, was die Leute sich so vorstellen! Wahrscheinlich glauben sie, man hält wie im  Sterntalermärchen seine Schürze auf und dann fällt es einem in den Schoß. Natürlich fällt das Glück vom Himmel, sicher auch unverdient, aber Glück im Sinne von Zufall, wie die Leute es meinen, besteht nur darin, dass man sich findet. Dass man sich behält, ist harte Arbeit.“ Genau genommen ist die Ehe ein Heilsweg. Das bedeutet für die Eheleute, dass ihr gemeinsamer Lebensweg in den himmlischen Hochzeitssaal führen und sich dort für alle Ewigkeit vollenden soll. Die Ehegatten tragen die erste und die größte Verantwortung dafür, dass sie sich gegenseitig in den Himmel verhelfen. Meistens ist wohl eher das Gegenteil der Fall, da stehen sich beide im Weg auf dieses Ziel hin. Wenn der gemeinsame ­Lebensweg ein Kreuzweg war, aber in den Himmel geführt hat, dann ist die Ehe gelungen, dann war sie glücklich. Die Ehe kann also nicht „der Himmel auf Erden“ sein. Und dennoch ist und bleibt sie eine der ­besten Erfindungen Gottes und uns ist verheißen,  dass die Verbindung zwischen Mann und Frau glücken kann.

Von

  • Rudolf M. J. Böhm

    Sozialpädagoge, gehört mit seiner Frau Renate zur OJC-Auspflanzung in Greifswald, wo er u.a. als Seelsorger aktiv ist.

    Alle Artikel von Rudolf M. J. Böhm

Den Brennpunkt Seelsorge im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen.

Auch künftige Ausgaben von Brennpunkt Seelsorge (erscheint zweimal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie den Brennpunkt Seelsorge abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generation zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal