Die Annahme seiner Selbst

von Romano Guardini
 

Ich soll sein wollen, der ich bin;
wirklich ich sein wollen, und nur ich.
Ich soll mich in mein Selbst stellen, wie es ist,
und die Aufgabe übernehmen,
die mir dadurch in der Welt zugewiesen ist.
Die Grundform all dessen, was „Beruf” heißt;
denn von hierher trete ich an die Dinge heran,
und hier hinein nehme ich die Dinge auf.
 
Auch vor dem Bösen
in mir darf ich nicht weglaufen:
 
Vor schlimmen Anlagen,
verdichteten Gewohnheiten,
aufgehäufter Schuld.
Ich muss sie annehmen und zu ihnen stehen:
so bin ich... das habe ich getan...
 
    Nicht im Trotz;
    der ist nicht Annahme, sondern Verhärtung.
    Aber in Wahrheit,
    weil nur sie über das Böse hinausführt:
    ich bin so; aber ich will anders werden.

 

Alle Autorenrechte liegen bei der Katholischen Akademie in Bayern

Romano Guardini, Die Annahme seiner selbst, 8. Taschenbuchauflage 2005, S. 15 f.

Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz

erschienen in

Brennpunkt Seelsorge, 1/2007, Adam, wo bist du? Von Männern und ihrem väterlichen Gott, S. 13
 

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