Mit Ernst Christ sein wollen

27. November 2017 // Das Seminar mit Prof. Peter Zimmerling war Abschluss und Höhepunkt unserer Veranstaltungen zum Reformationsgedenken.

Das Thema war ganz zentral in der Botschaft der Reformation angesiedelt und hatte zugleich viel mit unseren heutigen Fragen nach verbindlichem Gemeinschaftsleben zu tun. Unserem Referenten, Prof. Dr. Peter Zimmerling (Leipzig), profunder Kenner Luthers, gelang dieser Brückenschlag hervorragend, auch deshalb, weil er selbst vor rund 30 Jahren auf Schloss Reichenberg lebte und die OJC-Spiritualität mit prägte.

Mit den Umbrüchen vor 500 Jahren wurde in der werdenden protestantischen Kirche das reichhaltige Erbe der Klöster verschüttet. Dieses für heute wieder fruchtbar zu machen – für Kirche wie für Kommunität – war das Anliegen der Impulse, der die rund 40 Tagungsteilnehmer aufmerksam lauschten.

Peter Zimmerling gab uns zunächst einen Einblick in Luthers Spiritualität. Dort liegen die geistlichen Grundlagen für die Reformation und die daraus entstandenen Kirchen bis heute. Der zweite Vortrag machte mit Hilfe zahlreicher Quellentexte die Sicht Luthers auf gemeinsames Leben besser verständlich. Und wie dieses verschüttete Erbe schließlich für heute wieder fruchtbar werden kann, war Inhalt des abschließenden Vortrages. Uns wurde deutlich, wie stark Kirche und Kommunitäten sich ergänzend aufeinander beziehen und einander bedürftig sind. Zahlreiche Beispiele belegten, inwiefern gemeinschaftliches Leben als Praxis- und Experimentierfeld eines Glaubens mit Zukunft zu verstehen ist. In den anschließenden Gesprächsrunden gelang auch die Übertragung in verschiedene Formen gemeinschaftlichen Lebens der jeweiligen Ortsgemeinden.

Praktisch umgesetzt und anschaulich wurde die Zusammengehörigkeit von Kirche und Kommunität gleich am Sonntagmorgen im Gottesdienst unserer Evang. Kirchengemeinde in Reichelsheim, in welchem Peter Zimmerling die Predigt hielt.

Zuletzt als kleine Kostprobe aus dieser Tagung noch folgende Zitate:

  • „Die Reformation war so nachhaltig wie keine kirchliche Reform vorher und nachher.“
  • „Der religiöse Individualismus – Glaube alleine, ohne Gemeinde, ohne Gemeinschaft – ist die entscheidende Schwäche der protestantischen Kirche der letzten 200 Jahre. Aber auch einer der wesentlichen Ursachen für die Gründung von Kommunitäten als Gegengewicht zur Vereinzelung. Begegnungs- und Beheimatungszentren.“
  • „Kommunitäten sind evangelische Gnadenorte. Veranschaulichungsinstanzen des Glaubens. Begabungsschule für junge Menschen.“
  • „Evangelischer, am Evangelium orientierter Glaube bedeutet nicht Formlosigkeit. Glaube braucht Formen. Ein ungeformter Glaube verweht im Wind.“