Buchvorstellung
- A. Grün: Wege durch die Depression
Als erstes fiel mir an dem Buch der Titel ins Auge: Wege durch die Depression, nicht, wie vielleicht naheliegend gewesen wäre: „Wege aus der Depression“. Von mir weiß ich: Wenn es mir schlecht geht, ist mein allererstes Ziel, dass es mir besser gehen soll, so schnell wie möglich. Ich vermute, dass es anderen ähnlich geht.
Aber das ist nicht das Hauptanliegen von Anselm Grün. Ihm geht es nicht darum, wie man die Depression wieder los wird, sondern was sie uns beibringen kann, wie man spirituell mit ihr umgehen kann. Deshalb wiederholt er auch nicht, was man an psychologischem und therapeutischem Wissen in vielen anderen Büchern lesen kann. Wichtig ist ihm nicht die „Klassifizierung der Depressionen, sondern das Beschreiben des depressiven Erlebens“. Für ihn ist eine Depression immer auch eine Botschaft, die uns einlädt „unsere Maßstäbe in Frage zu stellen und das Geheimnis des Lebens mit neuen Augen zu sehen“. Der Autor illustriert die verschiedenen Aspekte von Depressionen – Erschöpfung, Angst, Ekel, Überdruss, Frustration, aber auch die Sehnsucht nach einer besseren Welt mit Abschnitten aus den Psalmen, aber auch den Heilungsgeschichten Jesu oder den Briefen von Paulus, um zu zeigen, wie „auch die schwere Depression, die mich von Gott abzuschneiden scheint, ein Weg werden kann, mich in Gottes Hand fallen zu lassen“.
Jesus, der immer an unserem Heil, an unserer Heilung interessiert ist, tritt „nie als Zauberer auf, der die Kranken möglichst schmerzfrei von ihrer Krankheit befreit. Vielmehr konfrontiert er sie stets mit ihrer eigenen Wahrheit“. Diese oft schmerzliche Wahrheit gilt es anzuschauen und so Schritte auf dem Weg der Heilung zu gehen.
Ein hilfreiches, anschaulich und flüssig zu lesendes Buch. Kein Ersatz für therapeutische Hilfe – das kann es auch gar nicht sein – sondern eine inspirierende ergänzende Lektüre, die dem Betroffenen und dem am Thema Interessierten neue Einsichten in das Phänomen Depression ermöglicht und zu einem konstruktiven Umgang mit der Diagnose ermutigt.
Man kann sich das Buch auch in leicht gekürzter
Form von Levi Harrison vorlesen lassen (Audio-CD,
Kreuz-Verlag 2008).
Birte Undeutsch, Reichelsheim
erschienen in:
Brennpunkt Seelsorge 3/2008, Angst, Sorge, Schuld. Was uns niederdrückt, S. 92
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