2500 Euro für Medizin in der Demokratischen Republik Kongo

18. September 2012 // Offensive Junger Christen empfängt kongolesischen Parlamentarier

Als Albert Baliesima, Parlamentarier in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) Mitte August aus seinem Wahlgebiet im Osten wieder in der Hauptstadt Kinshasa gelandet war, setzte er sich hin und schrieb eine E-Mail in den Odenwald. Darin berichtet er von der katastrophalen humanitären Situation in der ost-kongolesischen Provinz Nord-Kivu. Seit einigen Monaten kämpfen dort die sog. M23-Rebellen gegen kongolesische Regierungstruppen. Über 500.000 Zivilisten sind laut den Vereinten Nationen seitdem auf der Flucht. Etwa zehn Prozent sind in die Nachbarländer Ruanda und Uganda geflohen, aber über 400.000 Menschen bleiben als Binnenflüchtlinge im Kongo. Um ihr Leben vor marodierenden Milizen zu retten, haben sie das wenige, was sie hatten, hinter sich gelassen und sind geflohen.

 

Die E-Mail mit der Schreckensmeldung blieb nicht unbeantwortet. Frank Paul, Koordinator für internationale Projekte in der Offensive Junger Christen, forderte unverzüglich Hilfe: „Kongo trifft – im Gegensatz zu Syrien – kaum auf das Interesse der Weltöffentlichkeit, und das obwohl der Krieg dort mehr Opfer und Vertriebene zu Folge haben“, sagt Paul. Um die Not, von der besonders Frauen und Kinder betroffen sind, ein wenig zu lindern, hat die OJC nun 2500 Euro an Baliesima für den Kauf von Medizin gegen Malaria, Atemwegserkrankungen, Durchfall und Fehlernährung überwiesen.

 

Bis zu seiner Wahl zum Parlamentarier 2011 war Albert Baliesima Gesundheitsbeauftragter der Anglikanischen Kirchenprovinz in DR Kongo. Schon seit Jahren – und auch weiterhin – setzt er sich für die Menschen in Nord-Kivu ein. Seinen Einsatz unterstützt die OJC in ihrer alljährlichen Weihnachtsaktion. So auch das von ihm vor Jahren initiierte Anti-AIDS-Aufklärungsprogramm STAYS (Straight Talk Among Youth in Schools). Es überwindet falsche Tabus in der kongolesischen Gesellschaft und redet Klartext über Sex und Beziehungen. In den Kursen stellen tausende Schülerinnen und Schüler ihre Fragen zu Sexualität und AIDS vor Gleichaltrigen. Diese Kampagne gegen AIDS ist ein großer Erfolg und inzwischen Exportschlager in mehrere afrikanische Länder.

 

Auch in der kommenden Weihnachtsaktion sammelt die OJC Spenden für den Kongo. Insgesamt zwölf durch Milizen zerstörte Gesundheitszentren in Nord-Kivu brauchen neue Dächer und Matratzen, damit die Patienten auch stationär versorgen werden können. Die Wände haben die Bewohner aus der Umgebung bereits in Eigenarbeit aufbaut. Außerdem fehlt es an geschultem Personal. Gerade im Kampf gegen AIDS und andere Infektionen braucht es sachkundige Geburtshelfer und Krankenpfleger, denn noch immer sterben viele Säuglinge und junge Mütter aufgrund mangelnder Nachsorge. Die OJC-Weihnachtsaktion wird darum auch Trainingseinheiten für Ersthelfer, Pfleger und Hebammen in Nord-Kivu mitfinanzieren, ebenso den Erwerb von medizinischer Grundausrüstung.

 

Anfang September ist der Abgeordnete Baliesima selbst nach Reichelsheim gekommen, um den Mitgliedern der OJC-Kommunität von der eskalierenden Gewalt zu berichten. Im Frühjahr sind wieder bewaffnete Auseinandersetzungen an den Grenzen zu Ruanda und Uganda ausgebrochenen. Diese, so Baliesima, haben mit den enormen Rohstoff-Vorkommen auf dem Gebiet der Republik zu tun. Neben Kobalt, Gold und Diamanten enthält der Boden in Nord- und Süd-Kivu riesige Vorkommen von Coltan-Erz, aus dem Tantal gewonnen wird. Dieses Metall verträgt extrem hohe Temperaturen und ist sehr beständig gegen Korrosion. In vielen Industrieprodukten eine unersetzbare Komponente. Jedes Handy und jeder Laptop enthält Tantal. Schätzungsweise 80 Prozent der weltweiten Coltan-Vorkommen sind in Afrika, davon wiederum 80 Prozent in DR Kongo. „Unsere Rohstoffe sind Segen und Fluch zugleich“, sagt Baliesima und fügt hinzu: „Denken Sie an die vielen Notleidenden im Kongo, wenn Sie das nächste Mal Ihr Handy benutzen.“

 

Bereits seit 1996 herrschen kriegsähnliche Zustände im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Experten schätzen, dass in den vergangenen 16 Jahren mehr als fünf Millionen Menschen als direkte Folge der Kriege gestorben sind. Immer noch fallen Milizen aus den Nachbarländern Ruanda und Uganda in den Osten ein, um die reichen Bodenschätze illegal abzubauen und auszuführen. Ein Bericht der Vereinten Nationen wies im Sommer 2012 darauf hin, dass auch die M23-Rebellen im Kongo von Ruanda aus unterstützt werden. Auch kongolesische Rebellengruppen, die im Clinch mit der Zentralregierung in Kinshasa liegen, beuten das Land und seine Bodenschätze aus. Um in dieser aussichtslos scheinenden Notlage ein Zeichen der Hoffnung zu setzen, reist Baliesima mit Unterstützung der OJC von Reichelsheim aus in die Schweiz, um am Treffen von Micah Challenge International teilzunehmen. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich vor allem dafür ein, in Einklang mit den Milleniumszielen der Vereinten Nationen die Armut in der Welt bis 2015 zu halbieren. Baliesima hofft sehr, dass dies auch den Menschen im DR Kongo zugute kommt.

Die Ehepaare Baliesima und Paul bei Baliesimas Deutschlandbesuch.

Stichworte: Kongo Weihnachtsaktion