Liebe Mitchristen,

„Wähle die Freiheit“ – was geht dem einzelnen Leser dabei wohl durch den Kopf? Ich denke dabei zunächst an die Freiheit vom Zwang vieler Ängste, von Hoffnungslosigkeiten, die uns Menschen anlässlich vieler Situationen befallen können, von Beklemmendem und Niederdrückendem, das unsere Lebensfreude hemmt oder einengt – diese Befreiungen wünschen wir uns alle und wünschen wir allen. Es ist, um es etwas verkürzt zu sagen, die innere Freiheit und Zuversicht, die uns letztlich aus der Beziehung und Freundschaft zu Christus zuwächst. Jedes gute Wort von Ihm, jede gute Erfahrung mit Ihm stärkt Glauben und Hoffnung in uns. Sie müssen auch immer wieder gestärkt werden, erleben wir doch oft genug in der Hektik des Alltags (ebenso im grauen Alltag), dass Vertrauen und Zuversicht angefochten werden, zerbrechlich sind, förmlich ausdünnen und nicht mehr tragfähig scheinen.

Jedes Ja zum Lebensangebot Gottes, jede Einwilligung in seinen Willen stärkt die Hoffnung, ermöglicht gute Erfahrungen, trägt bei zum Heilwerden. Jedem Ja zur „Kultur des Lebens“ steht (aber!) auch – ein genauso entschlossenes - Nein zur Unkultur des Todes gegenüber. Die Wahl ist uns aufgegeben.

Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen (Josua 24,15b)… Dieses bewusste Wählen führt uns in die weite Freiheit der Kinder Gottes. Sie wurde und wird uns ermöglicht durch das Leben und Sterben und die Auferstehung Jesu Christi. Er selbst stärkt die Liebe in uns, ebenso die „Kreativ-Kraft“ und Geistesgegenwärtigkeit, die mit der Liebe Hand in Hand geht.

Jemand könnte mir vorhalten: Du hast gut reden, du lebst in Freiheit und Wohlstand. Da mag die Wahl für ein gottverpflichtetes Leben leicht sein. Doch wie sollen Menschen, die tagtäglich um ihre Existenz kämpfen müssen, oder Gefangene, oder die gejagten Flüchtlinge wählen – und welche Freiheit können sie realistisch erwarten? Was ein Mensch vermag, der die Freiheit wählt, die Christus ihm anbietet, las ich kürzlich in einer Märtyrergeschichte unserer Zeit:

Hea Woo hat mehrere Jahre Arbeitslager überlebt und weiß um die Kraft des Gebets. „Ich fühlte mich oft so niedergeschlagen, aber Gott hat mich immer wieder aufgerichtet.“ Als sie nach ihrer Flucht aus Nordkorea davon hört, dass Christen weltweit für sie gebetet haben, bricht sie in Tränen aus. Im Arbeitslager gab es viele Momente, in denen Hea Woo an Gott zweifelte. Aber in den dunkelsten Momenten spürte sie Gottes Nähe. „Ich blieb ihm treu und Gott half mir zu überleben. Er schenkte mir sogar den Mut, anderen Häftlingen von ihm zu erzählen.“ Während ihrer Gefangenschaft trafen sich so schließlich im Geheimen fünf Christen. Hea Woo gab ihnen Bibelverse weiter, die sie auswendig kannte. Sonntags trafen sie sich heimlich auf der Toilette, oder sie meldeten sich freiwillig, die Jauchegrube zu leeren. Das wurden ihre Gottesdienstzeiten. „Wir fünf haben das überlebt, weil wir uns gegenseitig unterstützt haben“, sagt Hea Woo.

Trotz heftiger Verfolgung leben Abertausende Christen in Nordkorea. Sie treffen sich in kleinen Hausgemeinden, singen flüsternd oder gar stumm, sagen Bibeltexte auf, die sie auswendig können. Ihre eigenen Kinder dürfen von ihrem Glauben nichts wissen, bis sie alt genug sind, um nichts zu verraten. „Das Leben meiner Leute ist jeden Tag in Gefahr“ sagt der Leiter einer Untergrundgemeinde in Nordkorea. „Trotzdem folgen wir Jesus nach. Das wäre ohne eure Unterstützung und die Gebete von Christen weltweit niemals möglich“. (Siehe auch: Das Zeugnis von Hea Woo aus ihrer Zeit im Arbeitslager, Open Doors international, www.youtube.com/watch)

Niemand wünscht irgendeinem Menschen solch eine Lebenslage. Und keiner kann oder darf sie verklären. Doch in ihrer Lebenstragik zeigt sie uns Mitteleuropäern – in Überspitzung –, was wir im 1. Petrusbrief lesen: Seid nüchtern und wachsam: der Widersacher geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. Dem widersteht fest im Glauben. Naht euch zu Gott, dann naht <gott sich="" euch!<="" p=""> </gott>

Und einer der Wüstenväter kommentiert dazu: Nur der Hochmütige wird von Dämonen gejagt. Dem Demütigen gibt der Herr Gnade! Demütig werden wir, wenn wir alles, was wir sind und haben, wollen und tun, in Beziehung zu Christus bringen: Unsere Sorgen und die Freuden, die Ängste und Zweifel, unsere Zuversicht und Pläne Ihm ausliefern – und das Leben von ihm neu empfangen.

Wie wir „Widerständler“ im Sinne der Apostel werden und die Freiheit von falschen Abhängigkeiten wählen können, davon handeln die verschiedenen Beiträge dieser Ausgabe. Demnächst feiern wir Ostern – dann singen und beten wir wieder mit den Christen in der ganzen

Christus ist auferstanden von den Toten. Er hat den Tod durch den Tod besiegt und denen im Grabe das Leben gebracht!

Mit guten Wünschen für eine gesegnete vorösterliche Zeit grüße ich Sie ganz herzlich im Namen des ganzen Redaktionsteams,

Ihre

Maria Kaißling,

Greifswald, den 27. März 2

Von

  • Maria Kaißling

    Religionspädagogin. Sie lebt in der OJC-Auspflanzung in Greifswald und ist vorwiegend als Seelsorgerin tätig.

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