Kraftvolle Seelsorge

David G. Benner, Kraftvolle Seelsorge. Die wichtigstenWege, um Gott zu erfahren und Menschen zu begleiten. Brunnen Verlag Basel, 16,99 €, neu im Januar 2014

Das neue Buch des amerikanischen Tiefenpsychologen David G. Benner ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, „die Seelsorge als wesentliche Komponente des Dienstes der Kirche zurückzugewinnen“. Alle Christen, nicht nur Geistliche, seien dazu berufen, als „Seelenhirten“ für die Seelen anderer zu sorgen. Die Formen, in denen das geschieht, können sehr unterschiedlich sein – angefangen von der familiären über die pastorale bis hin zur professionellen therapeutischen Seelsorge. Benner beschreibt die spezifischen Herausforderungen und Voraussetzungen dafür.

Am Anfang steht eine spannende Reise in die Geschichte der christlichen Seelsorge und der Psychologie. Der Autor zeigt, wie ab dem 18. Jahrhundert zunehmend eine spezielle Ausbildung wichtiger wurde als die geistliche Reife des Seelsorgers und wie die religiöse Seelsorge mit dem Aufstieg der therapeutischen Seelsorge einen Niedergang erlebte. Die Professionalisierung der Seelsorge habe dazu geführt, dass ihre wichtigste Grundlage immer mehr aus dem Blick geraten sei: der Ruf Gottes, ohne den Seelsorge nicht mehr als ein Job sei. Auch aus der Mode gekommen seien die spezifisch christlichen Ressourcen der Seelsorge, die jahrhundertelang praktiziert und wieder zurückgewonnen werden müssten: theologische Sprache, religiöse Handlungen und christliche Gemeinschaft.

Damit ein Mensch geistliches und persönliches Wachstum erfahren und Hilfe bekommen kann, braucht er nicht nur einen fürsorglichen und geistlich reifen Seelsorger. Er benötigt auch einen Begleiter, der ein tiefes Verständnis von der menschlichen Psyche hat. Sehr überzeugend legt David Benner dar, dass Psychologie und Spiritualität nicht voneinander getrennt werden können, weil die Gottesbeziehung eines Menschen ganz eng mit seinen menschlichen Beziehungen zusammenhängt. Christliche Seelsorge ist eine „tiefe Begegnung mit dem eigenen Selbst, mit Gott und mit einem anderen Menschen.“ Die Persönlichkeit lässt sich nicht in „Geistliches“ und „Psychologisches“ aufteilen, vor Gott steht immer der ganze Mensch. Weil Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis zusammen gehören, kann Seelsorge nicht losgelöst von psychologischen Erkenntnissen praktiziert werden. Geistliche Nöte zeigen sich oft in Form psychischer Symptome und Mechanismen. So fällt es jemandem, der anderen Menschen nur schwer vertrauen kann, auch schwer, Gott zu vertrauen. Mangelnde Vertrauensfähigkeit ist somit ein „psychospirituelles“ Problem und kann nicht nur auf der geistlichen Ebene gelöst werden. Im praktischen Teil des Buchs konzentriert sich Benner auf den seelsorgerlichen Dialog und die Arbeit mit Träumen. Anhand eines Beispiels weist er auf hilfreiche Prinzipien der Traumdeutung hin. Benner bezieht sich auf den Propheten Daniel, dem Gott gezeigt hat, dass Träume ein Weg sind, die „Gedanken unseres Herzen“ zu erfahren. Die moderne Psychologie nennt dies das „Unbewusste“. Gott habe sowohl das Bewusste als auch das Unbewusste in uns geschaffen, und die eigentliche Gotteserfahrung geschähe sogar mehr im Unbewussten, im „stillen Garten in unserem Inneren“.

Auch wenn Benner sich für die Integration der Psychologie in die Seelsorge stark macht, betont er immer wieder, dass es Gott ist, der eine wirksame „care of souls“, wie das Buch im Original heißt, erst möglich macht: „Nicht die guten Ratschläge eines Menschen, sondern die Gnade Gottes ist der Wirkstoff der Seelsorge.“ Das Buch ist eine hervorragende Einführung in den Ausbildungsgang „Hebammen der Gnade“, wie der Autor christliche Seelsorger nennt.

Marion Gebert

Es war, als würde ich fallen...

Rosemarie Dingeldey : Es war, als würde ich fallen..., Neufeld-Verlag 2011, 9,90 €

„Was erlebt man, wenn man eine Psychose hat?“ Dieser Frage stellt sich Rosemarie Dingeldey – und beantwortet sie ausführlich und ungeschminkt mit ihrem eigenen Leben. Mit 17 Jahren erlebte sie Angst und Schwäche, Klinikaufenthalte und Medikamente, die dann auch ihren Alltag ausmachten. Dann musste sie wahrnehmen, dass Vieles in der Zukunft nicht so möglich sein würde, wie sie es sich gewünscht und erhofft hatte - die Konzentration war nicht mehr dieselbe wie früher.

Gottes Nähe in der Krankheit ließen sie konkrete Erfahrungen mit ihm machen. Ihre Einstellung, Jesus nur nachfolgen zu können, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt würden, veränderte sich zu einem gehaltenen Vertrauen. Gott hielt sie in den inneren Tiefen, aber auch das Verständnis ihrer Familie und die tragende Gemeinschaft ihrer Ehe, in der sie sich entfalten konnte.

„Es ist mein Leben, diese Krankheit gehört dazu und ein Teil meiner Lebensaufgabe ist es, mit dieser Behinderung zu leben – nicht damit fertig zu werden, sondern damit umzugehen und selbst daraus noch etwas Gutes zu machen.“ Rosemarie Dingeldeys Erfahrungen wollen Mut machen, als Betroffene(r) lebensbejahende Wege zu finden, als Freund(in) unterstützend zu begleiten und verschiedene Denkweisen in der Beziehung zwischen christlichem Glauben und psychischer Krankheit in einem neuen Licht zu sehen.

Marion Gölz

Die Kinder-Mitmach-Bibel

Die Kinder-Mitmach-Bibel. Nacherz. von Susanne Jesch und Kristina Schnürle; Ill. von Sabine Waldmann- Brun, Deutsche Bibelgesellschaft 2013, 12,90 €

Ein Tipp für Familien mit 8-12 jährigen Kindern: In der neuen Kinder-Mitmach-Bibel werden 26 biblische Geschichten spannend nacherzählt und sind von Sabine Waldmann-Brun wunderbar illustriert. Ihre Bilder sind farbenprächtig und kindgerecht. Auch die Mitmach-Seiten laden dazu ein, mit Kindern Geschichten besser zu verstehen, zu basteln, zu singen, zu malen und die Geschichten in den Kinderalltag und ins Herz hineinzunehmen. Angeboten wird das Buch von der Deutschen Bibelgesellschaft.

Von

  • Marion Gebert

    Diplom-Übersetzerin (Englisch, Russisch). Sie leitet das Büro des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft. Arbeitsschwerpunkte: Recherche und Übersetzungen

    Alle Artikel von Marion Gebert

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