Freuet euch in dem Herrn

Klaus Sperr, Herzschlag

Zum Wochenspruch des vierten Advent

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich:Freuet euch! Der Herr ist nahe!
Philipper 4,4.5

Der vierte Advent ist auch der evangelische Mariensonntag. Durch das Wochen-­Evangelium steht das Magnificat, der Lobgesang der Maria, ganz im Mittelpunkt: staunende Freude über ihre einzigartige Berufung. Lebendig machende Vorfreude!

Diesen fröhlichen Klang nimmt der Wochenspruch auf. Dennoch: Warum braucht es eigentlich einen Imperativ zur Freude? Und auch noch doppelt. Etwa für die, die es gar nicht kapieren? Ist denn Freude ­etwas Mühseliges, zu dem man aufge­fordert werden muss? Oder geht es um eine besonders getragene, heilige Freude?

In der lateinischen Bibelübersetzung steht das Wort gaudete - also das Wort, von dem das Wort Gaudi stammt. So also soll die Freude sein: nicht gefasst und leicht himmlisch entrückt, sondern herzhaft und überschwänglich!

Da wird Vorfreude auf Gottes Kommen ­gefeiert. Weihnachten meint: Egal, wer und wo ich bin – Gott sucht mich auf! Damals, heute, künftig. Gott überlässt mich nicht einfach meinem Schicksal, in Jesus kommt er zu mir.

Die Aufforderung zur Freude gibt es wohl deshalb, weil wir hin und wieder dazu neigen, uns unserem Alltag zu ergeben. Da­rum die Erinnerung: Es ist Gottes Freude − Gottes Gaudi?! − uns Menschen nahe zu sein! Das macht ihm echt Spaß! Über die Gewissheit des nahen Gottes kann man wahrlich fröhlich sein!

So wird auch die Vorfreude auf die (endgültige, sichtbare) Gegenwart Jesu gefeiert. Der Kontext unseres Wochenspruchs ist nämlich ein Streit. Zwei, die sich nicht ­einig werden. Denen wird gesagt: Gott kommt auch in eure und unser aller Zer­rissenheit.

Leben in der Vorfreude löst nicht alle Not. Aber mitten im Elend ist das Heil Gottes schon da! Was heute schon gelingt, ist Grund zur Freude, über allem anderen steht die Vorfreude auf sein kommendes umfassendes Heil. Denn: „Der Herr ist ­nahe!“ Nicht weil wir so fröhliche Leute sind, ist er nahe – sondern weil er nahe ist (!), sind wir so fröhlich!

Nur wer diese Reihenfolge beachtet, kommt diesem Lebensgeheimnis auf die Spur: Man muss den Wochenspruch von hinten her lesen. Der Grund der Freude liegt nicht in den lustigen Lebenslagen, sondern in seiner Nähe auf allen (!) unseren Wegen! Darum muss ich mich nicht von meiner aktuellen, manchmal auch akuten Lebenslage, vom Augenblick und meinem Befinden her deuten. Ich darf von Christi Kommen und seiner ewigen heilvollen ­Zukunft her schon jetzt leben – in Vorfreude – in Gaudi!

Gott kommt in Jesus: Er überlässt mich nicht meinem Schicksal. Gott kommt in ­Jesus: Sein Heil steht jetzt schon über all unserem Elend. Deshalb ganz begründet:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

Aus: Herzschlag. Anstöße zu den ­Wochensprüchen des Kirchenjahres.
© Fontis-Verlag, Basel 2015, € 11,99

Von

  • Klaus Sperr

    evang. Pastor und Seelsorger, verantwortlich für die Liturgie des Alltags in der OJC-Kommunität.

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