Liebe Mitchristen,

trotz der stetig ansteigenden Zahl der Singles ist für die meisten Menschen Ehe und Familie die von ­ihnen angestrebte Lebensform. Die Vorstellungen über Ehe und Familie haben sich allerdings sehr ­gewandelt. Wer sich heute für die traditionelle Ehe stark macht, packt unweigerlich ein heißes Eisen an. Immer weniger Menschen können diese Position nachvollziehen.


Häufig erleben wir in unserem sozialen Umfeld, dass Beziehungen wieder auseinandergehen und Ehen scheitern. Die göttlichen Gesetze der Liebe −  wer kennt, geschweige denn, glaubt sie noch? An ­ihre Stelle ist ein blutarmer Pragmatismus getreten, der den Zauber jenes Geheimnisses, was Ehe und Familie ihrem Ursprung nach zweifelsfrei sind, verloren hat. Zum Beispiel wird behauptet, dass in einer Paarbeziehung nichts richtig oder falsch sei, sondern dass alles nur der Verwirklichung des subjektiven Bestrebens des einzelnen Partners entweder entspricht oder nicht.  Oder man sagt: Wie kann ich  gezwungen werden, mit einem Menschen zu­sammenzubleiben, der mir in meinem tiefsten Empfinden gleichgültig, fremd, ja widerwärtig geworden ist? Damit lässt sich selbstverständlich jedes ­Scheitern einer Ehe begründen. Ich will durchaus einräumen, dass es Ehen gibt, wo es für alle Beteiligten das Beste ist, sich zu trennen. Darüber zu richten liegt mir fern. Was ich jedoch sehr bedenklich finde, ist, dass sich heute viele von Ihrem Partner bereits bei den ersten Schwierigkeiten und Versuchungen trennen. Dieses Scheitern wird weit mehr thema­tisiert als das Ideal einer Ehe, so dass dadurch eine ganz große Bindungsscheu entstanden ist, insbesondere bei den jungen Männern.


Die Vorstellung, sich ein Leben lang zu binden, ist inzwischen zu einer schier unvorstellbaren Groß­leistung geworden ist. Man kann sich gerade noch vorstellen, dass das besonders Begabte schaffen; aber der Normalverbraucher schafft es einfach nicht, ­lebenslang bei jemand anderem zu bleiben. Doch wenigstens versuchen könnte man es ja. Und so möchte man sich, gerade um des Bestandes der ­angestrebten Lebensgemeinschaft willen, erst ausreichend kennen lernen und zwar unter den realen Umständen einer Lebens- und Wohngemeinschaft. Dass dies natürlich auch die sexuelle Gemeinschaft mit einschließt, wird von vielen als selbstverständlich vorausgesetzt. Ist es nicht sinnvoll, sich vor der Ehe auszuprobieren? Eine Probe ist etwas anderes als der Ernstfall. Probe beinhaltet die Chance zurück­zutreten. Doch ein solcher Vorbehalt wird einem Menschen, der liebt, nicht gerecht. Liebesbeziehungen gehören zu den Erfahrungen, bei denen es um „alles“ geht. Dieses „Alles“ hat seinen Ursprung in Gott selbst. „Man kann nicht auf Probe leben, man kann nicht auf Probe sterben. Man kann nicht auf Probe lieben, auf Probe und Zeit einen Menschen annehmen“ (Johannes Paul II. in „An die Familien in Köln“ am 15.11.1980).  Liebe hat immer die Dimension des ­Unbedingt-Sich-Zuwendens. Gott ist derjenige, der unbedingt Ja sagt zum Menschen. Das ist die Botschaft, die uns von Anfang an in der Heiligen Schrift entgegentritt. Gott ist einer, der den Menschen un­bedingt liebt, in jeder Situation. Auch wenn du noch so fehl gehst, ist Gott einer, der Ja zu dir sagt, der dir die Möglichkeit gibt, wieder zurückzukehren. Das heißt, eine wesentliche Dimension der Liebe ist diese Unbedingtheit. Darum ist es ganz entscheidend notwendig, sich dazu zu bekennen. Und gerade weil wir in einer Gesellschaft leben, in der die Ehe von außen nicht mehr gestützt wird, sind wir umso mehr darauf angewiesen, dieses persönliche Ja zu sagen. Nur so gibt es eine tragfähige Basis.


Meine Frau und ich sind in unseren derzeit 36 Ehe­jahren zunehmend glücklicher miteinander geworden. Wir beide sind – heute noch mehr als je zuvor – ­jedoch zutiefst davon überzeugt, dass eine glückliche Ehe nicht auf menschliche Kraft gegründet ist. Eines steht für uns fest: Hätte die Liebe als eine Gnade von oben in uns keinen Raum gefunden, in dem sie sich hätte ausbilden, entwickeln und wachsen können, ­wären wir nicht so weit gekommen. Wir haben beide einander viel zu tragen aufgegeben. Jeder Mensch gibt seinem Mitmenschen etwas zu ertragen. Jeder hat ­sogar etwas Unerträgliches an sich. Abweichungen des Denkens und Fühlens, des Geschmacks, des Charakters und des Wollens gab es jedenfalls genug zwischen uns.  Allein die dienende Liebe Jesu kann bewirken, den anderen vollkommen gelten zu lassen, ohne in Angst zu versinken, selber dabei zu kurz zu kommen oder unterzugehen. Ohne diese Einstellung ist es ­unmöglich, die zahllosen Ärgernisse, Verstimmungen, Entzweiungen, Entfremdungen zu überwinden, die es selbst in der besten Ehe gibt. Auf Missfälliges sollte man von Anfang an gefasst sein, um in der ­Ernüchterung nicht zu verbittern. Wenn wir lernen, dass bedingungslose Liebe uns zuerst von Gott erwiesen worden ist und dass wir mithilfe seiner Gnade einander genauso lieben können, kann das unser Leben und unsere Ehen verwandeln.


Die Ehe feuerfest machen – war das Anliegen des im September 2008 erschienenen Spielfilms „Fireproof“. „Mutproben aus Liebe“ zur Rettung der Ehe seien genau das, was in Ländern der Welt, wo die Ehe unter Beschuss stehe und umdefiniert werde, wirklich Not tut, bekräftigt Regisseur Alex Kendrick.
„Fireproof“erzählt von einem Feuerwehrhauptmann, der daran arbeitet, seine Ehe zu retten. In einem Interview erklärt Kendrick: „Feuerfest“ bedeutet nicht, dass nie ein Feuer ausbrechen wird, sondern dass man ihm, wenn es ausbricht, Widerstand leisten kann.“


Christen sollten wieder darin übereinstimmen, dass die Ehe für unsere Familien und für unsere Kultur ­lebenswichtig ist. Sie ist ein Entwurf Gottes und muss in Ehren gehalten werden. In den ersten Jahrhunderten war es immer wieder notwendig, den Glauben der Christen zu erklären und zu verteidigen. Einige dieser Schriften, die erhalten geblieben sind, bezeugen, dass die reine Lebensweise der Christen für die Heiden ­etwas Außergewöhnliches und Unglaubliches war. In einem solchen Text, dem Diognetbrief  (3. Jh.), heißt es: „Die Christen heiraten wie alle anderen, aber sie setzen ihre Neugeborenen nicht aus.  Sie haben Tischgemeinschaft, teilen aber nicht das Bett. Sie leben im Fleisch, aber nicht nach dem Fleisch, sie wohnen auf der Erde, sind aber in Wirklichkeit Bürger des Himmels.“


Lassen Sie sich von unserem neuen Brennpunkt ermutigen und inspirieren, neu und entschieden für das einzustehen und zu leben, was Gott heilig ist.
Herzlichst grüßt Sie,
Ihr


Rudolf M. Böhm,
Greifswald, den 16. 10. 2013

Von

  • Rudolf M. J. Böhm

    Sozialpädagoge, gehört mit seiner Frau Renate zur OJC-Auspflanzung in Greifswald, wo er u.a. als Seelsorger aktiv ist.

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