Burnout - die Chance, anders zu leben

Hintergründe, Entwicklung und Prävention

 
Gisela Stübner
 

Gisela Stübner ist Gründungsmitglied und ­Leiterin der Organisation „Neue Hoffnung e.V.“ in Cölbe-Bernsdorf, die Missionare und hauptamtliche Mitarbeiter im christlichen Dienst seelsorgerlich begleitet und unterstützt. Die examinierte Krankenschwester und ausgebildete Christliche Beraterin (IACP) arbeitet seit vielen Jahren mit Menschen, die am Burnout-Syndrom leiden.   
 

Eine junge Frau sitzt erschöpft und hilflos vor mir. 2 1/2 Jahre lebte sie als Missionarin in ­einem asiatischen Land und hatte mit ganzem Einsatz im Dienst gestanden. Es hat ihr viel Freude gemacht, bis sie ausgebrannt an Leib und Seele abgeholt werden mußte. Ein Jahr lang versuchte sie sich zu erholen, aber ihre Seele konnte nicht mehr richtig zur Ruhe kommen. Sie kämpfte mit Selbstmordgedanken und wollte doch neu leben lernen.
 
„Ich weiß gar nicht, was mit mir los ist. Ich habe zu nichts mehr Lust und möchte mich am liebsten zurückziehen...“ so berichtete eine andere, die sich immer gern einsetzte, in ihre Aufgaben inve­stierte.
 
Erschöpft und verbittert kämpft ein Mann darum, sich nicht völlig hängen zu lassen und Gott anzuklagen, weil er völlig frustriert wurde durch einen Vorgesetzten, der ihn nur ausgenommen hat.
 
So ließen sich viele Beispiele aneinanderreihen. Es gibt manche erschöpfte und ausgebrannte ­Chri­sten. Menschen, die hingebungsvoll in ihren Familien, Arbeitsfeldern und Diensten aktiv waren. Sie fanden sich in einer für sie ausweglosen Situation der Erschöpfung wieder. Und doch fanden sie wieder heraus, indem sie seelsorgerliche und therapeutische Beratung in Anspruch nahmen. Sie lernten auf diesem Wege, einen tieferen Einblick in die Beweggründe ihrer Seele zu finden, entdeckten Hintergründe, zerstörerische innere Haltungen und erlebten Gottes erbarmende Hilfe, um neue Wege für ihr Leben zu finden.
Die oft gebrauchte Redewendung: „Ich fühle mich so ausgelaugt und ausgebrannt!“ deutet darauf hin, daß das Bewußtsein für Erschöpfung gewachsen ist. Wir sind sensibler geworden für dieses Phänomen. Auf der anderen Seite kann es aber auch Verwirrung stiften. Nicht jeder, der sich ab und zu mal ausgebrannt fühlt, muß damit rechnen, in ein Burnout hineinzukommen.
 

Was ist eigentlich Burnout?

­seelischen und körperlichen Befindlichkeit. Es setzt eine länger andauernde Entwicklung voraus. Auf dem Weg der zunehmenden Erschöpfung senden unser Körper und unsere Seele Signale aus, die wir aber aus den unterschiedlichsten Gründen über­hören können.
 
     Signale unseres Körpers können sein:

  • Ständige Kopf- bzw. Magenschmerzen.
  • Muskelverspannungen (besonders Hals- und Schultermuskulatur).
  • Verdauungsbeschwerden.
  • Erhöhte Anfälligkeit gegen Erkältung und ­­Virus-Infektionen.
  • Chronische Schlappheit und Müdigkeit und demzufolge hoher Kaffeekonsum.
  • Tinnitus (ständige Geräusche im Ohr).

 
Signale unserer Seele wären z. B.:

  • Ständig unterschwelliges Gefühl des Über­fordertseins.
  • Gefühle und Gedanken der Resignation bis hin zur Hoffnungslosigkeit.
  • Das Gefühl, ausgenutzt zu werden.
  • Unangemessene Wutausbrüche.

 
Mancher dieser Signale können wir in stark be­lasteten Situationen erleben, aber wenn sie zum Dauerzustand werden und wir sie gar zu unterdrücken suchen, z.B. mit Medikamenten, kann es zu einer immer tiefergehenden Erschöpfung kommen, die unsere gesamte Persönlichkeit, unser ­Wesen und unsere Überzeugungen in Mitleidenschaft zieht. Am Ende einer solchen Entwicklung geht nichts mehr. Man fühlt sich wie eine ausgedörrte Hülle. Das Denkvermögen kann blockiert sein, die Gefühle sind wie abgestorben und der Wille scheinbar nicht mehr vorhanden. Das Gefühl einer Gottverlassenheit kann sich einstellen.
 „Ich bin mir selbst und Gott fremdgeworden“, so berichtete eine junge Frau in der Seelsorge.
Burnout ist ein ernstzunehmender Zustand. Jeden kann es treffen. Junge und ältere Menschen genauso wie Frauen und Männer. Es ist wichtig, die Hinter­gründe ernst zu nehmen. Dann kann man das Abgleiten in einen solch festgefahrenen Zustand verhindern.
 
Oftmals werde ich gefragt: Was ist eigentlich Burnout und wie kann ich das abwenden? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Denn es geht darum, wie wir in unserem Innern auf Streß reagieren und welche Motive uns bestimmen oder gar antreiben. Schwachheit ist in unserer Leistungs­gesellschaft „out“. Wie leicht lassen wir uns von den Normen der Gesellschaft anstecken bis hinein in unsere Beziehung zu Gott. Welche Voraus­setzungen bringe ich mit aus meiner eigenen Biographie? Welche Vorbilder hatte ich, die mich so Hingabe an Gott lehrten, ohne daß ich die Verantwortung für das eigene Leben außer Acht lasse?
 

Wir haben eine Würde

Wir sind Originale Gottes, kostbare Perlen, die er erlöst und erkauft hat. Unsere Würde ist der von Gott gegebene Zuspruch an den Menschen: in ­allen Persönlichkeitsmerkmalen ist er wertvoll und darf der sein, der er ist und wozu Gott ihm die Bestimmung gegeben hat. Gott hat uns geschaffen und er gab uns Gaben und Grenzen. Er kennt unsere Sündhaftigkeit. Aber er selbst hat uns gerufen, ­erwählt, gereinigt und erneuert. Er nimmt uns an und fördert uns, damit wir immer mehr in die ­Bestimmung hineinwachsen, die er für uns bereitet hat.
Gott, unser Schöpfer, hat uns eine Würde verliehen, die kostbar ist. Wir haben ein Bewußtsein über uns selbst – kein Tier besitzt diese Fähigkeit. Leben wir in diesem Bewußtsein? Kann Gott unsere Sünden abwaschen und unsere Wunden heilen? Gehen wir aufrechten Ganges über die Erde, oder leben wir noch in der Lüge der Verkrümmung?
 
Wir haben Gaben und Grenzen
Ob wir nun verschwenderisch mit natürlichen und geistlichen Gaben von Gott ausgestattet wurden oder mit etwas weniger (in der Regel hat jeder von uns sehr viele Gaben, die wir oftmals vor uns selbst und anderen verstecken oder sie als zu minderwertig betrachten!) – wichtig ist für jeden von uns, daß wir unsere Grenzen kennen, achten und respek­tieren. Das heißt nicht, daß Gott nicht auch unsere Grenzen immer wieder erweitern könnte. Aber das Schöne ist, nicht jeder muß alles können! Christian Schwarz rät in seinem Buch „Der christliche ­Lebenskünstler“ dazu, seine Grenzen zu feiern. Das halte ich für eine gute Idee. Menschen, die mit einem beginnenden Burnout kämpfen, sind in der Regel nicht in der Gefahr, faul und untätig zu werden. Sie sind eher geneigt, ihre Möglichkeiten zu überschreiten. Kürzlich sagte eine Frau zu mir in der Seelsorge: „Ich bin so erleichtert, daß ich mich ausklinken kann – nur, warum müssen mir das andere sagen, warum erkenne ich das selbst nicht?“
 
Gibt es eine Immunität gegen Burnout?
Gott hat uns die Verantwortung für unser Leben in die Hand gegeben. Wir können uns öffnen, dieser Würde entsprechend zu leben. Das kann uns zu einer gewissen Immunität gegen Burnout führen. Praktisch würde das bedeuten:

  • aus der Gnade Gottes leben, Vergebung empfangen und geben,
  • Bereitschaft entwickeln, Lernender zu bleiben, zu wachsen und zu reifen,
  • wahrhaftig und ehrlich sein gegenüber mir selbst und anderen,
  • Herausforderungen mutig und verantwortlich anpacken, aber auch Nein sagen können,
  • Gaben entdecken und ausleben genauso wie Grenzen erkennen und sich abgrenzen lernen,
  • im Vertrauen auf Gottes große Liebe und Fürsorge Gelassenheit lernen,
  • Humor entdecken: herzhaftes Lachen – besonders über sich selbst – befreit und löst uns vom verbissenen Denken und Handeln


 

Verschiedene Hintergründe von Burnout

Die Hintergründe sind vielfältig, müssen aber nicht unbedingt Auslöser sein. Bestimmte innere Ein­stellungen und Haltungen müssen dazukommen, um in eine Burnout-Entwicklung hineinzukommen.
 
Hektik und Zeitplanung
Das reichhaltige „Management“ einer Familienfrau, das sie kaum zum Aufatmen kommen läßt. Die ­hohen Erwartungen, denen Männer in Beruf, Familie und Gemeinde ausgesetzt sind. Die alleiner­ziehende Mutter, die mit vielen Herausforderungen konfrontiert ist. Singles, die – gerade weil sie keine Familie haben – sich zwischen den vielen Angeboten und Verpflichtungen in Beruf und Gemeinde zurechtfinden und ihren Weg finden müssen. Alle sind mit hineingenommen in die Frage: Können sie auch mal Nein sagen? Verlangen sie von sich selbst viel, ohne ihren Körper und ihre Seele zu beachten? Welche innere Motivation treibt sie an? Was ist ­eigentlich mein Auftrag, den Gott mir zugedacht hat?
 
Erwartungen und Leistungsdenken
„Ich habe oft gedacht, das muß ich machen, das wird ja von mir erwartet, und ich hatte Angst, Ablehnung zu ernten, wenn ich den Erwartungen nicht nachkomme.“ So der ehrliche Satz einer ­Betroffenen. Sie hatte Angst, abgelehnt zu werden. Diese Erkenntnis wurde ihr deutlich, als sie darüber nachdachte, wie sie in eine so große Erschöpfung hineingekommen ist.
Manchmal haben wir auch eine hohe Erwartung an uns selbst. Ein Idealbild hält uns gefangen von Perfektion und Leistung. Wir übersehen dabei, daß wir uns selbst gegenüber hart und unbarmherzig werden. Gottes gnädiger und erbarmender Blick für uns selbst ging uns auf dem Wege verloren. Zu immer größerer Leistung haben wir uns angestachelt.
 
Minderwertigkeitsgefühle und -gedanken
Wer kennt sie nicht, die nagenden Gedanken und Gefühle, minderwertig zu sein. Minderwertige ­Gedanken uns selbst gegenüber führen nicht automatisch in ein Burnout. Diese Gedanken können verarbeitet werden. Bei Gott können wir zur Ruhe kommen. Werden sie jedoch zur Grundeinstellung, geraten wir in einen Zwang: wir müssen uns selbst und anderen beweisen, daß wir wertvoll sind. Die Folge: Wir meinen, immer freundlich sein zu ­müssen; mehr zu arbeiten als andere. Und dieser Zwang treibt zu einem enormen Energieverschleiß, der uns nicht unbedingt bewußt sein muß.
 
Einseitige Lebensgestaltung
Die Balance zu finden von Anspannung und Entspannung in den verschiedensten Lebensbereichen – das ist einer der wichtigsten Punkte, um Burnout vorzubeugen. Dabei geht es weniger um genügend Schlaf, Bewegung und gesundes Essen, obwohl es wichtige Dinge sind, um unseren Körper fit zu ­halten. Es ist mehr die innere Balance, auf die ich den Schwerpunkt legen möchte.
 
Gehen wir einmal verschiedene Bereiche durch:

  • Besteht eine Balance zwischen Verantwortung ergreifen und loslassen? Wer trägt die letzte Verantwortung für unsere Aufgaben? Laden wir die Verantwortung auf Gott ab, die wir ­ergreifen sollten? Meinen wir, unentbehrlich zu sein? Können wir Aufgaben abgeben oder meinen wir, daß andere es nicht richtig ­machen?
  • Besteht eine Balance zwischen stark und schwach sein? Haben wir Menschen, denen wir auch unsere schwachen Seiten zeigen? Nehmen wir uns die Zeit, unsere Schwachheit ernst zu nehmen? Meinen wir immer stark sein zu müssen?
  • Leben wir einen Ausgleich von Geben und Nehmen? Sind wir uns unserer Bedürftigkeit bewußt oder schämen wir uns dafür? Meinen wir gar, daß wir darauf keine Rücksicht ­nehmen dürfen? Aus welchen Motiven geben wir uns ganz hinein in eine Aufgabe?

 
„Ich dachte immer, ich dürfe mir nicht anmerken lassen, wenn es mir mal schlecht geht. Dann bin ich ja kein gutes Zeugnis...“ so eine Äußerung in der Seelsorge.
 
Unbereinigte Verletzungen und Enttäuschungen
Menschen können sehr verletzen und enttäuschen. Das kann in unserem Herzen zu einem richtigen Klumpen an Groll und Bitterkeit anwachsen.
Gehören wir zu den Menschen, die ihre Wut und ihren Zorn lieber wegdrücken? Haben wir den ­Eindruck, daß wir nicht verletzen und enttäuschen dürfen? Und verlangen wir von anderen insgeheim, daß sie es auch nicht tun dürfen?
Auf jeden Fall – unvergebene und nicht verarbeitete Verletzungen und Enttäuschungen rauben uns sehr viel Kraft. Das Gefühl der Überforderung stellt sich dabei schneller ein, wenn die vielen Herausforderungen des Alltags auf uns einströmen. Und doch scheint es manchmal einfacher, alles zu unter­drücken, statt den ehrlichen Prozeß der Versöhnung anzustreben und vergeben zu lernen.
 
Probleme und Nöte
Sie gehören zum Leben dazu. Wenn aber meine Probleme in einer ständigen Ablehnung und einem Sich-Unterdrückt-Fühlen begründet sind, wenn vielleicht noch unklare Beziehungen am Arbeitsplatz, in der Familie und zu Freunden dazukommen, wenn also alles ungeklärt ist und man sich unverstanden oder gar mißbraucht fühlt, kann ­einen das in die Verzweiflung treiben.
Ständige Krankheiten bei uns selbst oder unseren Angehörigen können zermürben. Eine Kette von notvollen Ereignissen oder gar der Tod des Ehepartners, eines Kindes oder eines Freundes können uns in viele ungelöste Fragen stürzen.
Und wenn wir nun noch von uns selbst verlangen, daß wir mit allem gut umgehen können, vielleicht sogar alle Schuld auf uns nehmen, uns keine Zeit zur Trauer geben und uns nicht abgrenzen können, führt das in eine immer tiefergehende Erschöpfung. Vielleicht haben wir nie gelernt, uns konstruktiv zur Wehr zu setzen, bleiben in einer Opferhaltung, unterdrücken Schmerz und Zorn, der uns je länger je mehr ausbrennt.
 
Mangelnde Identität
Ein weit verbreitetes Problem. Wir machen uns vielleicht nicht die Mühe herauszufinden, was wir eigentlich möchten, was uns ausmacht und für welche Aufgaben und Herausforderungen wir in dieser Welt stehen wollen. Wir rutschen in vieles einfach hinein, lassen uns leben und meinen, aus unserer Rolle nicht aussteigen zu können. Und wer bin ich ohne Leistung, ohne daß ich etwas tue?
Unsere Identität verändert sich im Laufe des Lebens bzw. muß den jeweiligen Umständen neu angepaßt werden. Wir werden unterschiedliche Schwer­punkte setzen, wenn wir 20, 30, 40 oder 50 Jahre alt sind.
 

Burnout-Entwicklung

Kommen wir nun zu den inneren Vorgängen der Burnout-Entwicklung, die sich in unserer Seele ­abspielen können. Da jeder Mensch ein Original ist, kann es gut sein, daß wir uns nur in wenigen Punkten wiederfinden. Aber es kann eine Anregung sein, über die eigene Situation nachzudenken.
Meine Einteilung in 12 Stadien zeige ich in Anlehnung an das (inzwischen vergriffene) Buch „Burnout“ von Herbert Freudenberger/Gail North auf, da mir sehr viele Parallelen in der Seelsorge begegnet sind. Die ersten 6 Stadien werde ich etwas ausführlicher erläutern. Die letzten 6 Stadien werde ich nur andeuten. Sie bedürfen in der Regel einer fachärztlichen stationären Begleitung.
 
Stadium 1:  Zwang, sich beweisen zu müssen
Dieses Stadium wird in den seltensten Fällen von uns selbst bemerkt. Da sich diese innere Haltung aber durch die weiteren Stadien durchzieht, werden wir dieser Haltung auf die Spur kommen, wenn wir dafür offen sind.
Wir müssen uns beweisen als guter Ehemann, ­Familienvater, Arbeitskollege, Mutter, Familienfrau, im Beruf. Es dürfen uns nicht sehr viele Fehler unterlaufen. Eine gewisse Unbarmherzigkeit mit Schwächen anderer kann uns eigen sein. Wir ­kriegen sehr viel „auf die Reihe“ und erwarten das auch insgeheim von anderen – vor allen Dingen in Bereichen, die wir für wichtig halten. Z.B. tadelloses Christsein, liebenswerte, freundliche Hausfrau, alles topp im Haushalt, Kinder gut erzogen, Dienst- und Arbeitsalltag mit vollem Terminkalender.
Was geschieht im Laufe der Zeit mit dieser inneren Haltung? Nicht der normale Streß, der das Leben mit sich bringt, steht im Vordergrund, sondern eine allmählich immer größer werdende verbissene ­Entschlossenheit, Erfolg und Leistung zu bringen. Wir denken, das würde von uns erwartet bzw. wir erwarten es von uns selbst.
Nun zeigt die Erfahrung, daß wir immer weniger Erfolg haben, je verbissener wir die Sache angehen. Es kommt zu noch mehr Druck und Fehlschlägen, die man sich aber nicht gern eingesteht.
   
Stadium 2:  Verstärkter Einsatz
Rückschläge und Müdigkeit werden nicht als Signal zum Zurücktreten wahrgenommen, sondern zwingen uns zu verstärktem Einsatz. Dazu kann sich die Haltung einschleichen, alles selbst machen zu müssen. Man fürchtet, die Kontrolle zu verlieren, wenn man Verantwortung an andere weitergibt.
„Ich legte mir eine bestimmte Vorstellung zurecht, wie etwas erreicht werden sollte, und verfolgte sie dann mit absoluter Konsequenz“, so ein Betroffener. 
Diese unnachgiebige Haltung bleibt oftmals unbemerkt. Andere halten uns für einen Menschen, der konsequent seine Ziele verfolgt. Das löst eher ­Bewunderung aus.
Gott möge uns Freunde schenken, Menschen, die uns hinterfragen und uns zum Nachdenken anregen:

  • Kann es sein, daß du dir zuviel zumutest?
  • Welche Verantwortungen könntest du ab­geben?
  • Was ist eigentlich los mit dir?
  • Was solltest du verändern? Wo liegen deine Gaben? Wo deine Grenzen?


Ein resigniertes „Da kann man eben nichts ­machen“ kann gefährlich werden und treibt uns weiter in das nächste Stadium.
 
Stadium 3:  Allmähliche Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Ich reduziere meine Aufmerksamkeit für mich selbst und meine persönlichen Bedürfnisse.
Die kleinen Pflichten und Freuden des Alltags werden mehr und mehr als Störung empfunden. Rechnungen werden vergessen, Kleider nicht aus der Reinigung geholt, Eingekauftes nicht verstaut, Telefonanrufe nicht beantwortet. Hat man bisher regelmäßig an die Geburtstage von Freunden gedacht, wird das nun übersehen. Wir haben „einfach keine Zeit dafür“ und verschieben vieles auf später. ­Dieses Verschieben ist sehr typisch.
Es entstehen endlos lange Listen im Inneren, denen ich nun beginne, hinterherzulaufen. Man schiebt immer mehr auf und die Effektivität der Arbeit nimmt ab.
Man gönnt sich weniger. Redewendungen wie „Ich würde gern..., aber ich schaff‘s einfach nicht“ ­werden immer häufiger. Dieses Stadium wird nun schon etwas auffälliger. Hier einige Kennzeichen:
 

  • Schlechte Gewohnheiten und Sünden, die man überwunden glaubte, können wieder aufbrechen
  • Schlafstörungen, Heißhunger auf Süßes, Vernachlässigung der Körperpflege, der Ernährung oder vermehrtes Essen (Streß-Essen)
  • Konzentrationsstörungen
  • Der Sinn für Humor schwindet, alles wird ­verbissen ernst. Die nötige Distanz zum alltäglichen Streß geht verloren.


Was wäre hier zu tun?
Urlaub nehmen, Terminstop, ausgiebiges Bad, schöner Spaziergang, wieder anfangen zu joggen. Darüber hinaus erkennen, welche Aufgaben ich abgeben kann. Vielleicht ist es sogar gut, ein Sabbatjahr einzulegen. Es ist höchste Zeit geworden.
Dann mich den Fragen stellen, die wichtig sind:
Wie konnte es dazu kommen? Was ist eigentlich mit mir los? Was treibt mich an? Welche Motive ­stecken dahinter? Wo lade ich mir zuviel auf? Wer bin ich? Wozu lebe ich? Was ist eigentlich mein ­Anliegen, mein Auftrag von Gott?
Dazu kann man die Hilfe von Freunden oder einem Seelsorger/Therapeuten in Anspruch nehmen. Und es wäre gut, eine Liste der nötigen Aufgaben, die man versäumt hat aufzustellen und nacheinander ab­arbeiten.
 
Das Gefühl des Versagens kann mich bestimmen. Entweder bin ich bereit, dem Gefühl offen ins ­Gesicht zu schauen oder es treibt mich weiter in diese fortschreitende Burnout-Entwicklung hinein, weil ich mich schäme und mir nicht eingestehen will, daß meine Kräfte nachgelassen haben.
 

Stadium 4:  Verdrängung von Konflikten und ­Bedürfnissen
In diesem Stadium fallen einem gewöhnlich innere Konflikte, das unausgeglichene Verhalten auf. ­Immer wieder kreisen die Gedanken um die Gesundheit – um Schlaf, Ernährung, Bewegung und Energiemangel. Man fragt sich, warum man so verstimmt ist, warum die Erkältung nicht weggeht, ­warum man sich nicht richtig auf der Höhe fühlt, ausgebeutet fühlt, wo man doch offensichtlich alles „ganz richtig“ macht. Zeichen chronischer Müdigkeit stellen sich ein.
Die ersten Glaubenszweifel nagen an einem. Man wird auf Gott wütend, der einem so viel zumutet. Diese Wut wird aber wieder verdrängt, weil sie ja nicht richtig ist. Die Vernunft sagt, daß wir ­einen Schritt zurücktreten sollten. Aber hier ist der Knackpunkt: Menschen, die in ein Burnout hineintreiben, wollen gerade dieser Tatsache nicht ins ­Auge sehen, sondern versuchen, sie vor sich und anderen zu verbergen.

Warum? Die Antwort darauf ist vielschichtig:

  • Unverarbeitete Erlebnisse, denen man nicht begegnen will;
  • zu hohe Erwartungen an sich selbst, die man meint, nicht korrigieren zu dürfen;
  • verdrängte Verletzungen und Enttäuschungen, die man sich nicht eingestehen will;
  • falsche Gottesbilder, verzerrte Frömmigkeit;
  • Stolz;
  • nicht gelungene Persönlichkeitsreifung.

 

„Ich dachte, ich könne mir das Gefühl von Schwäche, ja generell meine Gefühle nicht eingestehen. Ich hatte den Eindruck, damit nicht umgehen zu können,“ berichtet ein Mann in der Seelsorge.
Eine Frau hatte einen sexuellen Mißbrauch völlig verdrängt und arbeitete, um ihre tiefe Verwundung und Minderwertigkeit auszugleichen, bis zum körperlichen und seelischen Zusammenbruch.
Eine Mutter von 3 Kindern berichtete mir, wie sie durch immer wieder auftretende Panikattacken von Gott „gepackt“ wurde, daß sie sich ehrlich ihrer ­Situation stellen mußte. Es begann eine schwere, aber lohnenswerte Zeit, in der sie nach und nach mit Hilfe einer Seelsorgerin lernte, ihren Wert nicht von ihrer Leistung abhängig zu machen, sondern zu entdecken, daß sie ein wertvoller Mensch ist, auch wenn sie nicht alle Aktivitäten in der Gemeinde mitmacht.
 

Stadium 5:   Umdeutung von Werten
Was einem wirklich wichtig ist im Leben, wird nicht mehr richtig wahrgenommen. Der Glaube ­beginnt zu zerbrechen. Gott ist mir plötzlich ganz fern gerückt. Das Gefühl der Angst, der Panik und Verzweiflung bricht immer wieder in mir auf. ­Beziehungen, dir mir bisher wichtig waren, werden zur Last. Möchte jemand etwas mit mir besprechen und einen Rat haben, fühle ich mich bedrängt und überfordert. Das Leben wird freudlos, und ich fühle mich frustriert und abgenervt bei Kleinigkeiten. ­Vergangenheit und Zukunft werden wegen des ständig lästigen Druckes weggeschoben, alles ­findet in der Gegenwart statt.
„Im Moment habe ich keine Zeit...“ wird zur Angewohnheit. Probleme mit Ehepartnern tauchen auf, Mißverständnisse sind an der Tagesordnung. Kinder, die man bisher liebte, werden mit ihren kleinen Fragen und ihrem sprudelnden Wesen weg­geschoben. Das Einfühlungsvermögen läßt nach, negatives Denken, Klagen und Nörgeleien bestimmen den Alltag und die Beziehungen. Der Körper reagiert mit vielerlei kleinen Krankheiten. Man spürt, daß man sich nicht mehr entspannen kann.
Der Wert des Menschen orientiert sich mehr und mehr an der Leistung. Also sage ich mir: „Wenn ich das noch geschafft habe, dann geht es wieder aufwärts...“ Alles andere ist im Moment zweitrangig.
    
Stadium 6:  Verstärkte Verleugnung der auf­tre­tenden Probleme
Nun muß natürlich immer stärker verdrängt und verleugnet werden. Man nimmt sich das nicht ­bewußt vor, sondern schützt sich vor den Schattenseiten und Anforderungen des Lebens, indem man Empfindungen, starke Gefühle, Ängste oder Enttäuschungen verleugnet.
Das Gefühl der Einsamkeit und Isolation nimmt zu. Man funktioniert zwar noch, ist aber immer weniger daran beteiligt.
Man stellt das selbst fest, ist aber hilflos, etwas dagegen zu unternehmen. Man fühlt sich ausgebrannt, erschöpft, möchte immer stärker fliehen und sich weigert, auch kleinere Verantwortungen zu übernehmen. Spätestens in diesem Stadium sucht man Hilfe.
Alle weiteren Stadien benötigen einen Klinikaufenthalt, weil man das eigene Leben nicht mehr geregelt bekommt und immer stärker werdende Suizidgedanken hat.
 

Stadium 7 - 12
Die letzten Stadien sind von immer stärkerem Rückzug gekennzeichnet. Der Mensch verändert sich spürbar, zieht sich vom Leben und von sich selbst zurück, spürt seine Gedanken und Gefühle kaum noch, wird apathisch und antriebslos. Gleichzeitig wird der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, immer größer. Er sieht keine Hoffnung mehr. Eine große innere Leere breitet sich in seinem ­Innern aus und er empfindet sich buchstäblich als „leere Hülle“.

Wir sehen, die Burnout-Entwicklung beginnt harmlos und kann in einer großen Katastrophe enden. Aber es gibt Hoffnung. Keiner muß alle diese Sta­dien durchlaufen. Jeder kann zu jedem Zeitpunkt aussteigen, wenn er lernt, sein Leben zu achten und seine Würde, die Gott ihm gegeben hat, neu zu begreifen.

Wenn Sie sich in den ersten Stadien wiedergefunden haben, dann nehmen Sie Ihre Situation ernst. Beginnen Sie zu überlegen, was Sie ändern können. Die folgenden Punkte für die Prävention ­eignen sich auch für Kurskorrekturen. Wenn Sie sich in den Stadien 4 – 6 wiedergefunden haben, nehmen Sie Ihre Situation noch ernster. Suchen Sie seelsorgliche oder therapeutische Beratung und ­lassen Sie sich krank schreiben. Je früher Sie auf ­Ihre Situation reagieren, umso größer ist die Möglichkeit, ein tieferes Ausgebranntsein abzufangen. Denn die Erfahrung zeigt, je tiefer unsere Seele „abgebrannt“ ist, um so länger dauert der Weg der Ver­änderung und Heilung.

Werden Sie ehrlich vor sich selbst und vor Gott. ­Jesus sagt: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen.“ (Joh. 8) Das gilt auch für das ehrliche Eingestehen, mich selbst beweisen zu müssen; für den Wunsch, alles im Griff haben zu wollen; für alle Verbissenheit, alles richtig machen zu wollen. Wenn Sie damit vor ­Gottes Angesicht kommen, wird er Ihnen als liebevoller Vater begegnen. Ihre Perspektiven werden zurechtgerückt. Wir brauchen in der Regel einen Gesprächspartner dazu, der uns unsere Augen öffnet für unsere Situation und Einstellung.

Wie sieht Gott uns?

Mit barmherzigen und liebevollen Augen. Er verurteilt uns nicht, sondern er möchte uns auffangen. ­­Er kennt unsere Einstellungen und Haltungen. ­Er möchte uns in bisher nie gekannter Weise begegnen. Er möchte diese Krise in Segen verwandeln. Das geschieht nicht in einem Augenblick. Nein, es kann Wochen, Monate und sogar Jahre dauern. Aber es lohnt sich.
 

Prävention von Burnout

Einige praktische Anregungen, die ein weiteres Ab­gleiten in ein Burnout verhindern können und die ersten Stadien abfangen:
 
1. Ab und zu einen Schritt zurücktreten
Es kommt auf die Perspektive an: Wenn ich z.B. ein Gemälde erfassen will, muß ich oftmals einen Schritt zurücktreten. Wenn ich dicht davorstehe, ­erfasse ich nicht das Gesamtbild. So kann es auch mit unserem Leben, mit unseren Aufgaben und unserem vollen Terminkalender sein. Wir haben die Gesamtsicht für unser Leben und die große Linie Gottes für uns aus den Augen verloren und brauchen Abstand, um das neu wahrzunehmen. Das bedeutet z.B. Urlaub machen mit dem Ziel, die ­eigene Situation ehrlich unter die Lupe zu nehmen; eine Kur beantragen; unbezahlten Urlaub nehmen.
 
2. Mit dem Verleugnen aufhören
Die eigenen Motive erforschen und sich für eine Veränderung der Situation öffnen – das braucht Mut zur Wahrheit. Die Angst erkennen, daß ich nicht als Versager dastehen möchte. Aber genau diese Angst verhindert nötige Kurskorrekturen, die ein weiteres Ausbrennen verhindern würden.
Darum die ehrliche Frage: Wie sieht es wirklich aus? Was überfordert mich? Was fällt mir besonders schwer? Womit möchte ich am liebsten aufhören? Inwiefern leiden andere unter meiner Überfor­derung (Familie, Freunde, Kollegen...)? Was setzt mich am meisten unter Druck und was verkrafte ich eigentlich gar nicht gut?
 
3. Isolation vermeiden
Haben Sie sich vielleicht in manchen Bereichen zurückgezogen? Meinen Sie, Sie müßten das alles alleine hinkriegen? Fühlen Sie sich alleingelassen und mißverstanden? Suchen Sie das Gespräch mit Freunden, mit einem Seelsorger. Treten Sie die Flucht nach vorn an, damit andere Ihnen helfen können, zur inneren Klarheit zu kommen. Aller Rückzug birgt die Gefahr in sich, noch tiefer in ein verbissenes Arbeiten zu verfallen, so daß sich unbemerkt eine Bitterkeit in Ihnen ausbreitet und ver­letzend wird für die Menschen, die Sie am meisten lieb haben.
 
4. Die Lebensumstände ändern
Das ist leichter gesagt als getan. Aber man bedenke dabei, früher oder später wird man vielleicht dazu gezwungen, weil es nicht mehr anders geht.
Welche Faktoren in meinem Umfeld treiben mich weiter in die Erschöpfung? An welchen Stellen ­sollte ich Dinge aus der Hand geben? Wo sollte ich kürzer treten? Das kann für Sie selbst unangenehm und für andere belastend sein. Aber die Erfahrung zeigt, daß sich oftmals Lösungen auftun, wenn man tatsächlich sagt, daß man diese oder jene Aufgabe nicht mehr übernimmt. Und wenn das nicht der Fall ist? Manche Projekte sterben, damit andere ­entstehen können.
 
5. Die Hintergründe entdecken
 Es ist eine Binsenweisheit, daß wir Menschen dazu neigen, uns erst dann näher mit einem Problem zu beschäftigen, das uns ganz persönlich betrifft, wenn wir nicht mehr ausweichen können. Das gilt besonders für die voll engagierten Leute, die Aktiven in Beruf, Familie und all den wichtigen Interessen, die wir mit ganzem Einsatz verfolgen. Wenn wir also spüren, wir sind erschöpft, liegt eine große Chance darin, unser Leben zu überdenken:
 

  • Wo sind Enttäuschungen, die ich nicht ­verkraftet habe?
  • Welche Verletzungen stecken noch wie Pfeile in meinem Herzen?
  • Werde ich gelebt von all den vielen Verpflichtungen und warum?
  • Verfolge ich noch die Ziele, die ich mir für mein Leben vorgenommen hatte?
  • Wo liegt wirklich die Wahrheit und wer kann sie mir kompetent zeigen?


 

6. „Nein“ sagen lernen
Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die sehr schnell Ja sagen, wenn sie etwas gefragt werden. Vielleicht denken Sie sogar, daß Sie auf diese Weise ganz für Gott da sein wollen. Ihre Hingabe an Gott ist gut, aber Gott gab Ihnen auch Grenzen, die Sie selbstverantwortlich erspüren sollten. Vielleicht ­haben Sie den Eindruck, ein Ja wird von Ihnen ­erwartet und Sie haben gar nicht die Wahl? Das mag vielleicht sein, aber auch hier gab Gott Ihnen die Würde, eigenverantwortlich zu entscheiden. Wenn Sie ab und zu Nein sagen, gewinnen Sie mehr Profil und können umso freudiger wieder Ja sagen zu neuen Aufgaben und Herausforderungen.
 
7. Meine Werte überprüfen

  • Welche Werte finde ich wichtig?
  • Lebe ich sie in meinem Leben?
  • Worauf möchte ich besonders achten, daß es nicht zu kurz kommt – und was muß ich dafür loslassen?
  • Treibt mich der Wunsch nach Anerkennung, vieles zu leisten und mich zu engagieren, oder mein persönliches Anliegen und Gottes Auftrag?

Manche Menschen leben mit einem nagenden Schuldgefühl. Sie meinen, sie müßten dies tun, hätten jenes tun sollen. Gott lädt uns ein, bei ihm zur Ruhe zu kommen. Er hat ein Angebot und Werte, die sogar über den Tod hinausreichen. Seine Liebe ist bedingungslos. Er steht mit offenen Armen da und möchte uns von dem verzweifelten Bemühen, vor Menschen gut dastehen zu müssen, lösen und zur Gelassenheit führen.
 
8. Das persönliche Tempo finden
Beobachten Sie sich, wie sie vor einer Ampel stehen oder hinter einem Menschen herfahren, der in der Innenstadt konsequent 40 Stundenkilometer fährt. Es kann für Sie eine große Herausforderung sein, Geduld für das Tempo eines anderen bzw. der Ampelanlage aufzubringen. Vielleicht gibt es in ­Ihrem Leben aber auch Stellen, in denen Sie nicht für die „Überholspur“ geschaffen sind. Situationen, in denen sie langsamer sind, mehr Zeit brauchen als andere. Schaffen Sie es, dazu zu stehen oder überfahren Sie sich selbst? Oder haben Sie Angst vor der Ungeduld anderer und setzen sich deshalb selbst unter Druck?
 
9. Die Bedürfnisse erkennen, wahrnehmen und verantwortlich damit umgehen lernen
Es ist tatsächlich so: Wir sind bedürftige Menschen! So hat Gott uns geschaffen. Wir haben auch viel zu geben, haben Kraft und Stärke. Aber wir werden in unterschiedlichen Bereichen immer bedürftig bleiben. Unser Körper hat seine Bedürfnisse – und wie oft wird er sehr respektlos behandelt. Unsere Seele sehnt sich nach Liebe, Zuwendung und Fürsorge. Unser Geist möchte sich auch mit Dingen beschäftigen, die nicht nur dringlich und notwendig für die Arbeit sind.
Es ist richtig, daß wir uns nicht von unseren Bedürfnissen leiten lassen müssen. Wir haben die Kraft von Gott bekommen, sie auch freiwillig zurückzustellen, wenn es um seine Sache geht. Aber das wird kein Dauerzustand sein, sonst würde der Schöpfer sein Geschöpf mißbrauchen. Gott lädt uns ein, mit uns selbst gut umzugehen, ohne daß wir uns gleich zu einem egoistischen auf uns selbst ­bedachten Menschen entwickeln.
Was braucht Ihr Körper? Wonach sehnt sich Ihre Seele? Setzen Sie sich hin und beginnen Sie zu träumen. Danach können Sie einen Traum verwirklichen.
 
10. Sinn für Humor neu entdecken (oder überhaupt erst mal entdecken)
Wann haben Sie das letzte Mal herzhaft gelacht? Nein, nicht unbedingt über andere, sondern über sich selbst? Erkennen Sie noch die Komik in einer bestimmten Situation? Haben Sie Distanz zu Ihren Aufgaben oder nehmen Sie alles sehr sehr ernst?
Ich lade Sie ein, einmal etwas Verrücktes zu ­machen – vielleicht etwas, was Sie schon immer mal machen wollten. Nehmen Sie Ihren Ehepartner mit, wenn Sie mögen, oder einen Freund oder eine Freundin.
„Die junge Kellnerin stolpert und gießt einem ­älteren Gast etwas von der heißen Soße über die Glatze. Der Gast fährt herum, betastet seinen Kopf und fragt erstaunt:  Glauben Sie wirklich, daß das noch hilft?“
 
Burnout – eine Erfahrung, die uns in eine tiefgreifende Krise stürzen kann. Und doch kann es gleichzeitig zu einer entscheidenden Wende für unser Leben werden. Gönnen Sie sich Zeit und die Muße, darüber nachzudenken, wie Sie Ihr Leben gestalten wollen. Steigen Sie aus der Resignation aus! Es geht nicht nur darum, weniger zu tun, sondern zu fragen, wie  ich es tue, welche Motivation mich treibt.
 

erschienen in:

Brennpunkt 1+2 / 2005, Burnout, S. 17-25
 

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