Bekenntnis

Theodor Fontane
 

Ich bin ein unglückselig Rohr:
Gefühle und Gedanken
Seh rechts und links, zurück und vor,
In jedem Wind, ich schwanken.
 
Da liegt nichts zwischen Sein und Tod,
Was ich nicht schon erflehte:
Heut bitt’ ich um des Glaubens Brot,
Dass morgen ich’s zertrete;
 
Bald ist’s im Herzen kirchenstill,
Bald schäumt’s wie Saft der Reben,
Ich weiß nicht, was ich soll und will; –
Es ist ein kläglich Leben!
 
Dich ruf’ ich, der das Kleinste Du,
In Deinen Schutz genommen,
Gönn meinem Herzen Halt und Ruh,
Gott, lass mich nicht verkommen;
 
Leih mir die Kraft, die mir gebricht,
Nimm weg, was mich verwirret,
Sonst lösch es aus dies Flackerlicht,
Das über Sümpfe irret!
 

erschienen in:

Brennpunkt Seelsorge, 2/2010, Männer-Welten. Identität und Reifen im Leben des Mannes, S. 64
 

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