Maß halten: Der Weg des Bieres – der Weg des Mannes

22. Januar 2016 // Bericht vom ersten Wochenende dieses neu konzipierten OJC-Männerseminars

Maß halten. Das war das Thema im Männerseminar. Über die Kunst des Bierbrauens, ein Prozess in sieben Stufen – und die analogen Abläufe im Leben des Mannes, in seinen Wachstumskrisen oder auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Zwei Sorten haben wir an diesem Wochenende gebraut: Böhmisches Pilsner und Roter Baron. Dazu gab es Vorträge, kamen wir in dichten Austausch. Unter anderem in den Fragen männlicher Sexualität.

Beide Biere befinden sich nun im Gärprozess, der allem erst seine Krone verleiht. So mag man die Zeit ansehen, welche jeder von uns Teilnehmern nun bis zum zweiten Wochenende durchlebt. Mit den Fragen unterwegs zu sein, die vielleicht etwas bei dem einen oder anderen zum Gären anregen, mich mit meinen Spannungen und Extremen in Berührung bringen können.

Ein zentrales Geschehen, welches das Bier erst zum Bier werden lässt und den Mann zum Mann: das Läutern, das Entmischen von Brauchbarem und nicht Brauchbarem. Das war unsere Brücke: vom Bier zum Mann, vom Mann zum Bier, zu den analogen Lebenskrisen im Leben des Mannes. Und ehe es zum Läutern kam, brauchte es verschiedene Temperaturstufen, die die im Malzkorn vorhandene Stärke in Zucker umwandeln, die der Würze ihre süße Geschmacksnote erst verleihen. Und nach dem Läutern, nachdem der Hopfen zur süßen Würze hinzugekommen war, wurde es erst richtig heiß. Beim Probieren dieses Mischung schmeckten viele, was auch in Lebenskrisen auftaucht, dass sie recht „süße“ und äußerst „bittere“ Seiten haben kann. Und die meisten wollen das Bittere gerne loswerden, aber auf Dauer wird ihnen an einem nur „süßen“ Leben auch übel und Überdruss steigt empor. Erst die Zeit der Gärung unter der Wirkung der Hefe – eine Zeit unter viel Geduld und Warten – bringt den Wohlgeschmack rechter Milde und strenger Herbheit zustande. Ungetrennt und unvermischt machen sie das Bier zu dem, was viele an ihm lieben. Nicht anders ist es im Leben des Mannes – der sich heute eher dazu anhält, den Extremen seines Lebens sich zu entziehen, lieber die Süße oder die Herbheit zu wählen, nur die Stärke zu wählen, die Schwäche zu verachten. Stattdessen wächst männliches Profil daran, in Lebenskrisen die Stufen ihrer seelischen Temperaturzunahme auszuhalten und sich darin kennenzulernen. Daran findet er sein Maß der fruchtbaren Spannung von Stärken und Schwächen, beide Extreme kennen-, aushalten- und bejahen zu lernen.

Bis auf den Tag legen wir großen Wert auf das Reinheitsgebot beim Brauprozess. Worauf legen wir Wert beim Mann?

                                                                                               Ralph Pechmann

Weitere Termine für dieses Seminar:
28.-30. April 2017 und 30. Juni-1. Juli 2017
10.-12. November 2017 und& 12.-13. Januar 2018

Das neue Brauseminar - nur für Männer