Über die Vergangenheit stolpern

31. März 2011 // .. können nun auch wir in Reichelsheim, dank der Stolpersteine des Kölner Bildhauers Gunter Demnig.

An fünf Stellen im Ort wurden die mit Messing beschlagenen Pflastersteine in den Fußweg eingelassen, dort, wo vor der Schoah Menschen jüdischen Glaubens wohnten. Alle mussten sie weichen - Reichelsheim war ihnen seit der Reichspogromnacht 1938 keine Heimat mehr. Einigen gelang die Flucht ins sichere Ausland, die meisten wurden in den frühen 40-er Jahren deportiert und kamen um: in Theresienstadt, in Auschwitz, in Maidanek und an vielen anderen Orten.

Auf den Messingplatten der Stolpersteine sind ihre Namen eingraviert, ihr Geburtsjahr und Jahr und Ort ihres Todes. Die Ev. Michaelsgemeinde, der Katholischen Kirche, der Christus-Gemeinde der SELK und der Offensive Junger Christen haben die gemeinsamen Initiative gestartet, die politische Gemeinde hat sie auch zu ihrem Anliegen gemacht. Heute, am 31. März kamen die ersten Steine im Rahmen einer würdigen Gedenkfeier an den Ort ihrer Bestimmung. Im 31. Mai werden weitere Stolpersteine verlegt.

Eines dieser Orte ist das ehemalige Haus der Metzgerfamilie Loeb in der Reichenberger Str. 6.
Michael Wolf, Geschäftsführer der OJC, stellte das bewegende Schicksal der Familie vor und mahnte an, das Gedenken der Opfer in Ehre zu halten: "Wir tragen diese Aktion mit, weil wir überzeugt sind, dass die Verbrechen gegen Juden in der Nazizeit, ihre Verfolgung, ihre Vertreibung und ihre Ermordung nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Es braucht Menschen, die die Erinnerung wach halten, und es braucht Orte und Zeichen der Buße, des Gedenkens und der Mahnung. Nie wieder darf solches Unrecht unter uns geschehen. Diskriminierung, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit dürfen in Reichelsheim niemals wieder Raum haben."

Seit vielen Jahren lädt die OJC junge Israelis nach Reichelsheim ein, um die Versöhnung zwischen Deutschen und Juden in der jungen Generation zu fördern. Die Stolpersteine werden bei kommenden Begegnung einge Stationen des gemeinsamen Erinnerns bilden – und damit das Fundament für eine Brücke, nicht nur zur eigenen Geschichte, sondern auch zu einer gemeinsamen Zukunft. 

Ja, wir wollen nicht über das Vergangene hinweggehen, wir wollen stolpern, ins Nachdenken geraten und uns erinnern - damit wir Frieden finden und damit wir lernen, ihn unter uns zu bewahren. Shalom, Reichelsheim!

Hier können Sie eine Broschüre über die Stolpersteine in Reichelsheim herunterladen!

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Die ersten vier Stolpersteine in Reichelsheim sind verlegt.

Stichworte: Aktion