Gebet an unerträglichen Tagen

Herr, angesichts dieser rasenden Welt, dieser Welt, auf der die Menschen keine Ruhe ­geben, bis sie sich vernichtet haben, packt mich die Mutlosigkeit.       

Angesichts dieser Völker, die nur Geschmack ­haben für Hass, Raub, Vergewaltigung und Blutbäder, bin ich nahe daran, zu verzweifeln.
Und es packt mich das Verlangen, am Menschen zu zweifeln, zu zweifeln am Leben, zu zweifeln an… Oh, Herr, was soll ich noch sagen?
Ich möchte meinen Abscheu vor dieser Welt hinausschreien; aber, nein, ich darf es nicht.

Nein, ich werde der Verzweiflung, die mich überkommt, widerstehen und ich werde nicht fliehen.
Ich werde mich nicht in einen elfenbeinernen Turm verkriechen, fern von den wahnwitzigen Menschen, um wenigstens in Gedanken dieser unqualifizierten Welt zu entfliehen.               
Ich werde mitten in dieser Welt bleiben, in der Welt, wie sie ist; in der Welt, in der man sich schlägt. Ich will auf meinem Posten bleiben.
Ich bin sicherlich nichts Besonderes. Was vermag in diesem Chaos denn der Schimmer eines Gewissens? Was vermag ein dünner Schimmer, den die Nacht wieder verschlingen wird? Und dennoch, mein Gott, muss ich ­erfüllen, wozu ich geschaffen bin.

„Was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde? Ist doch deshalb gerade diese Stunde über mich gekommen.“  
„Für die Wahrheit Zeugnis ablegen“
(Joh 12, 27; 18, 37)

Man muss Zeugnis geben und den Menschen ­sagen – und zeigen –, dass es noch etwas anderes gibt als die Nacht, etwas anderes als das Heulen der Furcht, etwas anderes als das irrsinnige ­Lärmen, die Brandreden und die Invasionen.               
Zeugnis geben, o mein Gott, von deiner Gegenwart im Herzen der Welt und den Menschen trotz allem, koste es, was es wolle, den anderen Sinn des Lebens aufdecken.

Von

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