Der Platz, an den Gott dich ruft, ist dort,
wo deine tiefste Beglückung und der ungestillte Hunger der Welt zusammentreffen. 

                               Frederick Buechner

Liebe Mitchristen

Heute ist es Zeit, Ihnen ganz besonders zu danken: Für Ihre Treue als Bezieher und Leser des „Brennpunkt Seelsorge“. Für Ihre Zuschriften, Ermutigungen und Anregungen für uns vom Redaktionsteam und auch für alle ­finanzielle Unterstützung.

Den BPS gibt es seit 1977. Seit 38 Jahren habe ich in der Redaktion mitgearbeitet. Mit Freude und großer Dankbarkeit schaue ich auf diese Jahre. Jedes Heft war auch für mich selbst ein inspirierender, kreativer Akt, der meinen Horizont in vielfältiger Weise erweiterte. Getragen von Ihnen waren diese Jahre für uns als BPS-Redaktionsteam fruchtbare Jahre!

Jetzt ist es Zeit, die Verantwortung für den BPS in jüngere Hände zu legen. Im Februar fand die Staffelübergabe statt.

Rebekka Havemann, Mitglied der OJC-Kommunität und seit Juli 2014 in Greifswald lebend, hat sich dankenswerterweise zur Verfügung ­gestellt; sie wird mit frischem Herzen unsere „Beiträge zur biblischen Lebensberatung“ für die nächste Generation herausgeben.

Mit meinem Dank an Sie verknüpfe ich auch eine Bitte: Bleiben Sie auch weiterhin dabei – als Leser, mit Ihren Anregungen z.B. in Leserbriefen und mit Ihrer finanziellen Unterstützung, damit der BPS auch für die nächste ­Generation eine seelsorgerliche Hilfe und Inspiration bleibt!

                        Herzlich, Ihre Maria Kaißling

Mit Freude und Hochachtung habe ich den „Staffelstab“ von Maria Kaißling über­nommen und werde Sie – so Gott will – in den kommenden Jahren mit dem „Brennpunkt Seelsorge“ begleiten. Die Entscheidung, in diese großen Schuhe zu steigen, ist mir nicht leichtgefallen, doch ich habe es als eine Anfrage Gottes verstanden und deshalb zugestimmt.

Entscheidungen wie diese fordern uns heraus, ­unsere Komfort-Zone zu verlassen und ein Wagnis mit ungewissem Ausgang einzugehen. Das ist beängstigend und zugleich aufregend lebendig. So ungefähr muss sich Petrus gefühlt haben in dem Augenblick, als er den Fuß hob, um über den Bootsrand hinaus auf das Wasser zu steigen. Ob er sich das gut überlegt und die Möglich­keiten ausreichend gegeneinander abgewogen hatte?

Manche Entscheidung treffen wir aus dem Bauch heraus, weil unser Herz uns dazu drängt und ­andere gebären wir mit großen Schmerzen und Unsicherheit nach einer langen Zeit des Über­legens, Abwägens und Nachdenkens. Aber immer ist eine getroffene Entscheidung ein Zeichen von Lebendigsein und Weitergehen.

Etymologisch soll sich das Wort Entscheidung vom Ziehen einer Waffe aus der Scheide herleiten, womit der Waffenträger den Kampf wählt. Weit mehr abgesichert ist Eugen Rosenstock-Huessys Aussage: „Das Leben wächst bei Ja und Nein“ und unser Titelbild zeigt uns: Das Leben kann nur dann zielgerichtet in Schwung kommen, wenn die Richtung entschieden ist. Welches Wortbild ­Ihnen auch am besten gefällt, immer geht es um Bewegung, Wachstum, Lebendigsein.

Auch wenn wir eher zu den Entscheidungs­muffeln gehören, die vor jeglicher anstehenden Entscheidung in Schockstarre verfallen, müssen wir uns vor Augen halten, dass es ein Vorrecht ist, Entscheidungen treffen zu können. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als hier im Osten des Landes alles reglementiert und die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen stark eingeschränkt war. Gott sei Dank ist das vorbei. Doch auch in unserem jetzt freien Land finden wir mitunter eingeschränkte Freiheitsräume vor oder das ­Leben ringt uns Entscheidungen ab, die uns sehr schwer fallen. Viktor Frankl, Begründer der ­Logotherapie, ruft uns in Erinnerung: „Mensch­liches Verhalten wird nicht von Bedingungen ­diktiert, die der Mensch antrifft, sondern von Entscheidungen, die er selber trifft.“

Es ist auch unsre Fähigkeit, Entscheidungen treffen zu können, die uns Gott so ähnlich macht, denn Gott ist ein Meister des Scheidens und ­Unterscheidens. Das gilt für die Erschaffung der Welt („da schied Gott das Licht von der Finsternis“...) ebenso sehr wie für seine Entscheidung, seine „Komfort-Zone“ zu verlassen und das Wagnis einzugehen, als einfacher Mensch in unserer Welt zu leben. Jesus war sehr entscheidungsfreudig und wer ihm nachfolgt, beginnt dies gewöhnlich mit einer bewussten Entscheidung für ihn, der viele weitere folgen. Jesus war es auch, der bei seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane zu Petrus sagte: „Stecke dein Schwert in die Scheide... oder meinst du, dass ich nicht könnte meinen Vater bitten, dass er mir zuschickte mehr als zwölf Legionen Engel?“ In seiner Entscheidung zum Leiden und Sterben liegt unsere Freiheit begründet, uns immer wieder für das Leben zu entscheiden, egal wie schwer oder schmerzhaft es sich uns im Augenblick darbietet.

Während ich dieses schreibe, sind wir noch in der Passionszeit, doch wir gehen auf Ostern zu. Ich wünsche mir sehr, dass der vorliegende „Brennpunkt Seelsorge“ Ihnen Anregung, Inspiration und vor allem Zuversicht für die großen und kleinen Entscheidungen Ihres Alltags gibt und dass die Freude des Osterfestes es Ihnen leicht macht, sich immer wieder für das Leben und alles Lebendige zu entscheiden,

                     Herzlich, Rebekka Havemann

 

Von

  • Maria Kaißling

    Religionspädagogin. Sie lebt in der OJC-Auspflanzung in Greifswald und ist vorwiegend als Seelsorgerin tätig.

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  • Rebekka Havemann

    Krankenschwester, lebt seit 1999 in der OJC. Seit Sommer 2014 verstärkt sie das Team vom Haus der Hoffnung in Greifswald. Seit 2016 gibt sie die Zeitschrift Brennpunkt Seelsorge heraus.

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