A table - Großfamilientreffen - Erste runde

18. Dezember 2008 // Von Tanja Jeschke

Als die OJC im vergangenen August die Einladung "A TABLE" an alle Ehemaligen versandte, fühlten sich sofort so viele Ehemalige von dieser Idee des gemeinsamen Nachdenkens über eine Form der Tertiärgemeinschaft der Kommunität angesprochen, daß etliche gar keinen Platz mehr bekommen konnten. Es wird deshalb im nächsten Jahr vom 5.-8. März und vom 24.-27. September zwei weitere Treffen geben.

Mit diesen Treffen gibt die OJC dem Interesse vieler Ehemaliger ein Forum, dem Interesse nämlich, der Verbundenheit mit der geistlichen und menschlichen Prägung der OJC auch im Alltagsleben fern von Reichelsheim mehr Ausdruck geben zu können.

Was hat uns nun an diesem Wochenende gemeinsam bewegt?

Was ist entstanden?

Dominik Klenk stellte zunächst den neuen inneren Standort der Kommunität vor, aus dem heraus diese den Dialog mit den Ehemaligen sucht.

Ausgangspunkt ist die Gewissheit darüber, daß alles wahrhaftige Leben nur im Gemeinschaftlichen gelingen kann. Wenn ich nur um mich selbst kreise, finde ich keinen Halt. Das ICH trägt nicht. Aber in unserer Gesellschaft geht es immer mehr um das Ich, um den Erfolg des Egos. Und so nimmt die Anonymisierung zu, während die Personalisierung abnimmt und der Einzelne in sich selbst versackt. Weil das so ist und der einzelne Mensch dabei seinen Sinn verliert - das Lebenswerte über mich selbst hinaus, die Hoffnung und Beziehungsfähigkeit - schießen allerorts die Heilsversprechungen aus dem Boden wie Pilze. Die Endlichkeit wird zum Horizont und die Dimension der Kindschaft darüber vergessen. Auch in der Kirche ist das mehr und mehr der Fall. Sie versucht sich mit Events über Wasser zu halten, aber damit ist ihr Auftrag nicht abgegolten, der in der Verleiblichung Jesu Christi besteht.

Die daraus hervorgehende Frage der Kirche ist vielmehr: wie kann gemeinsames Leben gelingen? Dieser Frage versucht die OJC sich konkret zu stellen. (Und sie stellt sie auch den Ehemaligen. Wer hören will, der höre!)

Als Christen haben wir die Würde verliehen bekommen, Jesu Arme zu sein. Dafür braucht es die Gemeinschaft von offenen Tischen, an denen der Dialog unter den Einzelnen möglich wird. Ein Dialog, in dem es um die größere Hingabe geht, auf die wir uns ausrichten wollen. Es braucht das, was größer ist als ich selbst, das mein Leben trägt. Und das dann auch die Gesellschaft verändert. Denn wo ein Wir entsteht, da potenzieren sich die Kräfte, da geschieht das Überraschende und Gott kann ins Spiel kommen.

Die OJC hat in den Jahren von 2000 bis 2008 eine Zeit der Profilierung und Innerlichkeit durchgemacht, in der die Vergangenheit verarbeitet wurde. Die Kommunität hat eine eigene "Grammatik" entwickelt, sie ist eine Frucht, die aus der Klärung des Wir entstanden ist. Diese Grammatik ist nicht die Sprache des Wir, sie ist eher der Steigbügel der Sprache. Sie ermöglicht quasi die Lithurgie des gemeinschaftlichen Alltags.

Diese Lithurgie spannt sich über ein Kreuz von vier Polen:

  1. die letzten Dinge,
  2. die Atmosphäre,
  3. die Regeln und
  4. die vorletzten Dinge.

Die vorletzten Dinge sind die alltäglichen pragmatischen Gegebenheiten, auf die wir meistens am stärksten ausgerichtet sind. Über diesen dürfen wir nie vergessen, daß wir "hoch angebunden" sind: Nämlich an den vorletzten Dingen, die unseren geistlichen inneren Menschen ausmachen. Denn dadurch allein haben wir unsere Würde.

Die Atmosphäre ist ganz entscheidend dafür, daß etwas Neues entstehen kann, daß Beziehungen gelingen, Konflikte gelöst und Leben möglich wird. Sie ist ein Wachstumsraum. Wir können Wachstum verhindern, aber daß es gelingt, haben wir nicht in der Hand. Eine gute Atmosphäre gedeiht in der Bindung des Einzelnen an Jesus.

Die Regeln sind für die Situationen aufgestellt, die nicht allein durch Atmosphäre bestimmt sind.

Die OJC hat 2008 mit der Gründung der Kommunität ihre Erkenntnis zum Ausdruck gebracht, daß es einen festen Kern von Menschen braucht, die zu Kontinuität bereit sind, damit die vielen Außenkräfte freigesetzt werden können.

Die Gründung der Kommunität ist also kein Abschluss, sondern ein Zwischenschritt zu einem neuen Aufbruch. Und vor dem stehen wir alle gemeinsam. Denn zu diesen Kräften der OJC gehören auch die Ehemaligen. Die OJC ist mehr als nur die Kommunität in Reichelsheim. Zu ihr gehören alle, die sich dem Auftrag der OJC verbunden und verpflichtet fühlen.

Dieser Auftrag besteht darin, ein Ort der Hoffnung für die jüngere Generation zu sein. Und es braucht dazu offene Tische: Orte der Herzensbildung, in denen das Wesen der Kirche, die Verleiblichung Jesu, gelebt werden kann. Orte, die den Dialog ermöglichen; Orte, an denen ich meine Armut teilen kann.

Zu diesem Thema "Armut teilen" hielt Frank Paul eine Bibelarbeit über Markus 6. Jesus fordert hier die Jünger auf, das Brot und die Fische, die sie haben, mit den Menschen ringsum zu teilen. Er lässt die Menschen eine Tischgemeinschaft auf dem grünen Gras bilden und vermehrt dann das Essen, so daß alle satt werden.

Zentral ging es um die Frage: Was ist das Wenige, das ich habe, das ich Jesus aushändigen kann, damit er es vermehrt? Wo halte ich etwas versteckt? Was will ich nur für mich selbst haben und was investiere ich nicht angemessen? Wo will ich etwas riskieren, weil Jesus da ist? Wenn wir wie die Jünger hier vergessen, wer mit uns unterwegs ist, nämlich der Herr selbst, dann kommt uns die Not unlösbar vor. Fünf Brote für tausende Hungrige!

Aber was wir Jesus aushändigen, kann er verwandeln.

Der Raum dessen, was OJC bedeutet, kann jetzt geöffnet werden. Jetzt ist Multiplikation möglich. Die OJC kann jetzt nach außen gehen und neue Formen finden - zum Beispiel durch die Bildung einer Tertiärgemeinschaft.

Wir stellten uns in vielen Gesprächsgruppen die Frage, wie ein stärkendes Netzwerk entstehen und wie die Verbindung zur OJC in Reichelsheim konkret gelebt werden kann.

"Denn dazu hat Gott die Kirche geschaffen, daß keiner allein stehe gegen den Teufel!"

Die Gruppen beschäftigten sich mit folgenden Fragen:

  1. Wie können wir die junge Generation erreichen und dabei nicht ausbrennen?
  2. Wie werde ich sprachfähig, d.h. wie rede ich von Gott, welche Sprache finde ich für die "letzten Dinge", welche Begrifflichkeit brauche ich, gerade auch im Kontext mit Andersgläubigen oder Ungläubigen?
  3. Wer ist Gott für mich? Was ist meine Sehnsucht, die ich in die Begegnung mit anderen hineintrage?
  4. Wie könnte ein geistlicher Rhythmus im Alltag aussehen, durch den ich mit der OJC verbunden wäre?
  5. Wie lebe ich Gastfreundschaft?
  6. Was für ein Modell könnten wir entwickeln, um eine Plattform für Austausch unter den Ehemaligen und der OJC zu gewährleisten?
  7. Wie könnten sich Regionalgruppen bilden und damit ein Netzwerk von OJC-lern gründen?

Bei den Gesprächen zeigte sich, wie stark die Sehnsucht nach Gemeinschaft in den Einzelnen ist. Nach einer Gemeinschaft, deren Qualität wir besonders in unserer Zeit in der OJC erlebt haben und die wir oft in unserer jetzigen Lebenssituation nicht so wieder finden, auch nicht in den Heimatgemeinden. Vielen wurde bewusst, wie schnell ein Draht unter den Leuten da ist, die mit der OJC verbunden sind, auch wenn sie sich eigentlich persönlich noch nicht kennen. Wie rasch ist ein gutes Gespräch möglich, ein tieferes Verständnis! Die Art und Weise über das eigene Leben und Menschsein zu reflektieren, die Weltbezogenheit und freimütige Spiritualität, die klare Ausrichtung auf biblische Werte und deren jüdischer Wurzelgrund haben in der Gemeinschaft zur Folge, daß schnell etwas lebendig wird und Vertrauen da ist. Viele erzählten, daß sie bei allen Wegen und Umwegen in ihrem Leben doch immer wieder innerlich bei dem ankommen, was sie in der OJC erfahren haben.

Die geistlichen Formen wie: Sonntagsbegrüßung, Sederfeier, Mittagsgebet, Stille Zeit und Austausch und Freitagsabendmahl wollen die meisten Ehemaligen - wie auch immer - nicht in ihrem Leben missen. Eine Tertiärgemeinschaft könnte die Form von Regionalgruppen haben, die sich regelmäßig treffen und zusammen diese Elemente pflegen, sich austauschen und unterstützen.

Die Idee eines Austausch-Forums im Internet wurde diskutiert.

Der Kontakt zur OJC kann durch regelmäßige Treffen in Reichelsheim gepflegt werden. Mitarbeiter können zu den Ehemaligen in den Städten fahren, um dort Impulse zu geben. Genauso aber können sich Ehemalige bereit erklären, die OJC bei Außeneinsätzen auf Kongressen oder Tagungen und bei anderen Aufgaben zu helfen, wie dies ja auch schon geschieht.

Wir wünschen uns tatsächlich eine Tertiärgemeinschaft zu bilden, die in einem gemeinsamen Gottesdienst einen feierlichen und gesegneten Anfang finden könnte. Dabei geht es auch darum, bewusst JA zu sagen zur Verbundenheit mit der OJC und der Verpflichtung mit ihrem Auftrag. Und das hieße auch: mitkämpfen, wo das gefragt ist!

Das Gespräch war ungeheuer inspiriert.

Aber natürlich kam das gemeinsame Feiern und Genießen nicht zu kurz. Am Samstag feierten wir auf dem Schloß und im REZ die Sonntagsbegrüßung mit Tanz, Witz und Wein. Am Sonntag hatten wir einen sehr schönen Gottesdienst, in dem jeder zu einer Segnungsstation gehen und ein persönliches Wort der Ermutigung ziehen konnte.

Was daraus entstehen wird, bleibt nicht nur abzuwarten: der gemeinsame Aufbruch ist bereits in vollem Gange, das Gespräch hat schon begonnen.

Stichworte: Aktion Tagung