Dringender Handlungsbedarf im Kongo

29. Mai 2013 // Die Gier der Menschen kennt keine Grenzen – auch keine Landesgrenzen. In der ostkongolesischen Provinz Nord-Kivu herrscht weiterhin Ausnahmezustand, die Gewalt durch bewaffnete Freibeutertruppen aus Uganda, Ruanda und von Rebellen im Inland eskaliert.

Personen aus dem öffentlichen Leben wurden entführt oder getötet, Tausende sind obdachlos und von Strom, Trinkwasser und Lebensmittelwaren abgeschnitten. Unser Freund und Projektpartner Albert Kadukima Baliesima bittet um Gebet und Unterstützung. Die OJC stellt für die dringende Flüchtlingshilfe 5000 Euro bereit – in der Hoffnung, dass die Freunde der OJC-Weihnachtsaktion sich spontan an dieser Notfallmaßnahme beteiligen.

 

» Bilder von Alberts aktuellen Einsätzen im Osten der Republik.

» Bericht von Echo Online über die Lage und die Hilfsmaßnahmen.


Die Behörden sind restlos überfordert, das eigene Militär und die Blauhelmtruppen sind bislang nicht in der Lage, die Zivilisten zu schützen. „Einwohner, die trotz ihrer Angst auf die Felder gingen, um Gemüse von ihren Äckern zu ernten, wurden getötet“, schreibt uns Albert Baliesima. „Geschäftleute wurden auf dem Weg in die Hauptstadt entführt, im weiten Umfeld von Kamango belagern mehr als 10 Rebellen-Einheiten die Straßen. Viele Hilfskonvois kehren wieder um, weil die Fahrt zu den Gesundheitsstationen in der Provinz zu riskant ist. Ich selbst bin sehr erschöpft von den mühseligen Fahrten – die Not ist unvorstellbar.“


Seit Jahren engagiert sich Baliesima, vormals Gesundheitsbeauftragter der kongolesisch-anglikanischen Kirchenprovinz Nord-Kivu, nun als Parlamentarier im Ausschuss für humanitäre Hilfe und Entwicklung, für der Ausbau von neuen bzw. die Wiedererrichtung von zerstörten Gesundheitsstationen in der Grenzregion. Zwölf werden gerade im Einzugsgebiet des Krankenhauses von Kamango gebaut. Die Wände errichten die Dorfbewohner jeweils in Eigenarbeit, Dach und Matratzen für stationär versorgte Patienten werden aus Spenden der OJC-Weihnachtsaktion finanziert. 13.000 Euro waren dafür im Dezember 2012 eingegangen. Das Geld fließt auch in Trainingseinheiten für Ersthelfer, Pfleger und Hebammen in der gesamten Region und in den Erwerb der medizinischen Grundausrüstung für die Stationen, sowie in unverzichtbare Impfstoffe und Medikamente.


Diese lebensnotwendige Arbeit kommt selbst unter den erschwerten Bedingungen voran. Mehrere Gesundheitstationen haben ihre Wellblechdächer bereits erhalten und ganze Lastwagenladungen mit Matratzen konnten die Straßen passieren. „Außer Trinkwasser, Lebensmitteln und medizinischer Grundversorgung brauchen die Menschen dringend Gerätschaften, um die anstehende Ernte einzubringen, denn sonst verhungern ihre Kinder. Die marodierenden Truppen haben ihnen die Werkzeuge abgenommen. Wir müssen Macheten und Hacken besorgen.“ Schwerer als die allgemeine Lage wiegt die Notsituation unter den „Inlandsflüchtlingen“, die meist schwerst traumatisiert und häufig verletzt und krank sind. „Sie müssen dringend medizinisch versorgt werden. Danach aber brauchen sie Ermutigung und Schutz. Auch Familien, die Waisenkinder versorgen und selbst bettelarm sind, brauchen Unterstützung, damit die Kinder in würdevollen Verhältnissen aufwachsen können. Sonst wird die Gewaltspirale kein Ende haben.“

Albert vertraut auf die nachhaltige Wirkung von Aufklärung und Schulung. Einen großen Erfolg verbuchte seine Anti-AIDS-Aufklärungskampagne im Kongo mit umfangreichen Programmangeboten für Erwachsene und Teenager. Als ebenso wichtig betrachtet er die Weiterbildung von Pastoren, Pflegern, Lehrern und Lehrerinnen, um den Opfern von sexueller Gewalt wieder in ein würdevolles Leben helfen zu können. „Männer und Frauen im Kongo müssen neu lernen, einander zu achten, zu schätzen und zu schützen. Dabei kommt den Gemeinden eine zentrale Rolle zu.“


Da das Gebiet reich an Bodenschätzen ist, insbesondere an Koltanerz, bleibt es ein Zielpunkt gieriger Profiteure weltweit, die auch vor Terror und Krieg nicht zurückschrecken. Auf dem Rücken der kongolesischen Bevölkerung wird der Konsumrausch der Welt ausgetragen. Die Menschen im Kongo brauchen unsere Solidarität! Helfen Sie mit, ihnen ein Zeichen der Verbundenheit zu vermitteln: Die Welt hat euch nicht vergessen, wir haben euch nicht vergessen! Hier können auch Sie sich unserer Feuerwehraktion für den Kongo anschließen – damit die Hilfe in Not kein Tropfen auf den heißen Stein bleibt.

Sie sind die Hauptleidtragenden der Krise: Flüchtlingswaisen im Kongo. Foto © <a href="http://www.flickr.com/photos/julien_harneis/536071220/sizes/n/in/photostream/">Julien Harneis</a>

Stichworte: Kongo Aids Feuerwehraktion