Soziale Gerechtigkeit – weltweit und bei uns

8. Mai 2012 // Jahrestreffen der Micha-Initiative 2012

Vom 20. bis 22 April 2012 fand das Vernetzungstreffen der Micha-Initiative Deutschland im Reichelsheimer Europäischen Jugendzentrum statt.

Am Wochenende im April trafen sich in Reichelsheim 70 Aktivisten des deutschen Zweiges der Micha-Initiative, einer weltweiten Kampagne, die Christen zum Engagement gegen extreme Armut und für globale Gerechtigkeit bewegt. Sie will zur Umsetzung der Millenniumsziele der Vereinten Nationen beitragen: Bis 2015 soll weltweit Armut halbiert werden. Gastgeber für die Veranstaltung war die ökumenische Kommunität Offensive Junger Christen – OJC e.V., die selbst Gründungsmitglied der deutschen Sektion ist.

Der Schwerpunkt des diesjährigen Vernetzungstreffens lag auf der Frage, welche konkreten Schritte Bürger in deutschen Städten und Gemeinden unternehmen können, um eine gerechte Verteilung von Ressourcen in der Welt zu fördern. Die in einzelnen Städten aktiven Micha-Gruppen planen Aufklärungsarbeit und kreative Kampagnen, um für diese Problematik zu sensibilisieren und ein Umdenken in unserem Konsumverhalten mit voranzubringen. Die Micha-Initiative orientiert sich bewusst an jenen Maßstäben sozialer Gerechtigkeit, die im jüdischen und christlichen Glauben verwurzelt sind. Der Prophet Micha, Namensgeber der Bewegung, zählt zu den großen Sozialreformern des Alten Testaments.

Reverend Joel Edwards, Vorsitzender von Micah-Challenge International betonte die Dringlichkeit eines Umdenkens gerade unter Christen und erörterte die ethischen Rahmenbedingungen einer gerechten globalen Wirtschafts- und Finanzordnung. Zum gleichen Thema konnten sich die Anwesenden, die zu unterschiedlichen Kirchen gehören, in einer Podiumsdiskussion austauschen.

Einen ganz anderen Aspekt des „Evangeliums für die Armen“ beleuchtete die argentinische Theologin und Diplomökonomin Elisa Padilla, die sich in dem von ihr geleiteten Studienzentrum Kairos in Buenos Aires für eine ganzheitliche, der sozialen Gerechtigkeit verpflichtete Vermittlung christlicher Werte in ganz Lateinamerika einsetzt. Kairos ist seit vielen Jahren Projektpartner der OJC, die durch Spenden und Baueinsätze vor Ort die Arbeit des Studienzentrums unterstützt.

Frank Paul (OJC), der selbst mit seiner Familie 13 Jahre im argentinischen Chaco verbrachte und sich für die Belange des indigenen Volkes der Toba Qom Indianer einsetzt, führte als Gastgeber mit durch das Programm. „Ein besonderer Ertrag dieser Tage sind die kreativen Impulse für konkrete Aktionen im Zugehen auf die UNO-Millenniumsziele: Infostände, Werbeaktionen für gerechte Lebensmittel und faire Geldanlage, das Gewinnen von zivilen Einrichtungen für ein bewussteres Verbraucherverhalten und auch die Sensibilisierung für Armut in Deutschland“, zog Frank Paul Bilanz.

Eine kleine aber konkrete Konsequenz, die die OJC gezogen hat, ist der Entschluss, in ihrem Café auf Schloss Reichenberg ab sofort nur noch fair gehandelten Kaffee anzubieten. „Obwohl oder gerade weil wirtschaftliche Ungerechtigkeit globale Dimensionen hat, kommt es auf jeden Einzelnen an. Wir Christen mobilisieren nicht für den Umsturz des Systems, sondern wollen – nach den Maßgaben der Bergpredigt – eine kreative und attraktive Kontrastgesellschaft sein.“

Das Team der Micha-Initiative Deutschland mit den Referenten Joel Edwards (1. v. R) aus London und Elisa Padilla (4. v. R) aus Buenos Aires

Stichworte: Tagung Kairos