Heinz und Ann Zindel: P.S. Ich lebe gern

Zindel: P.S.: Ich lebe gern

Was lebendig ist, verändert sich. Doch kaum eine Generation hat so viele Veränderungen verarbeiten müssen, wie die Kinder des zweiten Weltkrieges. Das Unfassbare musste ertragen, veränderte Grenzziehungen neu eingeprägt, jüdische Nachbarn ausgeliefert oder beherbergt werden – je nach dem, auf welche Seite der Geschichte man geworfen wurde.
Die Umbrüche dieser Jahre waren gewaltig und ihre Folgen sind bis heute prägend und spürbar: mit einer Innen- und mit einer Außenseite.

Heinz Zindel ist ein Kind dieser Umbruchjahre. Als Schweizer Junge stand er nicht im Zentrum der politischen Auseinandersetzungen. Aber er war nah genug dran. Nah genug, um ihre kulturprägenden Eigenheiten einzufangen. Nah genug, um die Generationsdynamik des schwindenden Patriarchats zu erspüren. Nah genug, um das Ringen verunsicherter Menschen um Heimat, Freundschaft und Richtung zu erleben.

Die besondere Stärke des Buches ist die reflektierte Praxis, die nicht mit der Analyse von Vorgängen abschließt, sondern stets den Himmel mit ins Bild zieht. Dieser Horizont bringt Licht und Sauerstoff in die Geschichten. Und er gibt dem ganzen Richtung: himmelwärts. Das ist der atmosphärische Unterton, der in immer neuen Variationen angeschlagen oder auch nur angezupft wird. Himmelwärts – das ist die Sehnsuchtslinie, die der Schweizer Heinz Zindel ausspannt und die durch seine amerikanische Frau Ann mit eigenen Eindrücken verstärkt wird.

Dominik Klenk

P.S. Ich las es gerne

Heinz und Ann Zindel, P.S. Ich lebe gern. Wie das Leben gelingen und Hoffnung gelernt werden kann. Brunnen Verlag, Basel 2012, 12,99 €

Die Rezension ist zuerst erschienen in Brennpunkt Seelsorge 1/2012 "...und erlöse uns von dem Bösen"

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