Brüllen, stänkern, sich verpanzern

Kleine Zoologie der Konfliktstrategien

Claudia und Dave Arp

Es gibt zwar niemand gern zu, aber allzu oft lösen wir unsere Konflikte nicht viel anders als unsere Freunde aus der Tierwelt. Erkennen Sie sich auch in einer dieser Methoden und Reaktionen wieder?

Illustration von Martha Hummel
© Martha Hummel

Modell Schildkröte –

„Ich ziehe mich zurück“

In unserer Familie ist Dave die Schildkröte. Wenn er mit einer schwierigen Situation konfrontiert wird, ist seine normale Reaktion der Rückzug. Solange die Situation brenzlig ist, zieht er einfach seinen Kopf in den harten Panzer zurück. Claudia, die gelegentlich einen leidenschaftlichen Wortwechsel mag, kann auf den Panzer hauen − leider ohne Erfolg.

Sind Sie eine Schildkröte? Ziehen Sie sich in der Regel vor Konflikten zurück? Das kann äußerlich geschehen, indem Sie beispielsweise aufstehen und den Raum verlassen. Oder Sie ziehen sich gefühlsmäßig zurück und lassen den anderen einfach abblitzen. Vielleicht fühlen Sie sich der Sache nicht gewachsen und haben den Eindruck, Sie können ja doch nicht gewinnen, warum sollen Sie also darüber diskutieren? Lassen Sie uns eine kleine Warnung aussprechen: Rückzug schneidet die Beziehung zum Partner ebenso ab wie die Möglichkeit einer Lösung für den Konflikt.

© Martha Hummel
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Modell Stinktier –

„Angriff ist 
die beste Verteidigung“

Das Stinktier ist ein Meister des Sarkasmus und gewöhnlich sehr wortgewandt. Er oder sie würde in der Regel eher alles tun, damit der andere dumm dasteht, als sich selbst mit irgendwelchen eigenen Fehlern auseinanderzusetzen.

Claudia hat viel von einem Stinktier. Ihre bevorzugte Methode ist, Dave anzugreifen und ihm ­allen Mist in die Schuhe zu schieben! Sie konzentriert sich sehr gern darauf, was er tut oder nicht tut, und versucht, jede Verantwortung erst einmal von sich zu weisen.

Seit wir Eheseminare durchführen, haben wir ­eine Menge „Schildkröten“ getroffen, die mit „Stinktieren“ verheiratet sind. Wir haben sogar eine neue Spezies entdeckt: die Stinkkröte. Dabei handelt es sich um eine Kreuzung zwischen Stinktier und Schildkröte. Wie geht sie mit Konflikten um? Indem sie den anderen angreift und sich dann in ihren Panzer zurückzieht.

© Martha Hummel
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Modell Chamäleon –

„Nur nicht auffallen“

Das Chamäleon wechselt seine Farbe, um sich seiner Umgebung anzupassen; auf diese Art vermeidet es die Auseinandersetzung. Es stimmt jeder Meinung zu, die geäußert wird. Wenn es sich in einer ruhigen Gruppe befindet, ist es auch ruhig. Ist es in einer lebhaften Gruppe, wird es laut. Sein Wunsch, dazuzugehören und akzeptiert zu werden, hindert es daran, seine wirkliche Meinung auszudrücken. Wenn es nun in einen Konflikt ­gerät, wird es sich der Mehrheit anschließen.

Häufig ist der Partner vom Typ Chamäleon der­jenige, der nach dreißigjährigem „Nachgeben“ plötzlich den Ehepartner verlässt. Niemand ­begreift, was ihn oder sie zu diesem Schritt ver­anlasst hat, da er oder sie sich stets so über­zeugend angepasst hatte.

© Martha Hummel
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Modell Eule –

„Nur keine Gefühle“

Die Eule versucht wie die Schildkröte, dem Konflikt aus dem Wege zu gehen. Allerdings sind die Methoden dieses Typs ganz anders. Er ist der ­intellektuell Argumentierende; sein Motto lautet: „Gefühle vermeiden um jeden Preis!“ Eine Eule wird stundenlang ein Thema auf der rein intellektuellen Ebene diskutieren, solange es dabei nicht um die Frage geht, was er oder sie dabei empfindet. Sie beschäftigt sich lediglich mit Fakten, ­Fakten und nochmals Fakten.

© Martha Hummel
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Modell Gorilla –

„Sieg um jeden Preis“

Der Gorilla muss gewinnen, und zwar um jeden Preis. Seine beiden bevorzugten Waffen sind ­Manipulation und Einschüchterung. Unter seiner rauen Schale steckt eine Person, die sehr unsicher sein kann und die gut dastehen möchte, koste es, was es wolle. Er führt Buch über erlittene Kränkungen, Verletzungen und die Fehler der anderen, um sie bei passender Gelegenheit hervorzuholen und einzusetzen. Er erzählt einem gern, was bei anderen und überhaupt falsch läuft und warum er selbst recht hat!

Wir werden niemals das Eheseminar vergessen, bei dem sich ein Teilnehmer als der klassische Gorilla entpuppte. Wir konnten kaum eine Einheit wie vorgesehen zu Ende bringen, weil Bill uns ständig unterbrach, um uns zu korrigieren und uns davon in Kenntnis zu setzen, was wir falsch machten − oder wie wir es besser machen könnten, wenn wir es „auf seine Weise“ täten. Er griff fortwährend seine Frau an und machte sie klein. Eine Lösung kam aus dem Teilnehmerkreis. Während einer Pause stahlen sich einige aus dem Raum und kehrten mit einer großen Bananenstaude für Bill, den Gorilla, zurück. Jetzt endlich fiel der Groschen! Ob er daraufhin sein Verhalten grundlegend geändert hat? Das kann man nicht behaupten, aber er ist dabei, seinen Stil zu korrigieren, und die Übungen im Seminar waren ihm eine Hilfe.

Wie gehen Sie mit Ärger um?

Wenn Sie die folgenden drei Fragen beantworten, kann Ihnen das bei der Diagnose helfen:

Wie fühle ich mich, wenn ich wütend werde (zum Beispiel frustriert, missverstanden, enttäuscht, allein gelassen …)?

Was tue ich, wenn ich wütend werde?

Was wäre eine angemessenere Reaktion? (Nicht gerade die, die eine Seminarteilnehmerin nannte: „Ich möchte ihn umbringen!“)

Schauen Sie sich die folgenden Möglichkeiten an und markieren Sie die Aussagen, die für Sie in Frage kommen:

  • Ich wünschte, ich könnte das „heiße Eisen“ hinlegen und es abkühlen lassen.
  • Ich wünschte, ich könnte einen Angriff starten und so meinen Ärger abreagieren.
  • Ich wünschte, ich könnte verhindern, dass meine Wut sich immer mehr steigert.
  • Ich wünschte, wir könnten den Konflikt ­gemeinsam lösen und Schritte zu mehr Vertrautheit tun.

Was Sie dann zur Konfliktbewältigung unter­nehmen können, um zu einer Lösung zu kommen, ist ein nächster Schritt (im Buch ab S. 173). Und keine Sorge: Es besteht Grund zur Hoffnung!

Aus C. u. D. Arp: Das Ehe-Team. Fitnessprogramm für die Partnerschaft, Brunnen, Gießen 1995

Von

  • Claudia und David Arp

    sind in Ehe- und Familienberatung tätig. Sie leben in Virginia (USA) und sind beide international gefragte Referenten und halten auch in Deutschland regelmäßig Seminare.

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