Tag der Offensive 2012

22. Mai 2012 // 2 auf 1 Streich – Einsegnung des neuen Priors der OJC am Himmelfahrtstag

Zwei Leiter auf einer Leiter

Alle hielten den Atem an, als die beiden Männer die freistehende Leiter in der Reichenberghalle von zwei Seiten bestiegen. Sie wurde lediglich an vier Seilen vom Publikum selbst gehalten, während Dominik Klenk, der scheidende Leiter der Offensive Junger Christen, und Konstantin Mascher, der neu gewählte, auf der obersten Sprosse aneinander vorbei jeweils auf die andere Seite wechselten. „Leiterwechsel live“ war das, der akrobatische Höhepunkt der festlichen Feier der in Reichelsheim ansässigen ökumenischen Kommunität Offensive Junger Christen. Wie in jedem Jahr feierte sie zusammen mit ca. 600 Gästen an Himmelfahrt ihren „Tag der Offensive“.

 

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Quer zum Mainstream

Nach 10 Jahren übergab Klenk das Amt des Priors und den Vorsitz des Vereins an Mascher. Er selbst wird Geschäftsführer des Baseler Brunnen-Verlags. Mascher, der als 36-jähriger das jüngste Mitglied der Kommunität ist, war als Sohn von Hermannsburger Missionaren in Südafrika aufgewachsen. Nach dem Abitur arbeitete er einige Monate als Freiwilliger in der Reichelsheimer OJC. Später studierte er in Dresden Soziologie und zog nach dem Abschluss mit seiner Frau Daniela 2004 in die Gemeinschaft. Ihn habe der apologetische Auftrag der OJC gezogen, der quer zum Mainstream liege, sowie die Möglichkeit, die Maßgaben des Evangeliums im täglichen Miteinander zu gestalten. „Ich bin es gewöhnt, als politisch unkorrekt zu gelten. Zur Zeit der strengsten Apartheid lebte meine Familie mitten unter Schwarzen, ich hatte schwarze Freunde und sprach fließend Setswana. Das ließ sich damals meinen Mitschülern in der Schule für Weiße nur schwer vermitteln. Die Geschichte aber hat meinen Eltern Recht gegeben: Heute wäre das System der Apartheid durch nichts mehr zu rechtfertigen.“ Auch an der Spitze der OJC wolle er sich dafür einsetzen, dass das christliche Menschenbild, das der europäischen Zivilisation zugrunde liegt, in der Gesellschaft nicht an Strahlkraft einbüßt.

Das Diesseits ins Jenseits ziehen

Stefan Lopinsky, Bürgermeister der Gemeinde Reichelsheim, hatte zuvor in seiner Begrüßungsrede auf das kreative Engagement der OJC vor Ort seit 1979 hingewiesen. Die Gemeinschaft habe das Gesicht des Ortes nicht nur durch die baulichen Maßnahmen auf Schloss Reichenberg und im historischen Dorfkern geprägt, sondern vor allem durch ihren Einsatz in der Jugendarbeit und in den internationalen Begegnungen. Er hoffe, dass die freundschaftliche Zusammenarbeit auch unter der Leitung Maschers weitergeführt werde.

 

Am Vormittag wurden im Rahmen eines Festgottesdienstes in der evangelischen Michaelskirche Dr. Dominik Klenk und seiner Frau Christine aus der Leitungsverantwortung entbunden und Konstantin Mascher mit seiner Frau Daniela eingesegnet.

Mechthild Bangert, Gemeindepfarrerin von Reichelsheim, und Dekan Joachim Meyer brachten ihre Freude über das zunehmende harmonische Miteinander von Kommunität und Gemeinde zum Ausdruck und wünschten sowohl dem scheidenden als auch dem neu ins Amt tretenden Leiterehepaar Gottes Geleit. Jürgen Johannesdotter führte als Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Kommunitäten die Segnungshandlungen durch. Später unterstrich er die Bedeutung der Kommunitäten im evangelischen Raum: Die Kirche habe einen spirituellen Auftrag. Sie solle das Jenseits ganz in Diesseits ziehen, das heiße den Glauben gestalten und in engagiertes Handeln umsetzen. In geistlichen Gemeinschaften könne der Glaube in besonderer Weise Realität zum Anfassen werden, weil dort Spiritualität, der gemeinsame Dienst und das geteilte Leben untrennbar miteinander verbunden seien. Dr. Roland Werner, Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbands, betonte in seiner Festpredigt, wie wichtig es gerade für die Kirche sei, ein lebendiges Zeugnis vom guten Willen Gottes für diese Welt zu geben. „Voller Hoffnung auf die Zukunft zugehen“ – das sei das Motto von Himmelfahrt. Und das soll auch das Motto für die OJC sein, wenn sie nun mit dem neuen Leiter an der Spitze ihren Auftrag in Kirche und Gesellschaft wahrnehmen wird.

Abenteuer Freundschaft

Wie dies ganz konkret aussehen kann, davon bekamen die Besucher einen Geschmack auf der Oberen Burg von Schloss Reichenberg. Dort lädt das von der OJC betriebene Erfahrungsfeld dazu ein, sich selbst, die Umwelt und Gott neu wahrzunehmen, in die Stille und Konzentration zu kommen und so neue geistliche Erfahrungen zu machen. Die Erwachsenen pilgerten über die interaktiven Stationen des Parcours „Abenteuer Freundschaft“ auf dem Schlossgelände, im Rittersaal, im Verlies und im Mauergarten. Für Jugendliche gab es ein eigenes Event auf der Burg, die Kinder wurden in drei Altersgruppen betreut und feierten ihren eigenen Kindergottesdienst. So kamen alle auf ihre Kosten.

 

Ein abenteuerlicher Leiterwechsel hoch auf der Leiter, bestens gesichert von einer großen Schar treuer und verlässlicher Freunde von Nah und Fern – etwas Besseres hätte sich die OJC als Auftakt für die nächste Ära gar nicht wünschen können.

Zwei auf einen Streich: Die Leiter am Höhepunkt der Leiter

Stichworte: TdO - Tag der Offensive