Predigt zum Ewigkeitssonntag

16. November 2012 // Von Joachim Hammer

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für sein Tun, es sei gut oder böse. 2.Kor 5,10

br />Am Ende des Kirchenjahres sprechen die Bibeltexte von der Wiederkunft Jesu und von der Ewigkeit. Hat das eigentlich mit Freude oder Traurigkeit zu tun? Die erste Christenheit freute sich über die Wiederkunft Christi. Bei uns liegt eher eine traurige Stimmung über Bußtag und Totensonntag. Eigentlich sollten wir Ewigkeitssonntag sagen.

Gustav Heinemann, der Altbundespräsident und Vor-sitzende des CVJM Essen freute sich auf die Wiederkunft Jesu. Kurz nach dem Ende der Hitlerdiktatur sagte er voller Zuversicht und Hoffnung bei einem Kirchentag „Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt.“

Otto Siegfried von Bibra sagt:

Jesus kommt in dreifacher Weise

  • als Bräutigam. Er holt seine Brautgemeinde und feiert ein Hochzeitsfest.

  • als König in Macht und Herrlichkeit Er feiert seine Thronbesteigung mit einem globalen Fest.

  • als Richter. Er hält das Weltgericht. Er richtet die, die nicht mit ihm gelebt haben.

Die Angst vor dem Gericht prägt unsere Stimmung. Dabei vergessen wir das Hochzeitsfest und das Thronbesteigungsfest. Wir haben allen Grund zum Feiern!

Aber wie ist das mit dem Gericht? In Joh 5, 24 lesen wir: „Wer meinem Wort gehorcht und glaubt dem, der mich gesandt, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.“ Widerspricht Paulus mit unserem Wochenspruch dem Johannesevangelium? Ich denke nicht.

Ich möchte Euch eine Stelle aus dem 1. Korintherbrief lesen. In Kapitel 3 schreibt Paulus (V. 10-15):

Weil Gott mich in seiner Gnade dazu befähigt hat, habe ich als ein kluger und umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt; andere bauen jetzt darauf weiter. Aber jeder soll sich sorgfältig überlegen, wie er die Arbeit fortführt. Das Fundament ist bereits gelegt, und niemand kann je ein anderes legen. Dieses Fundament ist Jesus Christus. Wie nun aber jemand darauf weiterbaut – ob mit Gold, Silber, Edelsteinen, Holz, Schilfrohr oder Stroh –, das wird nicht verborgen bleiben; der Tag des Gerichts wird bei jedem ans Licht bringen, welches Material er verwendet hat. Denn im Feuer des Gerichts wird das Werk jedes Einzelnen auf seine Qualität geprüft werden. Wenn das, was jemand auf dem Fundament aufgebaut hat, ´die Feuerprobe` besteht, wird ´Gott` ihn belohnen. Wenn es jedoch verbrennt, wird er seinen Lohn verlieren. Er selbst wird zwar gerettet werden, aber nur wie einer, der im letzten Augenblick aus dem Feuer gerissen wird. (Neue Genfer Übersetzung)

Ganz ähnlich verstehe ich unseren Wochenspruch. Wir müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. Dabei geht es darum, welchen Lohn wir empfangen. Aber es geht nicht um Leben und Tod. Es geht nicht um ewiges Leben. Wer als Christ in Gemeinschaft mit Jesus lebt, und ihn um Vergebung seiner Schuld gebeten hat, der hat ewiges Leben. Er kommt in kein Gericht, das ihn zum Tode verdammen könnte.

Dennoch müssen wir hören, was Paulus mit diesem Wort sagen will. Bonhoeffer weist darauf hin, dass der Wochenspruch eine doppelte Täuschung korrigiert (Brevier, 2.Aufl., München 1963, S.460):

Erstens. „Wir meinen, das Vergangene, das Geschehene versinke in den Abgrund der Vergessenheit. Wir leben in dem Glauben an die Macht des Vergessens.“ Aber die Wahrheit ist: Ewigkeit ist nicht Vergessen, sondern Gedächtnis, ewiges Gedächtnis. Was auch immer in der Zeit geschieht, ist für alle Ewigkeit festgehalten; eingetragen in ein Buch unseres Lebens, gespeichert in einem Computer. Die Zeit löscht nichts. Nur das vergebende Blut Jesu löscht unsere Schuld, wenn wir darum bitten.

Ansonsten gilt, dass Gott nichts vergisst: Nicht unsere Versäumnisse, nicht unsere Versprechen, aber auch nicht unsere gut gemeinten Absichten. Kein freundliches Wort, kein kleiner Liebesdienst – nichts geht verloren. Auch keine Träne über erlittenes Unrecht oder erlittenes Leid.

Und eine zweite Täuschung bestimmt unser Leben. Wir meinen, wir könnten Verborgenes und Offenbares, Geheimes und Öffentliches unterscheiden. Wir führen ein sichtbares Leben. Wir üben uns in ehrlichem Austausch. Dennoch halten wir Gedanken, Empfindungen und Hoffnungen vor anderen verborgen.

Aber vor Gott ist alles durchsichtig wie Licht. Vor ihm können wir uns nicht verstecken. Vor ihm gibt es keine Geheimnisse.

Gott sieht alles. Er behält alles, und er prüft alles, ob es taugt für die Ewigkeit oder ob es der Reinigung und Vergebung bedarf.

Aber es bleibt dabei: Die Botschaft von der Wiederkunft Christi ist die Botschaft davon, dass der Sieg Jesu über alles Böse vor aller Welt sichtbar wird.

Diese Botschaft will uns ebenso wie die ersten Christen mit Zuversicht, Hoffnung und Freude erfüllen.

Wir alle hier sind begnadigte Sünder. Und genau für solche wie wir hat Jesus sein Neues Jerusalem vorbereitet. Er sucht mit uns Gemeinschaft. Dafür ist er gestorben. Auf diese Gemeinschaft freue ich mich.

Und wenn wir jetzt Abendmahl feiern mit ihm an seinem Tisch, dann ist das eine winzige Vorwegnahme, ein Abbild, ein Angeld jener zukünftigen herrlichen Gemeinschaft mit ihm.

Amen.

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