Salzkorn 4-2015 "Es reicht!" ist lieferbar

3. Dezember 2015 // Teilen vermehrt die Freude, diese Binsenwahrheit wird in dem Heft beleuchtet

Die Advents- und Weihnachtszeit ist die Erinnerung daran, dass Jesus als Brückenbauer zwischen Gott und uns Menschen kam. Die Radikalität seines Lebens liegt darin, dass er sich selbst schenkte – nicht teilweise, sondern ganz und ohne Vorbehalte (und ohne unser Zutun). In diesem Geheimnis liegt unser eigenes Ganz-Werden und unser Zeugnis für die Welt; nicht als „widerspenstige und murrende Diener Christi“, sondern als „fröhliche Teilhaber am Beschenken der Welt durch Christus“, so Miroslav Volf. Denn allem Tun und Wirken geht das Empfangen voraus. Weil Jesus uns im Teilen des Brotes seinen Leib reicht, können wir als sein Leib zur „ungeteilten Bruderliebe“ gelangen und zu jener Einheit, die wir nur erbitten, aber nicht herstellen können.

Von Anfang an gehörte das interkulturelle und internationale Engagement zu unserem Auftrag. Auch ganz aktuell haben wir in der OJC als Denk- und Praxiswerkstatt hilfreiche Ansätze entwickelt und zusammengestellt, die die Begegnung und den Austausch mit Migranten befruchten können. Über das ganzheitlich-inspirierende Wochenendseminar Die Fremden verstehen berichtet Ute Paul ausführlich.

Wie es sich konkret anfühlt, dem Fremden zu begegnen, schildert Tabita Stegen, die letztes Jahr bei uns ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvierte, in ihrem Bericht vom internationalen Begegnungscamp mit jungen Roma aus Bulgarien und Ungarn. Krisztián Lakatos, ein ungarischer Teilnehmer, gab uns ein bewegendes Zeugnis über seinen Lebensweg und formulierte, was ihm in dieser Zeit deutlich wurde: „Die gemeinsamen Tage haben mir noch mal die Augen dafür geöffnet, dass es nicht nur um mich geht, um meine Qualifikation, sondern um uns alle. Darum, meinem Volk beizustehen, Hoffnung zu schenken.“.

Die jährliche OJC-Weihnachtsaktion ist unser Beitrag zum weltweiten Brückenbau durch das Teilen. Es sind kleine, aber wirkungsvolle Projekte, die Menschen vor Ort ermutigen und dazu befähigen, in ihrem Land ein Zeichen zu setzen. Diesmal möchten wir Sie an die Anfänge der Weihnachtsaktion vor 44 Jahren erinnern, wie in den Siebzigern alles mit einem Flüchtlingsstrom aus Pakistan begann und wie es um das in diesem Jahr geförderte Projekt in Pakistan steht.

Unser Freund Kosta Milkov, Leiter des Balcan Institute for Faith and Culture in Skopje (Mazedonien), sieht die Flüchtlingskrise, die auch in seinem Heimatland Spuren hinterlassen hat, als Nagelprobe für die Kirche Jesu. Seines Erachtens ist eine heikle, aber großartige Gelegenheit für sie gekommen, sich auf ihre Kernkompetenz zu besinnen: auf die Gabe, in einer heimatlos gewordenen Welt um das eigene Obdach zu wissen, Obdach zu geben und dabei immer neu die Erfahrung zu ermöglichen, dass Gott selbst Wohnung nimmt, wo er eingeladen wird.

Salzkorn 4-2015 "Es reicht!"