Circles of Hope - Orte der Hoffnung

6. Juni 2011 // An Himmelfahrt gings um Lämmer unter Wölfen, um die Risikobereiten, die nicht ungeschoren bleiben, um die in der Wolle gefärbten, waschechten Christen - und darum, wie der Gute Hirte seine Schafe bei der Stange hält.

Ein Schaf mit Peperoni im Maul, das anmutet wie das Messer im Mund eines Piraten. Das Logo für den diesjährigen Tag der Offensive machte es uns vor: Wie aus einer Herde Schafen eine scharfe Herde wird.
Eine stattliche Herde waren wir, über 500 Besucher hatten sich eingestellt, um am diesjährigen Tag der Offensive (TdO) den Vatertag Jesu und seinen Regierungsantritt in der sichtbaren und unsichtbaren Welt zu feiern. In allen Beiträge auf der Bühne ging es immer wieder um die Frage, wie in einer Zeit der zunehmenden Anonymisierung und Beschleunigung soziale und geistliche Räume geschaffen werden können, in denen Menschen - junge und alte - in Jesus Christus Heimat, Freundschaft und Orientierung finden. 


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Eine ganz andere Regierungserklärung

Wie jedes Jahr, begann auch dieser TdO mit einem Festgottesdienst, in der Prof. Dr. Peter Zimmerling, Theologe an der Uni Leipzig und Domherr zu Meißen, über das „Regierungsprogramm“ Jesu (Lukas 10 - Sendung der 72 Jünger) sprach: Im Gegensatz zu allen anderen, die wir kennen, verzichtet Jesus auf die gängigen Grundpfeiler der Herrschaft: auf Geld, Gewalt und augenfälligen Erfolg. „Wie Lämmer unter die Wölfe“ sendet er seine Jünger, ohne Geld, ohne Waffen, ohne Protektion. Nicht um Machtentfaltung und Absicherung geht es denen, die sich in diesem Regierungsbereich engagieren, sondern um risikobereiten Einsatz und freudigen Dienst. Das Reich Gottes bezieht seine Legitimation „nicht von dieser Welt“ und ihren Mächtigen, es unterliegt auch nicht ihren Gesetzen vom Recht des Stärkeren, Klügeren und Schöneren. Seine Grundregeln sind in der Bergpredigt zusammengefasst und mit der Verheißung besiegelt, dass die Sanftmütigen das Land erben werden.

Himmel und Straßenstaub

Der Predigt von Peter Zimmerling, der vor 25 Jahren selbst in der OJC mitlebte- und arbeitete, folgte die Vorstellungsrunde von Christian Schneider und Christine Schneider-Tanner (Basel): Das schweizer Ehepaar berichtete von einem fernen Hoffnungsort, den die OJC in der Weihnachtsaktion seit Jahren unterstützt: die Arbeit von ONESIMO, einer Jugend- und Drogenarbeit in den Müllbergen Manilas (Philippinen). In den betreuten Zentren von ONESIMO finden Straßenkinder ein Zuhause und auch den Weg aus Drogenkonsum und destruktivem Verhalten in ein neues, menschenwürdiges und hoffnungsvolles Leben. Ihre spannenden Erlebnisse in den Slums haben Christian und Christine in dem jüngst erschienen Buch „Himmel und Straßenstaub“ festgehalten.
Die etwa 150 angereisten Kids und Teens verbrachten den Tag im von der OJC betriebenen Reichelsheimer Europäischen Jugendzentrum mit eigenen, altersgemäßen Gottesdiensten und einem gepfefferten Programm mit Sport, Spiel und Spass auf „würzigen Weiden“.

Erfahrungsfeld Schloss - Erfahrungsfeld Kommuntät

Nach dem Gottesdienst trabte die „Herde“ dann hinauf auf den Reichenberg zum Grasen und Lagern. Dort konnten sich die Besucher an den interaktiven Stationen des religionspädagogischen Erfahrungsfeldes „Wege zum Leben“ einen Eindruck von dem Großprojekt der OJC machen. Seit fünf Jahren entsteht auf dem romantischen Burggelände innerhalb der Ringmauern ein kreativer „Ort der Hoffnung“, der Meditation und Begegnung. Seit Mitte Mai ist das Erfahrungsfeld wieder für Besuchergruppen geöffnet. Erst jüngst konnte wir die Fertigstellung des renovierten historischen Rittersaales feiern.


Durch das nicht immer lammfromme Programm am Nachmittag führte Michael Wolf, dessen Name schon Anlass zur Erheiterung gab. In seinem Interview mit Christine und Dominik Klenk, seit 2002 mit der Leitung der OJC betraut, gaben die beiden ihr Ausscheiden aus dem Leitungsamt bekannt und berichteten den Freunden über ihren Entscheidungsprozess. Dominik Klenk wird nach Ablauf seiner dritten Amtsperiode 2012 nicht mehr für das Priorenamt zur Verfügung stehen, deshalb wählt die Kommunität im Herbst 2011 einen neuen Prior und Vereinsvorsitzenden. Dankbar blickt das Ehepaar zurück auf die bewegte und bewegende Epoche des Generationenwechsels in der OJC, den sie nicht nur initiiert und moderiert, sondern auch maßgeblich mitgeprägt haben. Beim TdO 2012 soll der (Hirten-)stab der Leitung feierlich übergeben werden.


Hoffnungsorte deutschlandweit

Von anderen „Orten der Hoffnung“ in Kassel, Bremen und Karlsruhe berichteten Stefanie Wolf, Fabian Backhaus und Mark Reichmann in einer anregenden Fragerunde. Sie experimentieren alle mit kommunitären Lebensformen und engagieren sich in sozialen Milieus, die selten im Blickfeld von Kirche und Gemeinde stehen. Zum Abschluss ihrer Statements warfen sie Riesenbälle ins Publikum - eine spielerische Konkretion der Impulse, die die Zuschauer in ihr Umfeld und ihre Gemeinden weitertragen sollen. Wer sich tiefer in das Thema kommunitäres Leben einarbeiten wollte, konnte das in den Workshops und Gesprächen während der folgenden Vertiefungstage bei der OJC. Die Besucher waren sich einig: Es rollen nicht nur die bunten Bälle weiter; es gehen auch viele hoffnungsvolle Impulse ins Land hinaus.

Christine und Dominik Klenk gaben im Interview mit Michael Wolf Auskunft über ihre Entscheidung, für das Leitungsamt der OJC über 2012 nicht zur Verfügung zu stehen. © OJC

Stichworte: TdO - Tag der Offensive