Der Weg durch die Wüste ist kein Umweg!

© Jutta Boxhorn

Der Weg durch die Wüste ist kein Umweg. Der Gang durch die Wüste ist aber auch kein Dauerzustand! Er ist und bleibt eine Durchgangsstraße. Das hat die Künstlerin Jutta Boxhorn sehr ansprechend ins Bild gesetzt. Das Bild zeigt eine kleine Episode aus dem Leben des Propheten Elia (siehe 1 Könige 19). Er ist gerade um sein Leben gerannt, vom Karmelgebirge im Norden des Landes Israel bis in den Süden, in die Oasenstadt Beerscheva. Denn die Königin Isebel fahndete im ganzen Land nach ihm, um ihn umzubringen. Darum verließ er auch gleich wieder die Stadt und floh noch eine Tagesreise weiter in die Negevwüste hinein. Voller Todesangst ließ er sich bei einem Gebüsch fallen – und betete so wie es ihm ums Herz war: Er wünschte sich ein Ende des Schreckens. Gott solle ihn doch sterben lassen. Dieses schauerliche Gebet ist sicherlich ein Ausdruck seiner Erschöpfung und seines Entsetzens. Und was machte Gott? Er erhörte das Gebet nicht. Statt dessen sorgte er für seinen Mann in der Wüste, wie ein Freund für seinen Freund: schlafen, essen, trinken, zwei Tage und zwei Nächte lang.

Ein Engel brachte ihm „geröstetes Brot“ nicht irgendetwas! Könnte das nicht ein Zeichen der besonderen Fürsorge sein? Im verlassenen Land war Elia nicht verlassen. Das gilt auch für uns: Wir sind nie verlassen, Gott ist da, auch wenn wir ihn nicht spüren! Einfühlsam und ermutigend stellt die Künstlerin die Präsenz Gottes da – zwei Hände umfangen den auf den Boden gekauerten Mann. Die Hand unter ihm – sie fängt ihn auf, gibt ihm Halt, trägt ihn. Gott gibt seinem Leben Grund und Daseinsberechtigung: Du fällst nie tiefer als in die Hand Gottes! Hier bist du geborgen. Das ist das Ende des Schreckens! Eine zweite Hand liegt über ihm im Geäst. Der lang ausgestreckte Zeigefinger weist unübersehbar in eine Richtung: Dorthin geh‘! Das heißt – dein Weg hat Richtung und Ziel. Du irrst nicht aufgeschreckt und planlos durch das Leben. Selbst der Weg durch die Wüste ist kein Umweg oder Irrweg. Wohin zeigt die Hand? Zum Ziel – zu einer erneuten Gottesbegegnung! Für Elia lag das Ziel am Berg Horeb. Eine Anregung könnte sein, mich zu fragen: Wo liegt mein Horeb? Wohin bin ich unterwegs zur neuen Gottesbegegnung?

Um zu seinem Ziel zu gelangen, muss Elia noch tiefer in die Wüste hinein, und durch sie hindurchgehen! Gott mutet ihm das zu! So wie Er auch uns manche Durststrecke zumutet! Doch Er hat Elia für den weiteren Weg ausgerüstet: der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal und rührte ihn an: „Steh auf und iss. Du hast noch einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging in der Kraft dieser Speise 40 Tage und 40 Nächte bis zum Berg Horeb. (1. Könige 19,7+8). Können wir darin nicht eine Zusage Gottes für uns herauslesen? Etwa: Du wirst auf dem Wüstenweg nicht umkommen. Die Nahrung, die Gott dir darreicht, kräftigt und stärkt dich für die weite Strecke bis zur neuen Gottesbegegnung! Und Elia geht los. Er nimmt den langen Weg unter die Füße, Schritt für Schritt, im Vertrauen auf seinen Freund, dass Er ihn ankommen lässt. Wir wissen, dass Elia den Gipfel des Horeb erreicht hat. Aber mit Erstaunen lesen wir: Es gibt keine freudige Begrüßungsfeier! Er wird – ganz ernüchternd – von Gott gefragt: „Elia, was machst du hier? Was willst du hier?“ Hatte Gott ihn nicht herbestellt? Weiß Er nicht längst, was Elia hier sucht? Ja, Gott weiß. Doch Er will, dass wir auch wissen, was wir suchen und wollen, und dass wir es in aller Aufrichtigkeit frei in Worte fassen können. Wenn wir in den kommenden Wochen das Abendmahl empfangen, erinnern wir uns an Elias weiten Weg durch die Wüste und Gottes Zusage: „Steh auf und iss – du hast noch einen weiten Weg vor dir. In der Kraft dieser Speise wirst du ihn gehen!“  

Von

  • Maria Kaißling

    Religionspädagogin. Sie lebt in der OJC-Auspflanzung in Greifswald und ist vorwiegend als Seelsorgerin tätig.

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