Heute ein König

Heute ein König
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Ermutigung zu einem Lebensstil der Freude

Froh zu sein bedarf es wenig, doch wer froh ist, ist ein König.

Wer wollte das nicht, ein König sein im Land der Freude? Und doch ist das mit dem Frohsein und der Freude so eine Sache. Jeder hat sie schon einmal empfunden, es braucht manchmal nicht viel dazu, doch machen kann man sie nicht, nicht festhalten oder konservieren und auch nicht vervielfältigen.

Was ist Freude eigentlich genau?
Naturwissenschaftliche Quellen belehren uns darüber, dass Freude eine Sache der Chemie ist, denn als Neurotransmitter sind Dopamin und Serotonin verantwortlich für unser Glücks­empfinden. Wikipedia sagt uns, dass Freude der Gemütszustand ist, der als Reaktion auf eine angenehme Situation oder die Erinnerung an eine ­solche entsteht.

Also ist Freude ihrer Natur nach etwas Nachgeordnetes, ein Widerhall. Es braucht einen Grund, um sich zu freuen. Und es gibt unzählige Gründe. Man erkennt sie daran, dass sie uns froh und dankbar stimmen und wir sie als Geschenk erleben.

Auch in der Heiligen Schrift ist Freude eine ernst zu nehmende Angelegenheit, immerhin kommt sie in der Übersetzung von Luther mehr als zweihundert Mal vor und die Aufforderung, sich zu freuen mehr als achtzig Mal.

Doch hier wird die Freude weniger als bloßes Gefühl beschrieben, sondern als eine Wirklichkeit um Gottes Thron herum, an der wir teilhaben können. Sie ist Ausstrahlung Seiner Nähe und Zuwendung, ein Widerschein Seiner Wirklichkeit, der sich in Lob und Anbetung niederschlägt. „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte“ (Ps 73,28).
Die Freude ist göttlichen Ursprungs: „Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude“ (Jes 9,2).

Das Lukasevangelium beginnt mit dem Engelskonzert für die Hirten „Siehe, ich verkündige euch große Freude“ (Lk 2,10) und endet mit Lk 24,52: „Sie (die Jünger) aber kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück“. Dazwischen wird uns u.a. von der großen Freude erzählt, die den Vater erfüllt, als der verlorene Sohn nach Hause zurückkehrt (Lk 15,11-32) − das ganze Evangelium ist ein Widerhall davon. 

In der Apostelgeschichte lesen wir, dass Petrus und Johannes den Hohen Rat fröhlich verließen, nachdem sie ausgepeitscht und bedroht worden waren, weil sie würdig gewesen waren, um des ­Namens Christi willen Schmach zu erleiden (Apg 5,41). Es ist bemerkenswert, wie oft im Neuen ­Testament Freude und Leid verknüpft sind. Trotz der Verfolgung waren die Christen in Antiochien mit dem Heiligen Geist und mit Freude erfüllt (Apg 13,52). Auch in Thessalonich zog die Verkündigung des Evangeliums sofort Leiden nach sich, aber zugleich bewirkte sie auch große Freude bei denen, die das Wort aufnahmen (1Thess 1,6).

Was ist das Geheimnis dieser ersten Christen? Wie bekommen wir heute Anteil an der Freude, die sie damals auch in größten Notlagen nicht verlassen hat?

Richtig ist, dass man Freude nicht einfach produzieren kann, aber genau so richtig ist, dass es ­einen Lebensstil gibt, der Freude – unabhängig von äußeren Ereignissen – fördert und möglich macht. Was gehört dazu und wie kann ich diesen im eigenen Leben etablieren?

1. dankbar

Dass wir für die Gaben, von denen wir leben, danken können, unterscheidet uns von allen anderen Kreaturen der Schöpfung. Es ist ein Vorrecht zu wissen, wem wir unser Leben zu verdanken haben und das auch auszudrücken. Indem wir Gott für alles, was uns umgibt und für alles, was uns widerfährt, danken, bejahen wir es und bringen es ihm dar und tun damit einen priesterlichen Dienst vor Gott. Damit nehmen wir unsere ureigene Stellung in der Schöpfung ein, die uns von Anbeginn an zugedacht war. Wenn ich dieses Ja, aus welchen Gründen auch immer, nicht sprechen kann oder will, schneide ich mich von meiner Bestimmung ab, denn wir sind dafür geschaffen, auf etwas Größeres als uns selbst, auf unseren Schöpfer bezogen zu sein. Selbstzentriertheit lässt die Freude verkümmern, denn sie braucht eine Quelle, die außerhalb unserer selbst liegt. ­

C. S. ­Lewis schreibt: Hölle ist ein Gemütszustand. Und jeder Gemütszustand, jedes sich Verschließen des Geschöpfes in dem Verlies seines eigenen ­Gemüts, ist am Ende Hölle. Aber der Himmel ist kein Gemütszustand. Der Himmel ist Wirklichkeit selbst. In diese Wirklichkeit wollen wir eintreten und in ihr leben lernen.

Dazu kann folgende Übung helfen: Jeden Morgen, vor allem an den grau verregneten, überlege ich mir fünf „Dankpunkte“, ganz konkrete Dinge, für die ich danken kann, spreche sie laut aus, schreibe sie ggf. auf und zünde fünf Kerzen dafür an. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass es „funktioniert“, so dass fünf Kerzen bald nicht mehr ausreichen. Denn, um mit Bodelschwingh zu sprechen: Da wird es hell in einem Menschenleben, wo man fürs Kleinste danken lernt.

2. unbekümmert

Warum sollte ich mir Sorgen machen? Es ist nicht meine Angelegenheit, an mich zu denken. Meine Angelegenheit ist es, an Gott zu denken. Es ist ­Gottes Sache, an mich zu denken. (Simone Weil)

Weil das so ist und weil Gott seine Sache gut macht, brauche ich mir keine Sorgen um mich zu machen. In diesem Punkt ist Jesus streng: In Matthäus 7,25ff ermahnt er uns eindringlich, den Sorgen keinen Raum zu geben, wahrscheinlich weil er weiß, dass diese die Eigenheit haben, zu wuchern und sich breit zu machen und alles andere, zuerst aber die Freude, zu ersticken. Daran, dass uns Sorgen anfliegen, können wir nichts ändern. Jesus selbst sagt: In der Welt habt ihr Angst. Doch es steht in unserer Macht, den Sorgen den Raum zum Einwurzeln zu verwehren.

Da sie das am liebsten in einem stillen, unbeo­bachteten Fleckchen unseres Herzens versuchen, ist die Übung hier, sie jedes Mal, wenn wir sie in uns wahrnehmen, mit einem einfachen Satz beim Namen zu nennen und sie Jesus und seinem Licht hinzuhalten. Dann wird es ihnen ergehen, wie einem ausgejäteten Unkraut, das am Wegrand liegen bleibt – sie vertrocknen.

3. konzentriert

Das Gegenteil von Freude ist nicht etwa Traurigkeit, sondern Gleichgültigkeit. Dass mich nichts mehr berühren kann und ich gegen Emotionen abstumpfe, ist oft ein Zeichen von „zu viel“ – zu viele Impulse, Eindrücke, Kontakte und Ansprüche, auf die ich jeweils reagieren muss. Die Zerstreuung durch die schnellen Kommunikationsmedien, über die wir heutzutage agieren und reagieren, macht es leicht, uns zu verlieren und schwer, uns selbst zu finden. Dabei kann ich Freude nur im Hier und Jetzt erleben, wenn ich ganz da bin, wo ich bin, wenn ich das Dasein bejahend wahrnehme. Gott ist gegenwärtig, aber wo bin ich? Es ist eine Lebenskunst, wirklich „da zu sein“, präsent zu leben.

Um in diese Achtsamkeit hineinzufinden, könnte es eine hilfreiche Übung sein, mir wenigstens einmal am Tag, morgens nach dem Aufstehen oder abends als Tagesabschluss, Zeit zu nehmen, um innezuhalten, ganz still zu sein und mich nicht ablenken zu lassen: ich bin einfach da. Ich spüre, wie ich sitze oder stehe, halte die äußere Stille aus und lausche nach innen. Alle Gedanken, Bilder oder Sätze, die mir durch den Kopf gehen, dürfen sein, ich muss sie weder bewerten noch verwerten. Selbst wenn es nur fünf oder zehn Minuten sind, die ich so bei mir selbst verbringe, werden sie mir auf Dauer zu einem konzentrierteren Leben und damit zu einem Lebensstil der Freude helfen.

Durch Freude ehren wir Gott, denn „sein Reich ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist“ (Röm 14,17). Freude ist der existenzielle Zustand des Menschen, der seine Bestimmung lebt: ganz bei sich selbst, authentisch, an dem Ort und in der Weise, wie Gott es für ihn vorgesehen hat. In der Freude zu leben, heißt nicht, gegen Depressionen gefeit zu sein oder keinem Leid mehr zu begegnen. Vielmehr geht es darum, allen Schmerz, Klage, Ängste und Tränen hineinfließen zu lassen in das Gespräch mit Gott und sich aus diesem Gespräch heraus immer wieder neu für die Freude zu entscheiden und dafür, Gott zu glauben, dass Er gut ist und es gut mit uns, mit mir, meint. Auf diese Weise der Freude Raum zu geben, gerade auch in schweren Zeiten, ist ein starkes Zeichen vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Und wenn ich sie mir auch nicht selbst verordnen kann, so kann ich mich doch mit ihr beschenken lassen; sie wird uns in vielerlei Gestalt geschenkt.

Ich bin sicher, dass jeder, der nach der Freude sucht, sie finden wird – eine tiefe, unzerstörbare Freude. Wie ein König eben.

Von

  • Rebekka Havemann

    Krankenschwester, lebt seit 1999 in der OJC. Seit Sommer 2014 verstärkt sie das Team vom Haus der Hoffnung in Greifswald. Seit 2016 gibt sie die Zeitschrift Brennpunkt Seelsorge heraus.

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