Johann Hinrich Claussen:

Gottes Häuser oder Die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen

Dies ist ein Buch über Beziehungen. Es dreht sich um das Beziehungsdreieck Mensch – Himmel – Kirchenbau. Dabei ist es nicht in erster Linie ein Reiseführer, mit dem man ab-haken kann, was man gesehen hat, sondern es werden Geschichten erzählt, die helfen, den Sinn eines Bauwerks zu verstehen. Dem Autor ist daran gelegen, dass man „Kirchen nicht bloß als Museen pflegt, sondern als Räume des Betens und Feierns lebendig erhält“ und dazu ist es hilfreich zu verstehen, wie und unter welchen Umständen eine Kirche entstanden ist. Claussen liefert die Anleitung dazu, denn „Kirchen geben dem christlichen Glauben eine Gestalt, die seinem Wesen entspricht und zugleich künstlerisch überzeugt“.
Ich habe viel gelernt aus diesem Buch. Mir war der grundlegende Unterschied zwischen evangelischen und katholischen Kirchen, von Weihwasserbecken und Marienstatuen mal abgesehen, nicht klar. Im Mittelpunkt einer katholischen Messe steht die Eucharistiefeier und deshalb ist „der Altar der zentrale Einrichtungsgegenstand“. Für den evangelischen Glauben mit seinem Schwerpunkt auf dem Wort, steht die Predigt im Mittelpunkt, deshalb ist der Raum für die Gemeinde, die Platzierung der Kanzel, die von möglichst allen gesehen und die Predigt gehört werden soll, zentral. 
In neun Kapiteln wird jeweils eine Epoche und eine Richtung des Kirchenbaus vorgestellt, indem es die Geschichte einer besonderen Beispielkirche erzählt. Das reicht von den Anfängen der Hauskirchen über die Hagia Sophia, den Dom zu Speyer bis zu der Kathedrale von Brasilia.
Mir gefällt, wie der Autor die jeweiligen Bauten in ihrer Zeit erfasst und erklärt, was die Absicht war, was die Gemeinden gebraucht haben, was bautechnisch möglich war und was davon heute übrig ist. Und er lässt auch die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Kirchenbaus nicht aus. Claussen ist nicht unkritisch gegenüber bestimmten Entwicklungen, gleichzeitig bleibt er immer positiv in seiner Bewertung. Er zeigt, wie alle Verschiebungen und Veränderungen in den Gesellschaften sich im Kirchenbau widerspiegeln. Man bekommt also nicht nur eine kleine Geschichte des Kirchenbaus, sondern eine Anleitung, Kirche zu verstehen.
Besprochen von Birte Undeutsch
„Gottes Häuser oder Die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen“ - erschienen 2011 bei C.H. Beck; 24,95 €

Die Rezension ist erschienen in „Warum müssen wir leiden“ - Brennpunkt Seelsorge 2/2011

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