Ein Hafen im Leben – Landen und Losziehen

12. November 2014 // Alex Krutov ist Mitbegründer der Hilfsorganisation Pristin/The Harbor, einer christlichen Einrichtung für Sozialwaisen und ehemalige Straßenkinder mit einem intensiven Programm zur sozialen Integration von Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsenenalter. Seit 2008 gehört Pristin zu den Partnerprojekten der OJC und erhält zielgerichtete Zuwendungen aus der OJC-Weihnachtsaktion.

Gruß von der 13. Jahresfeier von Pristin/The Harbor in Sankt Petersburg

Statistik zum Staunen

Vor kurzem feierten wir den 13. Geburtstag von „Pristin / The Harbor“. Unglaublich, wie weit wir seit den Anfängen bei der Gründung im Juni 2001 gekommen sind. Über 150 Sozialwaisen haben seither unser Programm durchlaufen, nahezu alle (90 Prozent) sind erfolgreich ins Erwachsenendasein gestartet und bewähren sich heute mit guter Ausbildung selbständig und produktiv im Arbeitsleben. Keiner ist obdachlos, niemand in Kriminalität oder Drogen verwickelt. Die meisten (80 Prozent) sind aktive Christen, einige sind sogar selbst missionarisch unterwegs.

Besonders hervorzuheben ist, dass rund 40 Prozent unserer Absolventen ihren Weg in führende Hochschulen und Universitäten gefunden haben – im Vergleich dazu gelingt dies sonst russlandweit nur rund einem Prozent der Waisenkinder. Wir konnten die Spirale der Armut durchbrechen und die negative Statistik umkehren!

Ein Konzept zum Nachahmen

Neben unserer eigenen Arbeit konnten wir den Start der fünf neuen „Pristin / The Harbor“-Initiativen in Kursk, Kaliningrad, Ryazan, Kazan und Nizhniy Novgorod mit unterstützen und hoffen, dass in den nächsten Jahren weitere neue Zentren im ehemaligen sowjetischen Staatsgebiet hinzukommen. Gott sei Dank, der es uns ermöglicht, immer mehr ehemalige Waisen-/Heimkinder erreichen, ihnen in ihren Schwierigkeiten konkret beizustehen und sie in ein Leben in Würde und Mündigkeit zu begleiten. Sieben Absolventen haben wir in diesem Sommer verabschiedet und sechzehn neue Jugendliche in unsere Frauen- und Männer-Familien-Wohngruppen aufgenommen. Die Häuser sind wieder gefüllt!

In unserem Berufs-Training-Center, das mit sechs staatlichen Waisenhäusern kooperiert, erreichen wir jede Woche 70-80 Kinder zwischen zehn und achtzehn Jahren. Dank der neuerlichen Kooperation mit der Universität von Sankt Petersburg, die zwei christliche Studentinnen für die psychologische Betreuung der Gruppen freistellt, ist die Atmosphäre im Zentrum, das viele in ihrem Sozialverhalten beeinträchtigte Kinder aufnimmt, durchgehend entspannt und für alle sehr förderlich.

Das umfangreiche, seit 2010 entwickelte Programm für Single-Mütter nutzen aktuell 20 Mütter mit 25 Kindern. Die jungen Müttern, selbst ehemalige Sozialwaisen, lernen hier einen ausgewogenen, liebevollen und sachkundigen Umgang mit ihren eigenen Kindern, einen gangbaren Weg aus dem Teufelskreis der emotionalen Überforderung und Verwahrlosung.

Offene Türen zum Durchgehen

Aktuell politisch müssen wir uns neu orientieren, denn in Russland verändern sich die gesetzlichen Vorgaben für die Einrichtung der Waisenhäuser grundlegend. Die ehemaligen Waisenhäuser werden nun als Sozial-Rehabilitierungs-Zentren bezeichnet. Die hier Betreuten sollen durch den Besuch von öffentlichen Regelschulen in die Gesellschaft integriert werden. Das hat den Vorteil, dass sie mit Nicht-Waisen in Kontakt kommen. Der Nachteil ist jedoch, dass die Betreuer in den Zentren weder für die Herausforderung, diese Kinder zu integrieren, weder vorbereitet noch hinreichend ausgebildet sind. Glücklicherweise wechselte das Ressort der Waisenbetreuung vom Bildungsministerium zum Ministerium für Soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Schutz, das deutlich offener gegenüber nichtstaatlichen Partnern ist. Wir hoffen daher wir auf weitere Zusammenarbeit und haben uns im August für neue Kooperationen beworben.

Freunde fürs Leben

Allen, die uns seit dem Kauf bei der Renovierung der neuen Wohneinheit für Jungen tatkräftig unterstützt haben, möchten wir herzlich danken, denn dadurch konnten wir rund 60.000 € an Kosten einsparen. Besonders dankbar sind wir der OJC und den Freunden und Unterstützern der Offensive, die uns in diesen Jahren treu unterstützt haben und ein Segen für uns waren. Über 600 Kinder haben wir mit Unterstützung der OJC-Weihnachtsaktion durch unser Ausbildungs- und Berufs-Trainings-Angebote erreichen und unterstützen können. Sie hat auch den Kauf der ersten beiden Appartements und den Start unseres Single-Mütter-Programms mitgetragen. Möge der Herr Eure Großzügigkeit, Liebe, Freundlichkeit, Fürsorge und euer Mitgefühl reich belohnen.

Dankeschön!

Stichworte: Weihnachtsaktion Russland