Damit eure Freude vollkommen sei

Der Weg zur Freude
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Der Weg zur Freude

Das Evangelium weckt bei denen, die dafür offen sind, die Freude an Gott und seinen wunderbaren Werken. Jede Verkündigung zielt darauf, dass der Mensch Freude an Gott findet. Eine Predigt ist dann wirklich gut, wenn Menschen nach dem Gottesdienst mit Freude im Herzen nach Hause gehen.

Wie kommt es dann, dass Frömmigkeit in den Augen der Welt etwas Trauriges ist? Viele Menschen halten Christsein für eine todernste Angelegenheit; die einem die Freude raubt, die ­Lebenslust und das Glück. Viele Menschen denken: Wer Christ ist, dem hat das Lachen zu vergehen. Manche begründen ihren Standpunkt damit, dass nirgendwo im Neuen Testament davon die Rede sei, dass Christus gelacht habe.

Ist Lachen gut oder schlecht? Haben Christen etwas zu lachen? Hat Jesus je gelacht? Nicht erst seit Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ wird diese Frage diskutiert. Im Neuen Testament wird zwar mehrfach berichtet, dass Jesus weinte, aber nichts davon, dass er gelacht habe. Bibelwissenschaftler sind sich jedoch weitgehend darüber einig, dass Lachen zum Menschsein gehört und Jesus ein Mensch gewesen ist. Daher dürfen wir mit Recht annehmen, dass Jesus auch herzlich ­gelacht hat. Auch Christen lachen über sich und ihre Mitmenschen, über die uns allen anhaftenden Menschlichkeiten – und manchmal kleidet sich Erkenntnis in einen Witz.

Die Grundmelodie unseres Glaubens

In der letzten Strophe des alten Pfingstliedes „Komm herab, o Heil‘ger Geist“ steht die Bitte: „Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.“

Es gibt eine Sehnsucht in uns, die selbst in den größten Glücksmomenten da ist. Auch wenn wir alles haben, wollen wir immer noch mehr; wir wollen, dass diese Momente nie aufhören. Tief in uns ist ein unstillbarer Durst nach Glück und Liebe. Gott hat uns so geschaffen, nicht um uns zu quälen, sondern weil er uns tatsächlich so viel Liebe schenken möchte. Die Erfüllung dieser tiefen Sehnsucht finden wir in keiner noch so großen Freude dieser Welt. Wir finden sie in Gott. Er ist die Fülle, die unsere Sehnsucht stillt und uns wunschlos glücklich machen möchte, schon in diesem Leben.

Der „Freuden Ewigkeit“ ist nicht nur einem Jenseits vorbehalten, sondern will jetzt schon unter uns da sein und in unser zeitliches Leben hineinstrahlen, um es ganz zu durchdringen. Alle wirkliche Freude kommt von Gott; Freude außerhalb und ohne Gott ist nicht denkbar. Freude ist so ­etwas wie die Grundmelodie unseres christlichen Glaubens, die die Sehnsucht nach der ursprüng­lichen Einheit mit Gott im verloren gegangenen Paradies in unserem Herzen wachhält. Unsere menschliche Sehnsucht verweist also letztlich auf Gott selbst.

Der Materialismus, eine der Irrlehren unserer Zeit, verspricht anstelle der christlichen Hoffnung hier irdisches Wohlergehen oder einen künftigen Glückszustand der Gesellschaft. Doch die Welt täuscht sich, wenn sie glaubt, sie könne auch ohne Gott glücklich sein. „Meinen Frieden gebe ich euch!“ hören wir aus dem Munde Jesu. Das hebräische Wort Schalom ist der Inbegriff von Ganzheit, Lebensfülle, Gerechtigkeit und Heil an Leib und Seele. Jesus sagt uns Beschwernisse und Unannehmlichkeiten in seiner Nachfolge voraus, aber er verheißt uns seinen Frieden, der „höher ist als unsere Vernunft“. Ob wir reich sind oder arm, ob die Welt uns zustimmt oder ob sie uns bekämpft, ob wir gesund sind oder krank – all das kann uns diesen Frieden und die Freude nicht rauben, wenn auch doch erschüttern. Dietrich Bonhoeffer sagt: „Bei Gott wohnt die Freude, und von ihm kommt sie herab und ergreift Geist, Seele und Leib, und wo diese Freude einen Menschen gefasst hat, dort greift sie um sich, dort reißt sie mit, dort sprengt sie verschlossene Türen. Es gibt eine Freude, die von Schmerz, Not und Angst des Herzens gar nichts weiß; sie hat keinen Bestand, sie kann nur für Augenblicke betäuben. Die Freude Gottes ist durch die Armut der Krippe und die Not des Kreuzes gegangen; darum ist sie unüberwindlich, unwiderleglich. Sie leugnet nicht die Not, wo sie da ist, aber sie findet mitten in ihr, gerade in ihr, Gott; sie bestreitet nicht die ernste Sünde, aber sie findet gerade so die Vergebung; sie sieht dem Tod ins Auge, aber sie findet gerade in ihm das Leben. Um diese Freude, die überwunden hat, geht es. Sie allein ist glaubwürdig, sie allein hilft und heilt.“

Missionarische Kraft

Gott will, dass wir von seiner Freude erfüllt sind, damit sein Reich auf dieser Welt sichtbar wird. Wie sollen wir Christen bei unseren Mitmenschen auf Gegenliebe stoßen, wenn wir eine dumpfe Atmosphäre von Trübsinn um uns verbreiten? Wir dienen Gott nie so gut, wie wenn wir uns freuen. Gott freut sich an unserer Freude, die wir von ihm unbegrenzt empfangen dürfen. Er selbst weiß am besten: Lebensfreude ist das Heilmittel für alle Trübsal dieser Welt. Wir als Christen brauchen Freude, schon allein deshalb, weil sich nur dann in unserer Umgebung etwas verändern kann, wenn wir die Botschaft ausstrahlen, dass wir das Christentum als Weg erleben, der ins Glück führt.

Die vielen suchenden Menschen um uns herum wollen wissen, wie Glück geht. Darauf verweist die Erfurter Pastoraltheologin Maria Widl, indem sie scharf beobachtend feststellt, dass das Christentum heute auch deshalb für viele unattraktiv ist, weil sie darin zu wenig Hilfe zum Lebensglück fänden: „Die Kirche geht vielfach davon aus, dass sie dazu da ist, Menschen in Not und Leid beizu­stehen. Selbst diejenigen, die von Kirche gar nichts halten, schätzen sehr, wie karitativ sie ist. Die Kehrseite davon, dass wir Spezialisten für das Leid der Welt sind, ist, dass postmoderne Leute sagen: ‚Es ist toll, dass es euch gibt aber hoffentlich brauchen wir euch nicht’. Was sie suchen, ist eine Religion, die ihnen zeigt, wie Glück geht. Diese Frage nach dem Glück ist keineswegs so oberflächlich, wie sie oft klingt.“

Gott will durch den Menschen zu den Menschen gelangen. In seinen Abschiedsreden sagt Jesus zu seinen Aposteln (Joh 17, 18-23): „Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind. Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ So wie ein Gegenstand radio-aktiv werden kann, sollen wir Christen ‚christus-aktiv’ werden: Freude ausstrahlende Menschen. Er selbst ist in seiner Leiblichkeit von uns gegangen, geblieben ist die Gemeinschaft der Herausgerufenen, die Kirche. Sie ist seine bleibende Verkörperung in dieser Welt, indem sie ihn in sich aufnimmt und ihn ausstrahlt in die Welt. Unsere Aufgabe als Getaufte ist, im Bewusstsein der Gotteskindschaft zu leben und den Mitmenschen, ja der ganzen Schöpfung die erlösende Kraft, das Glück der Annahme durch Gott zu vermitteln.

Das geschieht, indem wir uns tagtäglich in einen innigen Austausch mit ihm begeben, im Gebet unser Herz an das Seine drücken, bis es im Einklang mit ihm schlägt und wir in seinem kraftvoll umgestaltenden Wort ihm selbst begegnen; seiner Wirkkraft in uns Raum geben, damit wir die Welt wie einen Sauerteig durchdringen.

Der Mensch hat seinen Ursprung in Gott und Gott soll im Menschen erkannt werden. Unsere Berufung besteht darin, dass wir Gott abbilden, dass wir göttlich leben auf dieser Erde, dass wir ihn durch unser Sein verkünden.

In einem Morgengebet von Mirjam von Abellin (1846-1878), das ich oft bete, heißt es am Schluss: „Vor allem bewirke, o Herr, dass ich so voller Frohmut und Wohlwollen bin, dass alle, die mir begegnen, deine Gegenwart und deine Liebe spüren. Bekleide mich mit dem Glanz deiner Güte und deiner Schönheit, damit ich dich im Verlauf dieses Tages offenbare. Amen.“

Unsere Predigt sei unser Beispiel und Leben. ­Leben im Alltag ist seit den Anfängen der Christenheit die normale Form des Zeugnisses. Seine Kraft sollten wir auch heute nicht unterschätzen: „Wenn die anderen sehen, dass wir ihnen in allem gleichen, werden sie sich gedrängt fühlen zu fragen: Woher kommt eure Freude? Woher nehmt ihr die Kraft, den Egoismus und die Bequemlichkeit zu überwinden? Wer lehrt euch, dieses Verständnis aufzubringen, wer lehrt euch dieses Zusammen­leben, diese Hingabe, diese Dienstbereitschaft gegenüber den anderen? Dann ist der Augenblick gekommen, ihnen das göttliche Geheimnis des christ­lichen Lebens aufzudecken, mit ihnen über Gott zu sprechen, ... dann ist der Augenblick gekommen, mit unseren armseligen Worten die Torheit der Liebe Gottes weiterzugeben, die der Heilige Geist in unsere Herzen ausgegossen hat“ (J. Escriva).

Gott ist außer sich vor Freude

„Außer sich vor Freude“ geraten, bedeutet, dass ein Mensch in einen Zustand versetzt werden kann, der ihn über seine bisherige Seinsweise hinausführt und in Verbindung bringt mit etwas ganz Außergewöhnlichem, vielleicht mit Gott oder dem Himmel. Da jede echte Freude auf Gott zurückverweist, in dem sie ihren Ursprung hat, darf man sagen, dass Gott „außer sich vor Freude“ gewesen sein muss, als er den Menschen erschuf. Gott schuf den Menschen, weil er sein Glück mit anderen teilen wollte. Das erklärt unser Leben und die Existenz des gesamten Universums.

Im Anfang war die Erde kein Ort, wo der Mensch sich abmühen musste, um im Schweiße seines Angesichtes sein Auskommen zu sichern. Nachdem durch den Ungehorsam des Menschen die ursprüngliche Einheit mit Gott zerbrochen war, ­ersann Gott sich einen Weg, um die Freundschaft mit dem Menschen wiederherzustellen. Er geriet in seiner unergründlichen Liebe noch einmal „außer sich“ und wurde selbst ein Mensch. Der griechische Kirchenvater Irenäus von Lyon (um 135-200) sprach erstmals von einem „wunderbaren Tausch“: „Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde.“ Von Jahrhundert zu Jahrhundert werden diese Worte mit demselben Nachdruck wiederholt. Der lapidare Satz drückt das ureigene Wesen des Christentums aus: den Abstieg Gottes, der den Menschen einen Weg zum Aufstieg der Vereinigung des Geschöpflichen mit dem Göttlichen öffnet.

Bernhard von Clairvaux betrachtet das wunderbare Geschehen der Menschwerdung und schreibt: „Hier soll der Mensch begreifen lernen, wie sehr sich Gott um ihn sorgt; hier soll er erfahren, was Gott von ihm denkt und was er fühlt. ... An dem, was er für dich getan hat, erkenne, wie viel du ihm wert bist. Dann wird seine Güte dir aus seiner Menschenliebe entgegenleuchten. Je tiefer er sich in seinem Menschsein erniedrigte, um so größer erwies er sich in seiner Güte. Je armseliger er für mich geworden ist, desto lieber ist er mir.“ Wenn das kein Grund zur Freude ist! Doch leider geht sie dem Menschen immer wieder ­verloren.

Das Streben nach Glück

Wenn ich heute einen Menschen auf der Straße frage, ob er an Gott glaubt, dann antwortet er mir womöglich mit einem Achselzucken. Wenn ich ihn weiter frage, ob er Jesus braucht, wird er womöglich mit dem Kopf schütteln. Doch wenn ich ihn frage, ob er glücklich werden möchte, dann wird er unter Garantie mit Ja antworten. An diese tiefe Sehnsucht knüpft auch die Werbung mit immer neuen Angeboten an, die letztlich alle versprechen, die Lebensfreude zu vermehren. Doch obwohl sie uns sagt, was wir alles kaufen müssen, um im Trend zu liegen, sagt sie uns nicht, was wir brauchen, um Menschen zu sein.

Gerade weil in unserer westlichen Gesellschaft der christliche Glaube und damit dieses feste innere Gerüst einer Lebensfreude bei vielen nicht mehr trägt, suchen die Menschen die Zerstreuung des Augenblicks. Die Gier nach Jux und Gaudi ist wie eine Droge zur Selbstbetäubung; sie ist das gar nicht lustige Symptom einer inneren Flucht vor der eigentlich tieferen Frage des Lebens. Eine ­Jugend, die ihre Freude nicht bei Gott findet, muss diese große Sehnsucht nach Glück, Sinn und Freude notwendigerweise anderswo suchen. Und das endet dann häufig in Cliquenbildung mit Gruppenzwang, in Alkohol- und Nikotinmissbrauch und verfrühtem Ausleben der Sexualität als letzte verzweifelte Versuche, dieses innere ­Vakuum zu füllen. Doch es kommt keine Erfüllung, sondern nur größere Leere und menschliche Zerstörung.

Der Bestsellerautor Manfred Lütz, Psychiater und Theologe, schreibt: „Wir sind auf unendliches Glück angelegt. Menschen früherer Generationen hatten in der Regel noch eine ganze Ewigkeit Glück vor sich. In unserer Zeit glauben immer weniger Menschen daran, dass es nach diesem Leben noch etwas geben soll. Somit ist die Chance, glücklich zu werden, auf ein winziges Kontingent von 80 oder 100 Jahren Lebenszeit zusammengeschrumpft. Das Leben der Menschen von heute war noch nie so kurz wie jetzt.“ Biologisch gesehen leben wir zwar immer länger, aber wo Menschen nicht mehr an Gott und damit an die Möglichkeit einer ewigen Erfüllung glauben, werden sie versuchen, aus den wenigen Lebensjahren möglichst viel herauszu­holen: Wenn wir doppelt so schnell leben, können wir das Pensum von zwei Leben in einer ­Lebensspanne unterbringen und so etwas wie ein ewiges Leben vor dem Tod realisieren.

Wie viel Druck ließe sich aus unserem Lebensrhythmus herausnehmen, wenn wir uns unmittelbar an den wenden würden, der uns schon in diesem Leben glücklich machen will.

Die wahre Freude ist keine oberflächliche Freude, sondern senkt sich in die Tiefe des Menschen ein, der sich Gott anvertraut. Die Freude des Evange­liums ist also nicht irgendeine Freude. Sie findet ihren Grund darin, sich von Gott angenommen und geliebt zu wissen.

Die christliche Freude ist auf die Treue Gottes gegründet, in der Gewissheit, dass er seine Verheißungen immer erfüllt: Wenn das ­Gute über das Böse siegt, die Macht des Satans endgültig zerbrochen und die Mühsal dieser Zeit endlich überwunden ist, dann wird große Freude ohne Ende sein.

Das Geheimnis der Freude

Im Gleichnis vom Weinstock und den Reben ­(Joh 15, 1-11) lehrt uns Jesus das Geheimnis eines erfüllten und glücklichen Lebens: die Verbundenheit mit ihm. Dazu sind wir berufen: Christus in mir und ich in ihm. Wenn wir mit Christus wie die Rebzweige mit dem Weinstock verbunden sind, dann lebt er in uns und wir leben in ihm und sein Leben strömt durch unser ganzes Sein hindurch.

In Verbundenheit mit Gott zu leben, ist letztlich nichts anderes als die Beschreibung der Tauf­wirklichkeit: Wir werden implantiert in Christus. Seine Erlöserkräfte sind durch die Taufe in mir wirksam, so dass sie Früchte bringen in diese ­gefallene Welt hinein, und so das Reich Gottes in den Herzen der Menschen errichtet wird.

Wenn Jesus im Weinstock-Gleichnis sagt „getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“, dann heißt das also: Ohne diese tiefste, lebens­mäßige, organische Verbindung des Menschen mit Gott kann der Mensch sein Menschsein nicht entfalten, so dass es fruchtbar wird. Bestimmung unseres Menschseins ist, in Verbundenheit mit Gott zu leben und Jesus in uns Raum zu geben. So beschreibt das Mutter Teresa: „Wir sehnen uns alle inbrünstig nach dem Himmel, wo Gott wohnt. Nun steht es aber in der Macht eines jeden von uns, schon jetzt mit ihm im Himmel zu sein, schon jetzt, in diesem Augenblick, mit ihm glücklich zu sein. Aber dieses Glück hier und jetzt mit ihm bedeutet: Lieben wie Er liebt, beistehen wie Er beisteht, geben wie Er gibt, dienen wie Er dient, helfen wie Er hilft, bei Ihm bleiben alle Stunden des Tages und Ihm auch angesichts unendlicher Not ganz nahe zu kommen.

Wir sind berufen, Jesus immer ähnlicher zu werden. Er ist „unsere bessere Hälfte“. In seiner ­Rede auf dem Areopag (Apg 17, 27b-28) sagt Paulus zu den Athenern: „Keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art. Gott ist die Liebe und wir sind nach seinem Bild geschaffen.“ Das bedeutet: Unser Leben wächst in seine ­Bestimmung je mehr wir lernen, seinem Bild zu entsprechen. Unser Menschsein ist so beschaffen, dass wir nur dann wirklich glücklich sein können, wenn wir uns von ihm lieben lassen und mit seiner Liebe lieben – ihn, unseren Nächsten und uns selbst. Die Liebe ist die Anweisung für einen Weg zum Glück, die Gott tief in unser Herz eingeschrieben hat.

Jesus sagt in Johannes 5,30: „Ich kann nichts aus mir selbst tun. Wie ich höre, so entscheide ich. Denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen des Vaters, der mich gesandt hat.“ Gott wirkt durch Menschen, die sich ihm zur Ver­fügung stellen. Je mehr wir uns Gott überlassen, desto mehr kann er mit, durch und in uns wirken. Statt alles selber in die Hand zu nehmen, vertrauen wir ihm, dass er uns in allen Dingen, bis in die kleinsten Kleinigkeiten hinein, führt.

Der Weg zur Freude

Wenn wir wollen, dass Freude sich wie ein goldener Faden durch unser Leben zieht, dann sollten wir hören, was Jesus dafür zur Bedingung macht: „Verkaufe alles, was du hast, dann komm und folge mir nach!“ (Lk 18,22). Verstehen wir diese Aufforderung nicht oberflächlich, so als ob es dabei nur um einen äußeren Besitz ginge. Jesu Wort zielt darauf ab, alles zu bekommen: nicht nur ­einen Teil, nicht nur das, was ich gerade nicht brauche. Christus der Herr – weil er Gott ist – will nicht, dass etwas Trennendes zwischen mir und ihm steht. Freude hat ihren Preis: Jesus will nicht, dass wir unser Glück woanders suchen als in ihm.

Vielleicht mögen wir uns an dieser Stelle einmal Zeit nehmen und uns in der Stille fragen: Welche Dinge, die auf mich Anziehungskraft ausüben, ziehen mich von Christus weg? Was raubt mir den inneren Frieden? Was hat sich zwischen mich und Christus gestellt? Mitunter ist es vielleicht eine zu große Sehnsucht nach der Liebe und Zuneigung anderer. Manchmal sind es festgefahrene Ansichten oder die Art, nach eigenem Geschmack und Vorteil Dinge zu beurteilen und zu leben. Bitten wir ihn, die Anhänglichkeiten zu durchtrennen, die uns an die Dinge der Welt binden.

Wenn uns dieser Ruf Christi unbequem erscheint, dann sollten wir, statt uns zu ärgern, vielmehr darüber wundern, dass die Reichtümer dieser Welt überhaupt eine Macht über uns ausüben. Wenn wir das Licht des Herrn in unsre Seele hineinstrahlen lassen, werden alle Lichter der Welt von ihm verschlungen und gehen unter in seinem Glanz. Es gibt keine herrlichere Freude, als geliebt zu werden und den zu lieben, der sich uns so vollkommen geschenkt hat, indem er sein Leben für uns gegeben hat. Ihm mit unserer Liebe zu antworten, ist der Weg zur Freude.

Zum Schluss noch ein Witz: Ein Tourist fragt den Kartäusermönch, der ihn ins Gästezimmer führt, angesichts der bescheidenen Einrichtung erstaunt: „Wo habt ihr eure Möbel?“ Darauf der Mönch: „Wo haben Sie die Ihren?“ Der Tourist: „Ich bin ja nur auf der Durchreise!“ Der Mönch: „Wir auch!“

Von

  • Rudolf M. J. Böhm

    Sozialpädagoge, gehört mit seiner Frau Renate zur OJC-Auspflanzung in Greifswald, wo er u.a. als Seelsorger aktiv ist.

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