Abschied von einer Freundin – kleiner Nachruf auf Christa Weber

15. Oktober 2015 // Es gibt keine Gotteserkenntnis ohne Selbsterkenntnis.

1995 kamen Elke und ich das erste Mal nach Tischinas. Über Jahre hatten wir anderen den Weg dorthin empfohlen, bis wir schließlich selbst mit unserer eigenen Not konfrontiert wurden und ihr nicht ausweichen wollten. Seit diesem Beginn haben wir die Chance der Besinnung und der zupackenden Gespräche mit Christa Weber jährlich gesucht. Und welch ein Geschenk ist es, an der Seite eines Wegkundigen sich durch das Unterholz der eigenen Lebensgeschichte und  -wunden hindurchzuarbeiten, wo man alleine eher resigniert und sich mit der Lebenslüge arrangiert. Nie zu schnell und nicht zu langsam, aber an der Seite Jesu, vollzog sich dieser Heilungsweg. Es wurde ein Weg der Geduld mit sich selbst; ein Bejahen der eigenen Wirklichkeit, anstatt mit den Flügeln des Glaubens über die Abgründe und Gräber der eigenen Lebensgeschichte hinweg zuschweben. Es wurde ein Weg an der Seite Jesu und in der Begleitung von Christa, die Höhen und dunklen Täler der eigenen Geschichte unter die Füße. Die Schmerzen dieses Wegs haben wir uns nicht gesucht, aber was wir dabei geschenkt bekamen, wollen wir nicht mehr missen. Heute möchte ich den Weg so beschreiben:

Vieles ist geheilt und hat dazu befreit, die Eigenheiten des anderen annehmen zu können, statt ihn laufend umerziehen zu wollen, aber auch nicht mehr Hand an sich zu legen. Es ist entlastend sich in den Schwächen und Stärken kennenzulernen und sie von Herzen zu bejahen. Es ist stärkend, die eigene Realität und die des Ehepartners, der Kinder und anderer Menschen mehr zu schätzen als meine idealen Träume von mir und vom anderen. Die eheliche Liebe und Wertschätzung sind gewachsen und das Vertrauen zueinander tiefer verwurzelt. So erweisen sich Konflikte und Fehler als Chance, umzukehren zu einer größeren Selbsterkenntnis und Lernende zu bleiben.In all dem wurde uns immer gewisser, dass Gott uns besser kennt als wir uns selber kennen, was unser Vertrauen in ihn als den tragenden Grund unserer Ehe durchzieht.

Die „Arbeit“ an uns hat zu einer Vertiefung unserer Beziehung mit unseren Kindern geführt. Weil wir uns selbst besser kennenlernten, wurden uns auch die Augen und das Herz für die Anliegen unserer Kinder geöffnet. Weil wir mit der Einsicht in unsere Gaben und Grenzen eine innere Befriedung erlebten, konnten wir anders die Gaben und Grenzen unserer Kinder sehen und annehmen, konnten aber auch besser Grenzen setzen und Gaben fördern.

Viele Geschwister unserer Gemeinschaft Offensive Junger Christen haben seit diesen zwanzig Jahren den Weg zu Ichthys gefunden. So hat Christas Liebe zu Christus und ihre Leidenschaft zur seelsorgerlichen Begleitung in unserem Leben seine guten Früchte hinterlassen. Und sie wirken fort in denen, die heute mit ihrem Leben diese Berufung fortsetzen.

Ralph und Elke Pechmann