Mit Franziskus unterwegs zur Krippe
Eine Weihnachtsgeschichte als Krippenspiel mit 12 Personen
von Andreas Geister
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(Im Hintergrund leise Musik)
Erzähler: In fast allen Häusern steht in der Weihnachtszeit eine Krippe: mit Ochs und Esel, Hirten und Schafen, mit Maria und Josef und dem Jesuskind, das in der Krippe liegt. Wisst ihr eigentlich, wer zum ersten Mal eine Weihnachtskrippe aufgestellt hat?
Vor vielen, vielen Jahren lebte in Assisi, das ist in Italien, ein Jüngling namens Franz. Weil sein Vater sehr reich war, konnte er sich als junger Mann alles kaufen, was er wollte. Aber dann hörte er von Jesus. Wie einfach er gelebt hat. Wie er alles geteilt hat. Und wie er so viele Menschen glücklich gemacht hat. So hat der junge Franz sich entschieden, Jesus nachzufolgen, wie dieser ganz, ganz einfach zu leben und alles, was er hat, mit anderen zu teilen. Sein Lieblingssatz war das Wort von Jesus: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht im Dunkeln wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben."
Einmal, vor Weihnachten, nahm Franz eine alte Futterkrippe und trug sie hinaus in den Wald. Und weil er kein Jesuskind hatte, stellte er eine Kerze in die Krippe und zündete sie an.
Franz: Jesus, du bist das Licht der Welt, alles was dunkel ist, wird durch dich hell.
Erzähler: Und dann hat er gesungen und Gott gedankt, dass er uns in Jesus so reich beschenkt hat.
(Musik)
Erzähler: Jeden Abend, wenn es dunkel geworden war, ging Franz hinaus in den Wald. Er zündete die Kerze in der Krippe an und erzählte alles, was er auf dem Herzen hatte.
Am Heiligen Abend war er wieder unterwegs in den Wald, da sah er plötzlich einen Schatten auf dem Feld, der sich schnell hin- und her bewegte.
Franz: Hallo, wer bist du?
Hase: Ich bin ein kleiner Has.
Und renn durch's grüne Gras.
Denk nicht, dass du mich fangen kannst.
Ich hab vor allem Angst.
Erzähler: Und dann erzählte der Hase, was ihm alles auf dieser Welt Angst macht: Die Räuber und Diebe. Die vielen Unfälle. Die Bombenanschläge und Flugzeugentführungen. Und überhaupt die Menschen, die immer Krieg miteinander führen.
(Der Hase zeigt pantomimisch, was der Erzähler berichtet.)
Hase: Verstehst du, dass ich ein Angsthase geworden bin?
Franz: Komm! Komm mit zum Kind in der Krippe. Und erzähle ihm von deiner Angst. Er trägt sie mit.
(Musik)
(Sie gehen ein Stück weiter, plötzlich bellt ein Hund...)
Hund: Wau...wau...wau...
Ich bin ein alter Hund,
den keiner will - zur Stund.
Wurd' ausgesetzt, bin ganz allein,
keiner will mehr bei mir sein.
Franz: Hallo, alter Hund, was machst denn du hier, so spät in der Nacht?
Hund: Ich suche was zu fressen.
Erzähler: Der Hund hat am Kleid von Franz geschnüffelt. Und dann erzählte er, dass seine Leute in die Ferien gefahren sind und ihn einfach ausgesetzt haben - und nun sei er ganz allein und hungrig. Ein einsamer alter Hund.
Franz: Komm! Komm mit zur Krippe. Und erzähle ihm, wie allein du dich fühlst. Das Kind in der Krippe hat immer Zeit für Dich.
(Musik)
(Sie gehen alle weiter. Plötzlich kommt eine Wildsau aus dem Unterholz.
Wildsau:
Bin eine Sau,
bin nicht so schlau,
mach gern Radau
und stinken tu ich au'!
Ezähler: "Grunz... grunz..." machte die Wildsau. Was soviel heisst wie "Guten Abend miteinander".
Franz: (freundlich) Guten Abend!
(Franz streichelt der Wildsau über ihr rauhes Fell.)
Franz: Was machst du so allein in der Heiligen Nacht?
Wildsau (traurig): Niemand will mit mir zusammen feiern. Alle sagen, ich würde stinken.
Erzähler: Und dann erzählte die Wildsau von den bösen Worten, die man über sie sagte. Und die Vorurteile der Leute gegen Schweine. Und dass man sie einfach nicht akzeptiert, so wie sie eben ist.
Franz: Komm mit! Wir gehen zum Kind in der Krippe. Bei ihm wird jeder angenommen, wie er ist.
(Musik)
(Plötzlich raschelte es im Laub. Alle schauen nach unten und sehen eine kleine Maus.)
Maus:
Ich bin eine Maus,
hab ein ganz kleines Haus,
und viele hungrige Kinderlein,
muss rennen tagaus und tagein.
Franz: Hallo, kleine Maus! Was machst du denn in der Heiligen Nacht?
Maus (erschöpft): Ich muss arbeiten! Tag und Nacht arbeiten. Auch sonntags. Schliesslich habe ich eine Familie zu versorgen. Und die Zeiten sind schlecht.
Franz (tröstend): Du arme Maus. Komm mit zur Krippe. Dort kannst du dich einmal ausruhen und mit uns feiern.
(Musik)
Katze: Miau... miau... miau...
(Alle schauen sich um, um die Katze zu entdecken.)
Katze:
Ich bin eine Katz.
Pass auf, ich kratz.
Hab keine Lust,
schieb großen Frust.
Erzähler: Ach, hat die Katze geklagt. Und hat dem Franz alles erzählt: Vom Heiligen Abend in der warmen Stube. Und alle haben viel gegessen und getrunken. Geschenke gab es schon lange keine mehr. Man hatte ja alles. Und dann wurde der Fernseher angestellt. Und alle saßen davor und keiner redete mit den andern, bis die Hausfrau sagte: So, es ist Zeit zum ins Bett gehen.
Katze (seufzend): "Was ist das für ein langweiliges Fest? Wer weiss denn noch, warum wir eigentlich Weihnachten feiern?"
(Franz lacht.)
Franz (fröhlich): Komm mit uns zur Krippe. Dort siehst du, worum es an Weihnachten eigentlich geht.
(Musik)
(Alle laufen fröhlich miteinander weiter, lachen und reden miteinander. Plötzlich sehen sie einen Schmetterling.)
Schmetterling:
Ich bin ein Schmetterling.
Und hab nur eins im Sinn
und das ist wahr:
ich bin in Gefahr.
Erzähler: Und dann erzählte der Schmetterling den anderen Tieren, dass ihm die Kälte zu schaffen macht, und der Nebel aufs Gemüt schlägt und dass er nicht weiss, wie er den Winter überstehen kann.
Franz: Komm mit uns zur Krippe. Dort treffen sich viele und das hält warm.
(Musik)
Esel: Ia... ia... ia...
(Alle lächeln, wohl wissend, wer jetzt erscheint.)
Esel:
Ich bin ein Esel und darum
meinen alle, ich sei dumm.
Doch lasst euch von mir sagen:
ich tu' viele Lasten tragen.
Esel: Ach, die Undankbarkeit. Man kann sich abplagen wie man will, keiner dankt es einem. Im Gegenteil, sie schlagen einem noch ins Kreuz.
Erzähler: Und dann erzählte er, wie gutmütig und hilfsbereit er immer sei, und dass die wenigsten das merken und ihm auch nicht danken würden, sondern ihn für dumm hielten. Und für unwichtig. Aber so sei es eben auf dieser Welt.
Franz (ermutigend): Komm mit uns zum Kind in der Krippe. Jesus weiss, was du trägst und wie wichtig dein Beitrag ist.
(Musik)
(Plötzlich hört man ein Geflatter. Alle schauen nach oben und sehen eine Taube mit einem grünen Zweig im Mund.)
Taube:
Ich demonstriere für den Frieden.
Alle sollten sich doch lieben!
Ihr Mächtigen und Größen,
warum könnt ihr nichts lösen
Taube (seufzend): Ich glaube, ich gebe es auf, mich für den Frieden einzusetzen. Es bringt ja doch nichts.
Erzähler: Und dann erzählte sie von den Friedensfahnen, die sie genäht hatte, den Demonstrationen, bei denen sie dabei war, und von ihrer Hoffnung, dass sich etwas ändern würde auf der Welt. Und wie enttäuscht sie sei und manchmal am liebsten alles hinschmeißen möchte.
Franz (einladend): Komm mit zur Krippe! Durch Jesus bekommt unsere Hoffnung neue Kraft. Gott hat ihm alle Macht gegeben im Himmel und auch auf Erden.
(Musik)
Schaf: Bäh... Bäh... Bäh...
Schaf:
Ich bin ein Schaf, das kann man sehn.
Ich könnt euch sooo viel Wolle geb'n.
Doch keiner will davon.
Für mich gibt's keinen Lohn!
Erzähler: Und dann hat das kleine Schaf allen von ihrem Kummer erzählt. Dass es so schöne warme Wolle hätte, die aber keiner haben wolle. Sie sei zu teuer. Und überhaupt: Billige Pullover und Socken bekäme man aus Kunstfasern. Die könne man auch besser waschen.
Schaf (traurig): Warum hat Gott mich so gemacht? Wenn keiner mich brauchen kann. Das Leben muss doch einen Sinn haben.
Franz: Komm mit zur Krippe! Durch Jesus erfahren wir, dass unser Leben Sinn macht und dass es uns braucht in dieser Welt.
(Musik)
(Plötzlich springt ein Reh über den Weg und bleibt stehen.)
Reh:
Ich bin ein Reh,
und was ich seh
tut mich sehr stören - könnt Ihr mich hören?
Franz: Hallo flinkes Reh! Warum schaust du so bekümmert? Es ist doch Heilige Nacht.
Erzähler: Und dann erzählte das Reh wie der Frieden im Wald immer mehr gestört würde, durch Autobahnen, durch geteerte Wege, durch vielen, die einfach ihren Abfall liegenlassen. Früher sei es viel friedlicher gewesen. Aber heutzutage nähme keiner mehr Rücksicht - jeder denke nur an sich selber.
Franz: Komm mit zur Krippe! Bei Jesus lernen wir, achtsam miteinander umzugehen.
(Musik)
Erzähler: Und so sind alle fröhlich mitgegangen. Bis sie an der Krippe standen. Und einer nach dem anderen ist vorgetreten und hat dem Kind in der Krippe seine Last gebracht. Und jeder, der das Kind angesehen hat, dessen Gesicht wurde ganz hell.
(Jedes Tier beugt sich über die Krippe aus der ein Licht scheint und das Angesicht des Tieres hell macht.)
Hase: Danke, Jesus, du verstehst uns, wenn wir Angst haben.
Hund: Danke, Jesus, du vergisst keinen.
Wildsau: Danke, Jesus, du hast uns gern, gerade so wie wir sind.
Maus: Danke, Jesus, bei dir finde ich Ruhe und Erholung.
Katze: Danke, Jesus, dass du zu uns gekommen bist. Darum feiern wir Weihnachten.
Esel: Danke, Jesus, du weißt, was ich leiste und wie viel ich trage.
Schmetterling: Danke, Jesus, unser Leben ist geschützt in deiner Hand.
Taube: Danke, Jesus, du gibst mir neue Hoffnung und neue Kraft.
Schaf: Danke, Jesus, du hast für mich eine sinnvolle Aufgabe.
Reh: Danke, Jesus, du lehrst uns, achtsam miteinander umzugehen.
Erzähler: Und alle Gesichter strahlten vor Freude. Und die Freude kam von ganz innen.
Und dann haben sie miteinander gesungen:
Dies ist die Nacht, da mir erschienen
des grossen Gottes Freundlichkeit.
Das Kind, dem alle Engel dienen,
bringt Licht in meine Dunkelheit.
Und dieses Welt- und Himmelslicht
weicht hunderttausend Sonnen nicht.
Du Jesus, schöne Weihnachtssonne
bestrahle mich mit deiner Gunst;
dein Licht sei meine Weihnachtswonne
und lehre mich die Weihnachtskunst,
wie ich im Lichte wandeln soll
und sei des Weihnachtsglanzes voll.
(EKG Nr. 40)
Das Krippenspiel hat sich auch als Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen bewährt.
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