© 2013 Kat Northern Lights Man

Hallo, hier spricht Gott

Heute ist meine Zeit

Jeder Mensch ist von Gott gerufen. Das Gelingen oder Misslingen seines Lebens hängt von der Antwort auf diesen Ruf ab. Dabei geht es um unsere Bestimmung, an dem unendlich beglü­ckenden Leben Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes teilzunehmen. Er sieht sich dort, wo Gott ihn hingestellt hat, von den Erweisen der göttlichen Liebe umgeben. Diese Liebe zeigt sich in gewöhnlichen wie in außergewöhn­lichen Situationen, in freudigen Anlässen und im Schmerz. Überall vernimmt er die Stimme ­Gottes, die ihn fragt: „Bin ich dir gegenwärtig? Suchst du mich als dein Halt und Licht, als dein Schutz, dein Alles?“

In Gottes Händen

Gewöhnlich unterscheiden wir „planvolles“, das sinnvoll und verständlich erscheint – und „zufälliges“. Meine Schulabschlussfahrt führte in eine Großstadt mit tollen Angeboten, das war so geplant. Dass ich jedoch auf der Rückreise mit einer jungen Frau in einen tiefen persönlichen Austausch kam, ereignete sich ganz ‚zufällig’. So lernte ich meine Frau kennen – und im Nachhinein denke ich, dass ich vielleicht eigens darum in jene Stadt reisen „musste“. Es ist bemerkenswert, wie entscheidend Zufälle mein Leben beeinflusst haben. Zufällig lebte in der Straße meiner Eltern ein Bauer, der mich wie seinen eigenen Sohn behandelte, mich bestätigte und mir viel zutraute, so dass ich ihm lebenslang viel zu verdanken habe. Zufällig gab mir die Freundin meines Bruders einen Hinweis auf eine gerade frei gewordene Stelle, die für mich der optimale Einstieg für meine berufliche Laufbahn sein sollte. Zufällig erfuhr ich durch ein Buch, das mir in die Hände fiel, von der Lebensgemeinschaft OJC, in der ich später meine Lebensberufung fand. Zufällig wurde ich durch den Weggang eines Mitarbeiters für eine Aufgabe bestimmt, in der mein Charisma voll zur Entfaltung kam. Zufällig erlitt ich mit 46 Jahren einen Schlaganfall, der mich innerlich noch einmal neu aufbrechen ließ und auf ungeahnte Weise meiner tiefsten Sehnsucht eine Richtung gab...

Je öfter mir so etwas aufscheint, desto lebendiger wird in mir die Glaubensüberzeugung, dass es – von Gott her gesehen – keinen Zufall gibt, dass er mein Dasein fügt. Unser Leben ist in Gottes Händen. Diese Sicht verändert alles. Dies nicht nur zu wissen, sondern auf diese Wirklichkeit bezogen zu leben, gibt meinem Dasein einen neuen Charakter: Der Gott, der mich geschaffen hat; der Gott, der mich erlöst hat; der Gott, der mich einst in sein Licht stellen wird – der fügt mein Dasein. Was darin geschieht, ist Botschaft, Forderung, Prüfung, Hilfe, die von ihm kommt. Gott ist ganz und gar mit meinem Leben verbunden, kommt mir darin nahe und zeigt sich mir als Gegenüber.

Mit Gott fehlt mir nichts

Nach der alttestamentlichen Überlieferung (Ex 3,14) hat sich Gott selbst unter dem Namen Jahwe offenbart. Gott ist der immer Gegenwärtige, der immer Nahe und Helfende. Der Gottesname Jahwe ist auch im Namen Jesu enthalten! Damit ist also gesagt, dass der Gott, der in seinem Namen offenbar ist, auch jener Gott ist, der die Schöpfung bis zum heutigen Tag umfasst und alle künftige Zeit umspannen wird. Vor seiner Himmelfahrt verspricht Jesus seinen Aposteln: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28,20). Jede Sekunde ist ein Augenblick in Verbindung mit der Ewigkeit, in gewissem Sinne enthält er die Ewigkeit. In Christus leben wir in der Gegenwart ­Gottes. Diese Gegenwart Gottes, in der wir leben, nennen wir „Heiliger Geist“. Er ist der Beistand, der uns geschenkt ist, der Tröster, der in alle Situationen unseres Lebens hineinwirken kann. Durch diesen Geist können wir die Kraft finden, die ­Gegenwart Gottes mitten in unserer Welt, mitten im Heute unseres Alltags zu bezeugen.

Das Heute Gottes umfasst all unsere Zeiten. Statt ständig in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu leben, müssen wir lernen, jeden Augenblick so zu verbringen, dass er sich selbst genügt. Denn Gott ist da, und wenn Gott da ist, dann fehlt es mir an nichts. Wenn wir einen anderen Eindruck haben, liegt das oft daran, dass wir in der Vergangenheit leben, im Gefühl des Bedauerns, der Enttäuschung: wenn ich doch ledig geblieben/verheiratet wäre, wenn ich einen anderen Beruf gewählt hätte, wenn ich gesünder wäre, wenn ich doch noch einmal jung wäre, wenn ich doch schon alt wäre... Oder wir leben versklavt von Erwartungshaltungen und selbst gebastelten Idealen, die uns daran hindern, jeden Augenblick erfüllt von der Gegenwart Gottes anzunehmen, wie Psalm 145 bestätigt: Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit, du öffnest deine Hand und sättigst alles, was lebt, nach deinem ­Gefallen.

Es ist etwas sehr Befreiendes um dieses Verständnis von der Gnade des gegenwärtigen Augenblicks. Selbst wenn meine ganze Vergangenheit ­eine einzige Katastrophe war, selbst wenn mir meine Zukunft aussichtslos erscheint, jetzt kann ich durch einen Akt des Glaubens, des Vertrauens, der Hingabe zur Übereinstimmung mit Gott ­gelangen. Gott ist in alle Ewigkeit gegenwärtig, immer jung, immer neu, er ist der, dem meine Vergangenheit und meine Zukunft gehören, der alles vergeben, alles reinigen und alles erneuern kann: Er wird dich durch seine Liebe erneuern (Zef 3,17). Durch diese unendlich barmherzige Liebe habe ich immer neu die Möglichkeit, ganz von vorne anzufangen, ohne dass Vergangenheit oder Zukunft mich quälen. Meine Vergangenheit ist in den Händen der göttlichen Barmherzigkeit, die aus allem etwas Gutes bewirken kann, aus dem, was gut und auch aus dem, was schlecht ist; meine Zukunft liegt in den Händen der göttlichen ­Vorsehung, die mich nicht vergisst. So leben wir ­weder erdrückt von einer lastenden Vergangenheit, noch beunruhigt von einer unbekannten Zukunft. Wer bewusst Augenblick für Augenblick lebt, dem weitet sich das Herz. Halten wir uns ­also nüchtern an die ganz unmittelbare Wirklichkeit, denn darin ist der Herr. Ohne mich um die Vergangenheit oder die Zukunft zu kümmern, fasse ich heute den Entschluss zu glauben, mein ganzes Vertrauen in Gott zu setzen, heute entschließe ich mich, Gott und meinen Nächsten zu lieben. Und was immer auch das Ergebnis meiner guten Vorsätze sei, ob Erfolg oder Versagen, am nächsten Tag gibt es ein neues Heute, das mir durch die göttliche Geduld gewährt wird, und ich werde wieder neu beginnen. Ich muss weder meine Fortschritte messen noch wissen, wo ich nun stehe. Mich entmutigen weder meine Rückschläge, noch bilde ich mir auf meine Erfolge etwas ein, denn ich zähle nicht auf meine eigene Kraft, sondern ­allein auf die Treue des Herrn.

Gott spricht durch alles

In der Menschwerdung Jesu wird uns deutlich, dass gläubiges Leben kein Höhenflug über die Niederungen des Alltags ist, sondern im Gegenteil:  Gott steigt herab und taucht ganz ein in die Elemente der Schöpfung. Der allmächtige Gott hat sich so menschlich gemacht, dass er in Windeln gewickelt werden musste. Bei seiner Taufe reiht er sich ein in die Reihe der Sünder – er, der nie Sünder war – und  verbindet sich elementar mit allem, was der Schöpfung wesentlich ist. Das erste ­Wunder bei der Hochzeit in Kana hätte nicht ­geschehen können ohne liebevolle Aufmerksamkeit für das gewöhnliche Leben, für das, was im Alltäg­lichen fehlt und bei Gott möglich ist.

Im Raum des Neuen Testamentes agiert das göttliche Leben ganz und gar unter menschlichen Bedingungen. Gott will seine Welt nicht übergangen haben und sie darf darum auch durch keine noch so fromme Übung übersprungen werden. Wenn ein Mensch über seinem Studium der Heiligen Schrift seine Alltagspflichten und seinen Mitmenschen vernachlässigt, würde er an Jesus Christus vorbeigehen, ohne ihn zu erkennen. Wenn er zu Gott gelangen will, muss er gewissermaßen Gott verlassen und zum Nächsten gehen im Gehorsam gegen eben diesen Gott. Den direkten Weg zu Gott gibt es nicht. Das Glaubensleben wird dem natürlichen Leben nicht übergestülpt! Christlich nüchtern betrachtet, ist alles ein Anruf Gottes, Menschen, Dinge und Ereignisse. Die Begegnung mit Gott ereignet sich wesentlich im Annehmen meines Daseins wie es ist, mit der Sorge um die tägliche Not, mit der Herausforderung, meine Mitmenschen zu lieben, die Überraschungen des Lebens im Vertrauen auf Gottes liebende Vor­sehung auszuhalten. Nach Mt 11, 25 sind es die Unmündigen, denen diese Wahrheit aufgeht: Menschen, die es in ihrem Denken und Wollen nicht zu großer Selbstständigkeit gebracht haben, sind fähig, den Weg Jesu zu gehen. Die Weisen und Klugen, die Theologen, die Schriftgelehrten und Pharisäer haben nichts begriffen; aber die einfachen, oft verachteten Leute verstehen die Botschaft Jesu: Niemand kennt den Vater als der Sohn und wem der Sohn es will offenbaren. Und wieder: Ich bin der Weg. Zum wahren und lebendigen Gott kommt der Mensch nicht direkt, sondern nur durch Christus. Er, der das Alltägliche so ernst nimmt und es mit der ganzen Wirklichkeit dieser Welt aufnimmt, um uns zu erlösen, beraubt uns damit jeder Fantasterei über Gott.

Der Mensch wird ­ein Weg zu Gott

Weil Gott seine Welt nicht übergangen haben will, darf sie nicht übersprungen werden. Alle Dinge, Menschen, Vorgänge und Geschehnisse werden Wege zu ihm. Zunächst die Menschen, die mir zugewiesen sind. Johannes sagt in seinem ersten Brief: „Niemand hat Gott je geschaut, aber wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet  (1 Joh 4, 12) und etwas weiter: Wer seinen Bruder, den er gesehen hat, nicht liebt, kann Gott nicht lieben, den er nicht gesehen hat (1 Joh 4,20). Indem wir bereit sind, die Nächsten zu nehmen wie sie sind – in der Freundschaft, in der Ehe, in der Arbeit, in den alltäg­lichen Begegnungen – werden sie uns Weg. In der liebenden Begegnung mit jedem Du leuchtet uns das Bild Christi auf. Das Wesen der christlichen Liebe liegt nicht im Gefühl, sondern darin, dass der Blick sich innerlich öffnet; dass wir dem anderen Raum geben, er selbst zu sein und ihn so zu nehmen, wie er uns entgegenkommt.

Durch das Geheimnis seiner Menschwerdung ist Christus in jedem Menschen anwesend, was uns möglich macht, ihn auch in den Menschen, die uns fremd und unsympathisch sind, anzubeten. Jeder von uns trägt das Bild Christi in sich und bei keinem von uns ist es ohne Schrammen und ­Ma­cken. An der Stelle ist aber auch eine Unterscheidung notwendig: Annahme bedeutet nicht, dass man alles gutheißt, was der andere tut. ­Annahme bezieht sich nicht auf das Fehlverhalten des anderen, sondern auf den anderen selbst, der sich falsch verhält. Die bedingungslose Liebe bezieht sich auf die Liebe zum anderen, nicht auf sein Tun. Denn die Liebe weiß, Gott sei Dank, dass der andere mehr wert ist als sein Tun und auch mehr als sein Fehlverhalten. Es ist gerade die Annahme, die dem anderen hilft, sich selbst zu entdecken und an sich selbst zu glauben.

In jeder Begegnung liegt die Möglichkeit, Gott selbst zu empfangen, der sich uns im anderen schenken möchte. Annahme des Geschenks ­bedeutet auch, dass man den anderen nicht nur annimmt, wie er ist, sondern zugleich annimmt, was er nicht ist. Es bedeutet, dass man vom anderen nicht etwas erwartet, was er im Moment nicht, vielleicht sogar niemals, geben kann. Die ­Bereitschaft, den anderen so zu nehmen wie er ist, ohne ihn ändern zu wollen, geht einher mit dem Wollen, ihn aus der Hand Gottes zu empfangen. Das führt zu einem Perspektivwechsel: Ich bin der von Gott Angerufene, der sich zu ändern hat, wenn der andere so ganz anders ist als ich ihn ­gerne hätte. Den anderen Menschen anzunehmen, wie er ist, verdeutlicht auf sehr konkrete Weise den lebendigen Gotteswillen. Seit der Mensch­werdung ist der Maßstab des Gutseins nicht bloße Menschlichkeit, von nun an ist es Christus: So zu lieben wie er. Wenn wir an Christus Maß nehmen, wächst in uns das Gespür für alles in Wahrheit Menschliche.

Die Dinge werden ein Weg zu Gott

Die Dinge hat Gott für den Menschen geschaffen. Auch sie sind sein Wille. Leider gibt es nur wenige Dinge, die man wirklich gerne tut. Oft müssen wir den inneren Schweinehund besiegen, um rechtzeitig aufzustehen oder mit einem unan­genehmen Menschen zu sprechen. In einem letzten Sinne ist alles Last: die Arbeit, die Not, die Schmerzen, die Menschen, das eigene Wesen, die Schwere des Gemütes, die innere Leere, die Unerträglichkeit aller Dinge – nicht, weil sie so schmerzlich sind, sondern weil die Sünde den Fluch der Mühsal darüber gebracht hat. Die ­Gefahr ist groß, sich abzulenken und sich in einer Fantasiewelt einzurichten. Der Mensch soll den Dingen aber nicht entfliehen, sondern sie nehmen, wie sie sind. Das ganze Dasein, Besitz, Beruf, gesellschaftliche Beziehungen – alles soll auf der Liebe zur Wahrheit gegründet sein. Zeugnis ­davon geben wir im Alltag, in der Mühsal der ­Arbeit, im Bemühen, in einem sexualisierten ­Klima zu bestehen, fragwürdige Finanzpraktiken nicht mitzumachen. Nur wenn wir die Dinge nehmen, wie sie sind, bekommt auch unser Gottesdenken Wirklichkeit. Erst wenn wir sie als Willen des lebendigen Gottes empfangen, verstehen wir, was es heißt, dass Gott der Schöpfer dieser Wirklichkeit ist. Dazu gehört auch, dass es den Platz gibt, wo wir hingehören; die Mühsal, die wir durchstehen, die Aufgabe, in der wir ausharren sollen – unsere persönliche Lebenslast, in welcher sich die Last des Menschseins verkörpert.

Jedes Ding hat seine Wahrheit, die Gott geschaffen hat. Dienen wir der von Gott kommenden Wahrheit, dann werden auch wir selbst wahre und rechtschaffene Menschen, befreit aus der Willkür der Fantasie, des Gefühls, der Herrschsucht. So wird der Mensch wirklich, und sein Blick öffnet sich für Gott. Dies zeigt sich in der Beziehung des Menschen zu den Ereignissen.

Die Ereignisse werden ein Weg zu Gott

Im Hebräischen bezeichnet das Wort dawar nicht nur die Benennung einer existierenden Wirklichkeit, sondern zugleich seinen schaffenden Charakter (z. B. „Es werde Licht!“ in der Schöpfungs­geschichte). Dawar hat zwei Bedeutungen zugleich: Wort und Ereignis. Die Auseinander­setzung mit dem Wort Gottes ist demnach immer auch ein Ereignis, das sich in unserem Leben auswirken möchte. Umgekehrt gibt es kein Ereignis in unserem Leben, das nicht in der einen oder ­anderen Weise einen Anruf Gottes beinhaltet. ­Natürlich ist nicht alles, was uns widerfährt, von Gott gewollt. Doch um Gott zu verstehen, muss ich dem alltäglichen Geschehen Bedeutung zumessen, indem ich es mit dem Blick des Glaubens zu betrachten versuche. Wir erkennen, dass Gott in allem gegenwärtig ist und dass er alles zu unserem Wohl beitragen lassen kann, selbst die schmerzlichsten und schändlichsten Situationen.

Solange die Dinge sich nach Wunsch fügen oder Widrigkeiten noch als zumutbar empfunden werden, ist es natürlich leichter zu glauben, alles werde durch Gottes Liebe gefügt. Die eigentliche Feuer­probe kommt dann, „wenn Blick und Wille nicht mehr durchkommen und das Herz den Sinn aus dem ganzen Geschehen schwinden fühlt. Dann ist es Zeit für den ‚Sieg, der die Welt überwindet, unsern Glauben’. Dieser Glaube vergewissert sich aus Gottes Wort, dass alles Geschehene in seiner Vorsehung steht, auch wenn er es nicht empfindet. Er hält fest, dass hinter der schein­baren Verworrenheit die Fügung waltet, hinter dem Verlust ein noch nicht erkennbarer Gewinn liegt und dass durch alle Not hindurch etwas Gültiges heranwächst. Dieses Ja zu Gottes Weisheit und Macht wird im Gebet gelernt. In immer neuen Versuchen, aufrichtig, großmütig und tapfer, übt das Herz sich in das Ja zur geheimnisvoll waltenden Liebe Gottes ein.“ (Romano Guardini, Vorschule des Betens, Mainz 1986, S.131)

Ein solches Wirklichkeitsverständnis wächst durch die beständige Ausrichtung auf das Ziel unseres Lebens. Die Grundkräfte des christlichen Daseins nennt Paulus im ersten Korintherbrief: Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, doch am größten unter ihnen ist die Liebe (1 Kor 13,13, EÜ). Ohne die Leuchtkraft des ­Glaubens, die Beständigkeit der Hoffnung und die Sehnsucht der Liebe wird es dunkel im Herzen des Menschen. In diesen drei göttlichen Tugenden wirkt sich die tiefste Kraft des menschlichen ­Geistes und Herzens aus; ihrer eigentlichen ­Wurzel nach aber stammen sie aus Gott.

Ja zu allem, was kommt

Wer Gott ist, was der Mensch und sein ewiges Schicksal, steht in Gottes Wort. Dieses Wort wird aber erst dann verständlich, wenn der Mensch die Wirklichkeit annimmt, den anderen Menschen und die Ordnung der Dinge. Durch alles, was dem Menschen geschieht, redet Gott zu ihm und alles wird damit ein Weg zu Gott. Der Mensch ist in ein Ich-Du-Verhältnis zu seinem Schöpfer geschaffen. Das Leben des Christen vollzieht sich in einem beständigen Gespräch der Liebe. In diesem Gespräch ­gelangt er zu einer immer tieferen Erkenntnis der Liebe Gottes und einer daraus wachsenden Sehnsucht nach dem wahren Weg zum Leben (vgl. Joh 14,6). Wer sich nach Gott sehnt, nimmt die Wirklichkeit anders wahr (vgl. Ps 63,6). So ist auch für ­jeden von uns ein neuer Tag eine je neue Chance, die Spuren des Bräutigams zu finden und kein Frondienst mit einer Reihe bitterer Verpflichtungen. Es liegt in der Natur der Liebe, dem Geliebten zuzustimmen. Liebe zu ihm gebiert im Menschen die Annahme seines Willens, ein Ja zu allem, was von ihm ist. Um der Liebe in uns Raum zu schaffen, können wir uns tagtäglich üben, Ja zu sagen:

Zur Liebe Ja sagen, heißt Ja zum Vater zu sagen für dein Sosein, indem du dich so annimmst, wie er dich erschaffen hat.

Zur Liebe Ja sagen, heißt Ja zum Vater zu sagen für das Sosein der Anderen, indem du sie so ­annimmst, wie er sie erschaffen hat.

Zur Liebe Ja sagen, heißt auch Ja zum Vater zu ­sagen für die Lebenslage, in der du dich zur Zeit befindest, unabhängig davon, ob sie erfreulich oder unerfreulich ist.

Zur Liebe Ja sagen, heißt auch Ja zum Vater zu ­sagen für die Ereignisse, die sich dir momentan zeigen, unabhängig davon, ob sie erfreulich oder unerfreulich sind.

Zur Liebe Ja sagen, heißt auch Ja zum Vater zu ­sagen für deine Ohnmacht.

Zur Liebe Ja sagen, heißt auch Ja zum Vater zu ­sagen und dich von ihm verwandeln zu lassen.

Zur Liebe Ja sagen, heißt auch Ja zum Vater zu -sagen, um dich von allem, was du an Ballast ­angesammelt hast, zu befreien: an Wissen, an ­Einflüssen, an Bildern, an gutem Ruf, an materiellen Gütern, an Beschäftigungen und sogar Be­ziehungen.

Schließlich heißt zur Liebe Ja sagen auch zu ­akzeptieren, dass nur eines wichtig ist: der Wille des Vaters, und anzuerkennen, dass alles Übrige nicht wichtig ist.

Wenn das zu viel Einsatz erfordert, kannst du auch in aller Freiheit Nein sagen; wichtig ist nur, dass du die Wahrheit genau kennst und dein Herz in voller Kenntnis der Lage hingeschenkt wird.

Wenn du aus Sehnsucht zu Gott ihm täglich dein Ja neu schenkst, nimmst du seine Liebe immer mehr auf und wirst mit allen Ereignissen deines Lebens versöhnt.

Von

  • Rudolf M. J. Böhm

    Sozialpädagoge, gehört mit seiner Frau Renate zur OJC-Auspflanzung in Greifswald, wo er u.a. als Seelsorger aktiv ist.

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