Ein Zweig der Familie Gottes
Gemeindebau unter den Roma in Sarajevo
Gerson Witzlau (OJC 1996/97) lernte in seiner OJC-Zeit "Hilfe konkret e.V." kennen und war ein Jahr lang mit Johannes Neudeck im Auftrag der Offensive auf dem Balkan im Einsatz. Seit November 2007 lebt er mit seiner Frau Heike und Sohn David in Sarajevo/Bosnien. Sie lernen Bosnisch und arbeiten in einem Gemeindegründungsprojekt unter der Roma-Minderheit.
Wir, Heike und Gerson Witzlau mit unserem Sohn David, leben seit November 2007 in Sarajevo, der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas. Dort arbeiten wir in einem missionarischen Team, das vom deutschen Ehepaar Reinhold und Astrid Harms geleitet wird. Gemeinsam möchten wir unter den in Sarajevo lebenden Roma die Liebe Jesu bezeugen, sie in die Freiheit der Gotteskindschaft begleiten und sie ermutigen, ihren Platz in seiner großen Familie einzunehmen. Die frohe und befreiende Botschaft vom Reich Gottes, davon sind wir überzeugt, gilt den bosnischen Roma in besonderer Weise.
Demütigung und Elend in der Geschichte
Die Roma sind als Minderheit in ganz Europa vertreten, insbesondere im Südosten und auf dem Balkan. In und um Sarajevo leben viele Tausend als mehr oder weniger sesshafte Volksgruppe, meist in Kolonien an den Rändern der Stadt. Ihre Lebensweise unterscheidet sich stark von der Kultur der sie umgebenden Gesellschaft und sie sind immer wieder massiver Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt. Ihre spärlichen Einkünfte bestreiten sie vorwiegend aus dem Handel mit Schrott und nehmen, um über die Runden zu kommen, Sozialleistungen und humanitäre Hilfe in Anspruch. Doch der Armut entkommen sie damit nicht. Zu der finanziellen Not kommt die soziale Perspektivelosigkeit: Viele geben das wenige, was sie erwirtschaften können, dann für Alkohol, Drogen oder Glücksspiele aus - eine Spirale der Hoffnungslosigkeit und des Misstrauens.
Freundschaft und Solidarität im Alltag
Für unser Team war es daher wichtig, die Kultur und den Lebensstil der Roma kennenzulernen und tragende Beziehungen zu den Familien vor Ort aufzubauen. Wir konnten ihnen Gegenüber sein, sie praktisch unterstützen (zum Beispiel durch Lebensmittel, Kleidung, Unterricht, medizinische Betreuung oder Baumaßnahmen), ihren Kindern Freizeitprogramme anbieten, sie aber auch geistlich begleiten. Immer öfter ergeben sich Gelegenheiten zum gemeinsamen Beten in den Roma-Familien.
Identität und Verwurzelung in der Tradition
Inzwischen sind unter jenen, die sich bewusst für ein Leben im Glauben entschieden haben, Hauskreise und Gebetsgruppen entstanden. Für einzelne Romachristen gab es bislang nur das Angebot, sich den bestehenden evangelikalen Gemeinden der bosnischen Bevölkerung vor Ort anzuschließen. Inzwischen hat ein eigenständiger Prozess der Gemeindegründung unter den Gläubigen Roma begonnen, den wir unterstützen. Es ist nämlich entscheidend für ihr Verwurzeln und Reifen im Glauben, dass sie ihre ganz eigene und den Herausforderungen ihres Lebens entsprechende Gemeindekultur entwickeln.
Wachstum und Reife im Glauben
Derzeit sind wir, Heike und Gerson, damit beschäftigt, die Lebens- und Denkweise unserer Nachbarn verstehen zu lernen, unsere bosnischen Sprachkenntnisse zu vertiefen, Freundschaften zu knüpfen und das Leben mit den Roma zu teilen. Zwei Dinge liegen uns dabei besonders am Herzen: Wir wünschen uns zum einen, dass die Roma den Mut und Wege finden, Gott in ihrer eigenen Herzenssprache anzubeten: mit ihren Liedern, mit ihren Worten. Dann werden sie vor ihren eigenen Brüdern und Schwestern glaubwürdig Zeugnis von ihrem Glauben ablegen und in Gemeinde und Gesellschaft Verantwortung übernehmen können.
Freude und Vollmacht im Dienst
Zum anderen möchten wir zusammen mit ihnen darum ringen und beten, dass die Fesseln der Vergangenheit aus Scham und Resignation, aus erlittenem Unrecht und schuldhaften Verstrickungen gelöst werden, damit der in vielen aufkeimende Glaube nicht erstickt wird. Dann werden sie fähig, einander den Weg in die Freiheit zu weisen, einander zu stärken und zu ermutigen und die Botschaft des Auferstanden darüber hinaus auch zu den Bosniern zu tragen, so wie sie es selbst auf dem Herzen haben.
- Wer die Rundbriefe von Heike und Gerson regelmäßig lesen will, schreibe bitte eine E-Mail an: hgwitzlau(a)arcor.de
- Heike und Gerson sind ausgesandt von der Globe europe Missionsgesellschaft e.V. und arbeiten im Team vom RomaMinistry in Sarajevo.
Familie Witzlaus Kontaktdaten
Familie Witzlau
Ul. Jususfa Juke Gojaka 15a
71000 Sarajevo
Tel. 00387-33-674406




