Nichts Besonderes
Die gewaltige Botschaft von Nazareth
von Sr. Joela, Ev. Marienschwesternschaft Darmstadt
In der Heiligen Schrift erfahren wir von Jesu Geburt, seiner Flucht nach Ägypten, und dann hört es erst mal auf. Über gut 10 Jahre im Leben Jesu erfahren wir nichts. Endlich ein Ereignis: Jesu Tempelbesuch in Jerusalem als Zwölfjähriger! In einem einzigen Satz leuchtet plötzlich seine Identität als Gottessohn auf: ,,Muss ich nicht sein in dem, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49). Doch das war auch schon alles. Zurück nach Nazareth, zurück zu den Eltern. „Er war seinen Eltern untertan“, so heißt es - weitere 18 Jahre lang. Das rangiert auf unserer Werteskala an letzter Stelle und hat nichts Spektakuläres an sich. Wo bleiben hier Kreativität, Selbstverwirklichung und Lebenserfüllung? Doch in diesem scheinbar großen Mangel liegt eine Botschaft.
Die gewaltige Botschaft von Nazareth lautet: Nichts Besonderes! Wir jagen vielleicht von einem Event zum anderen, verschaffen uns Abwechslung von morgens bis abends. Hier geht es um das Umgekehrte. Der Sohn des lebendigen Gottes, durch den alles geschaffen ist, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, König aller Könige, der wiederkommen wird in Macht und Herrlichkeit - lebt 27 Jahre verborgen in Nazareth. Keine Zeichen, keine Wunder, keine Heilungen - nichts Besonderes.
Ein einfacher Zimmermannssohn in einer verrufenen Kleinstadt, in ärmlichen Verhältnissen, in täglichen Wiederholungsarbeiten, nichts Besonderes. Welch tröstliche Botschaft für unser tägliches Einerlei, welch gute Botschaft für alle nicht Besonderen im Lande! Eine wunderbare Botschaft für Hausfrauen: Kochen, Waschen, Putzen, Bügeln - Kochen, Waschen, Bügeln, Putzen - täglich nichts Besonderes!
Großes, sehr Großes geschieht in Nazareth.
Die Vollmacht des Gottessohnes wächst im Verborgenen, in der Treue im Kleinen, im Einerlei des Alltags, ohne Spotlight - ungesehen - unerkannt - unverstanden. Welch ein Skandal in unserer erlebnissüchtigen Welt! Gottes Himmelreichsgesetze stellen allemal unsere Werteskala auf den Kopf. Welche Größe liegt in der Niedrigkeit, welche gewaltige Kraft wächst in der Verborgenheit! In völliger Abhängigkeit vom Vater wartet Jesus auf „seine Stunde“. Dann erst tritt Er an die Öffentlichkeit mit einem ersten Wunderzeichen bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2).
„Jesus von Nazareth“ heißt es auf der Kreuzinschrift. Nazareth darf nicht übersehen und nicht vergessen werden. Nazareth gehört zum Erlösungsopfer des Gottessohnes.
Ich liebe meinen Jesus von Nazareth, ich danke meinem Jesus von Nazareth - wie sehr hat Er mir mit seinem Weg geholfen. Er wartet immer neu auf mich und ruft uns allen zu: „Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“ (Joh 12,26). Er hat kostbare Geschenke für uns bereit - verborgene Kleinodien im dunklen Acker von Nazareth.
erschienen in:
Brennpunkt Seelsorge, 1/2008, In der Heilung bleiben - der Weg der Heiligung, S. 8-9
Weitere Artikel im Heft
- Editorial zu In der Heilung bleiben - Der Weg der Heiligung
-
Hauptsache gesund oder Hauptsache heil? Was sagt uns die Bibel über Gesundheit und Krankheit.
Anja Martschewski
-
Krebs mit 35. Ich fand einen gnädigen Gott
Friederike Klenk
-
Gottes Schöpfung ist gut. Grundlegende Wahrheiten über Heilung
Gwen und Sandy Purdie
-
In der Heilung bleiben - der Weg der Heiligung
Maria Kaissling
-
Das Weltbild der Bibel - und wir Menschen von heute
Wolfgang J. Bittner
-
Es lohnt sich doch zu leben. Zwischen Tod und Leben Gott begegnen
Rudi Böhm (Interview)
-
Komm heraus aus allem Trug
Detlev Block



