Schalom havera!

10. Januar 2011 // Neu: Ansprache von Ilan Brunner. Abschied von unserer Freundin Ester Brunner (23. März 1940 - 13. November 2010)

Hier geht es zur Ansprache von Ilan Brunner am Tag der Grabsteinsetzung. »»»


Wir nehmen Abschied von Esti

Zu ihrem Schöpfer heimgekehrt ist unsere liebe Freundin Esti Brunner aus Tel Aviv. In den Jahren des gemeinsamen Engagements für Versöhnung zwischen unseren Völkern ist eine tiefe Verbundenheit gewachsen zu ihr und ihrem Mann Ilan, mit dem sie das Disraelis-Projekt gegründet und geleitet hat. Wir denken dankbar an die kostbaren Begegnungen in Deutschland und im Heiligen Land. ...


Im Juni noch wollte sie mit Ilan eine Gruppe junger Israelis zur internationalen Begegnung nach Reichelsheim begleiten; stattdessen musste sie sich am Tag des Abflugs der Gruppe einer schweren Operation unterziehen. Von da an ging alles sehr schnell.


Kennengelernt haben wir Brunners anlässlich einer Versöhnungskonferenz in Israel im Jahr 2001. Ilan hatte uns herausgefordert: „Redet nicht nur über Versöhnung - tut etwas!“ Seither haben wir mehrere Gruppen von jungen Israelis, die bei Terroranschlägen oder im Militärdienst verletzt wurden, nach Deutschland zur Erholung und zur Begegnung mit jungen Deutschen eingeladen.


Esti Brunner hat diese Gruppen immer zusammen mit ihrem Mann begleitet, dem sie eine großartige Gefährtin und Ergänzung war. Ihre warmherzige Art hat die Atmosphäre geprägt und ihre mütterliche Zuwendung war vielen, die schwer an ihren Verletzungen und inneren Traumas zu tragen hatten, eine wichtige Anlaufstelle. Mit Humor und Engagement schlug sie die Brücke auch über kulturelle Klüfte und hat damit wesentlich zum Gelingen der Begegnungen beigetragen. Wichtiger als ihre Sprachgewandtheit – sie sprach mindestens 5 Sprachen fließend – war die Sprache des Herzens, die sie sicher beherrschte. So ist sie uns eine gute Freundin geworden, der die schweren Lasten der jüdisch-deutschen Vergangenheit immer bewusst waren, die aber auf eine bessere Zukunft baute - und an ihr mitbaute.


Für ihre Kinder und Enkel war sie ebenfalls der fürsorgliche und geschätzte Mittelpunkt der Familie - das konnte jeder spüren, der sie erlebt und von ihren Kindern und Enkeln erzählen gehört hat. Besonders beeindruckt hat uns die innere Stärke, mit der sie ihre schwere Krankheitszeit angenommen hat. Unmittelbar nach der Operation unternahm sie – erstmals gemeinsam – mit ihren beiden Söhnen eine Reise in ihr Geburtsland Portugal. Während der Wochen ihrer Krankheit hat sie nie die Hoffnung aufgegeben und Pläne geschmiedet und blieb allen ihren Freunden dankbar und freudig zugewandt.


Unsere Hoffnung ist, dass sie den EINEN, Lebendigen, jetzt sehen kann, von dem schon Hiob gesprochen hat: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Sie ist angekommen bei IHM, der sie mit großer Liebe, Frieden und Fürsorge erwartet. Hier in dieser Welt fehlt sie uns – wir sind aber dankbar für die Fülle guter und mutmachender Erinnerungen, die wir mit ihr verbinden können.

Ester Brunner

Stichworte: Israel Audio