Die Annahme seiner Selbst
von Romano Guardini
Ich soll sein wollen, der ich bin;
wirklich ich sein wollen, und nur ich.
Ich soll mich in mein Selbst stellen, wie es ist,
und die Aufgabe übernehmen,
die mir dadurch in der Welt zugewiesen ist.
Die Grundform all dessen, was „Beruf” heißt;
denn von hierher trete ich an die Dinge heran,
und hier hinein nehme ich die Dinge auf.
Auch vor dem Bösen
in mir darf ich nicht weglaufen:
Vor schlimmen Anlagen,
verdichteten Gewohnheiten,
aufgehäufter Schuld.
Ich muss sie annehmen und zu ihnen stehen:
so bin ich... das habe ich getan...
Nicht im Trotz;
der ist nicht Annahme, sondern Verhärtung.
Aber in Wahrheit,
weil nur sie über das Böse hinausführt:
ich bin so; aber ich will anders werden.
Alle Autorenrechte liegen bei der Katholischen Akademie in Bayern
Romano Guardini, Die Annahme seiner selbst, 8. Taschenbuchauflage 2005, S. 15 f.
Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz
erschienen in
Brennpunkt Seelsorge, 1/2007, Adam, wo bist du? Von Männern und ihrem väterlichen Gott, S. 13
weitere Artikel im Heft:
-
Editorial zu "Adam, wo bist du?"
Rudi Böhm
-
Adam, wo bist du?
Rudi Böhm
-
Die Freiheit zu sein, der ich bin
Ralph Pechmann
-
Bitte
Hilde Domin
-
Buchbesprechung: Fritz Hähle, Neue Wege wagen
Jörg Janköster
-
Buchbesprechung: Gerhardt/May/Patschorke, Befiehl du deine Wege
Dorit und Jürgen Hahnemann
-
Gib mir ein Wort des Lebens
Ralph Pechmann
-
Lieber Vater im Himmel!
Johann Christoph Blumhardt d. Ä.



